Modular, analog und Schrankwand-groß? Das ist lange her. Manfred Fricke bietet jetzt halbmodulares Patchen für die Hosentasche.

Manfred Fricke macht gerade alles richtig: Nach dem fulminanten Start des Minidrumcomputers MFB 503 hat er nun mit dem MFB Synth 3 aka Kraftzwerg einen semimodularen Analogsynthesizer vorgestellt, der sehr transportabel ist und irgendwie die Assoziation “Cwejman S1 Light” bei mir ausgelöst hat.

von Nerk aka Benjamin Weiss aus De:Bug 122

Übersicht
Der Kraftzwerg ist die halbmodulare Version des MFB Synth 2, allerdings ohne Speichermöglichkeiten, dafür aber mit der satten Anzahl von 37 Patchbuchsen im Miniklinkenformat. Steuern kann man ihn sowohl analog oder auch per MIDI, selbst eine Mischform ist möglich. Der Aufbau ist klassisch: Drei Oszillatoren mit dazugehörendem Mixer, 24 dB Tiefpassfilter, Ringmodulator, Rauschgenerator, Dual-LFO, VCA und zwei ADSR-Hüllkurven. Im reinen MIDI-Betrieb sind die Elemente fest verschaltet, fängt man an, Kabel zu patchen, bricht die Struktur mehr und mehr auf. Wer will, kann sich den Kraftzwerg übrigens auch selbst aus einzelnen Modulen von Fricke zusammenbasteln, die alle auch separat erhältlich sind.

Patchen
Bei 37 Buchsen hat man die Qual der Wahl, wo man überhaupt mit dem Patchen anfängt, und tatsächlich mindestens ein paar hundert sinnvolle Verschaltungsmöglichkeiten. Einfach loslegen ist da immer ein guter Startpunkt und so ist der Kraftzwerg auch für alle, die noch nie mit einem Modularsystem gearbeitet haben und vielleicht angesichts der Möglichkeiten schnell überfordert sind, ein gutes Gerät, um sich mit modularer Klangsynthese vertraut zu machen. Dabei hilft die Beschriftung der Patchbuchsen, die immer klarmachen, ob man einen Ein- oder Ausgang vor sich hat und ob die Buchse mit CV oder Gate gefüttert werden möchte.
Wirkliche Patchorgien mit vielen Kabeln sind im Livebetrieb jedoch nicht zu empfehlen, da bleibt man leicht an den Kabeln hängen oder kann wegen der Nähe der Bedienelemente zueinander nicht mehr genau erkennen, was man eigentlich macht.

Bedienung und Sound
Der Kraftzwerg ist sehr gut geeignet für den Liveeinsatz (wenn nicht zu viel gepatcht wird), durchsetzungsfähig im Sound und leicht und bequem zu handhaben, was ihn auch für Einsteiger als halbmodularen Analogsynthesizer interessant macht. Prinzipbedingt lässt sich jedoch nichts speichern und so muss man sich schon gut mit dem Kraftzwerg auskennen, um mal eben zielsicher einen völlig neuen Sound zu schrauben oder auch einen bereits benutzten wieder zu rekonstruieren, wobei der Griff zur Digitalkamera helfen kann und der Weg zuweilen mit positiven Überraschungen gepflastert ist. Wabernde, gegeneinander verstimmte Basslines, markerschütternde Sägezahnorgien, britzelnd elektrische Klangtexturen, das sind die Kernkompetenzen des Kraftzwerges, aber auch die Standards überzeugen klangtechnisch immer. Für einen wirklich fairen Preis bekommt man neben einem guten Synthesizer und einem kleinen Modularsystem auch noch ein vollständiges Midi/CV-Interface.

Preis: 579,- Euro

MFB

SchneidersBuero (deutscher Vertrieb)

7 Responses

  1. dr-w

    ein absolutes MUST HAVE fuer jeden analog fan.
    das ding klingt HAMMER!

    ein grosses BRAVO! an meister fricke!

  2. Michael

    Das erste Klangbeispiel ist absolut gut, läuft hier schon in loop mode.

  3. Michael

    hehe, wups, das war für die 503 trommelmaschine gedacht … kommt davon, wenn man giert anstatt zu arbeiten…

  4. paxta

    für den Preis echt unschlagbar, ich liebe den MFB Sound ! Synth 1 und 2 hab ich schon, freu mich auf den Kraftzwerg.

  5. Jauly

    hey ja, wo sind die sounddemos dazu… irgendwelche?

    das demo auf der mfb seite ist für mich zu gehaltlos in bezug auf modulares soundverhalten.

  6. De:Bug Musiktechnik » MFB: mehr Zwerge!

    […] 10V). Beide sollen im April kommen, dicht gefolgt vom Megazwerg, einem als Erweiterung für den Kraftzwerg gedachten halbmodularen Synthesizer mit Digital Delay und Modulationssequenzer im Juni, im Juli […]