Viel Wumms, wenig Fell

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MFB hat mit dem auf der Musikmesse gezeigten Tanzbären einen neuen Drumcomputer mit integriertem CV/Gate-Sequenzer am Start, der um einiges umfangreicher als seine kleinen Geschwister MFB-522 und MFB-503 ist, sich aber hier und da in seinen Schaltungen bei ihnen bedient.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 175

Auf der dicht bepackten Oberfläche tummeln sich allein dreißig Drehregler zur direkten Klangmanipulation, dazu kommen noch die Lautstärkeregler für jedes Instrument, die CV/Gate-Buchsen, die 16 Step-Buttons sowie weitere, um zu den entsprechenden Funktionen zu gelangen. Durch die schlanken und dünnen Potis bleibt der Tanzbär trotz der Fülle an Bedienelementen aber gut benutzbar. Auf unseren Fotos sind die Buttons noch schwarz, im Auslieferungszustand wird der Tanzbär aber graue und weiße haben, damit sich im Dunkeln die einzelnen Funktionen schneller finden lassen.
Auf der Rückseite gibt es neben dem Anschluss für ein Netzteil zwei MIDI-Ins, wovon der eine ausschließlich dem Empfang einer externen Clock gewidmet, der andere für die klangformenden Parameter (die komplett via MIDI CCs gesteuert werden können) und Notenbefehle gedacht ist.

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Instrumente
Insgesamt gibt es 14 Instrumente, die aus Platzgründen paarweise über Insert-Kabel nach draußen geführt werden: Immer schön dran denken also! Gleich zwei Bassdrums stehen für den richtigen Wumms bereit, wovon die erste mit acht klangformenden Parametern umfangreich bearbeitet werden kann und praktischer Weise auch einen eigenen Verzerrer hat. Die zweite ist auf Tune, Tone und Decay beschränkt, letzterer Parameter ist jedoch so offen angelegt, dass sich damit auch gute Bässe produzieren lassen. Die Snare ist fast so üppig mit Parametern ausgestattet wie Bassdrum Numero 1 und bietet zwei Töne, die sich gegeneinander verstimmen lassen, dazu Snappy mit einem separaten Decay, Decay für die Töne und eine in der Intensität regelbare Hüllkurve. Damit lässt sich eine ziemlich große Bandbreite an Snares erzeugen: leicht angedeutete Tupfer, noisig-rauschige Teppiche, aber auch reichlich Punch. Die Claps sind in Stereo ausgelegt, was zunächst verwundert, aber sofort Sinn macht, wenn man ihre Attack-Transienten durchhört, die an echte Handclaps aus klassischen Discotracks erinnern. Die Tom/Conga-Sektion eignet sich aufgrund der Möglichkeit eines unendlichen Decays (bei Bedarf stehender Ton) auch für Melodien und Basslines und kann darüber hinaus (wie auch die Bassdrums und die Snare) mit Pitchbend versehen werden. Das geschieht pro Step und kann nach Belieben an- und ausgeschaltet werden.

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Sequenzer
Gute alte X0X-Tradition: Die Steps werden wahlweise eingespielt oder gesetzt, es gibt A/B-Patterns, Roll und Flam, Fills, die einzelnen Instrumente lassen sich muten und auf einen Song-Modus wurde verzichtet. Die Länge des Patterns in Steps kann pro Pattern oder pro Instrument definiert werden, was schon hier rhythmisch komplexe Strukturen ermöglicht. Sämtliche klangformenden Parameter können als Automation ins Pattern aufgenommen werden, wahlweise pro Step oder als kontinuierliche Bewegung über das ganze Pattern. Shuffle kann pro Instrument individuell oder auf ein ganzes Pattern angewandt werden. Der Shuffle ist in 16 Stufen einstellbar, wobei im hinteren Bereich eher wenig passiert.
Für die zwei möglichen CV/Gate-Spuren gibt es auch zwei einfache interne Synthesizer: Bass und Lead. Die Steps werden dabei genau wie im Drum-Teil eingegeben, Tonhöhe und Oktavlage über die Step-Tasten bestimmt, wobei die Bass-Spur zusätzlich noch einen Accent bietet und mit CV3 der Filter-Cutoff moduliert werden kann. Die zwei Synths sind sehr einfach gehalten und eher als Platzhalter für externe Instrumente gedacht, machen sich als kleine Ergänzung hie und da aber ganz gut.

Der Sound des Tanzbären ist ziemlich vielfältig, hat aber durchaus den typischen MFB-Charakter. So lässt sich sehr einfach eine große Bandbreite von Bassdrums erzeugen, die von samtweich bis ultrahart gehen können, wobei sie dann immer wieder an den mächtigen Klonk der XBase 09 erinnern. Die HiHats und Cymbals gehen eher in die seidig-weiche 808-Richtung, die Snare kann mit ihrem holzig-noisigen Sound auch wie die XBase 09 klingen, ist aber wesentlich variabler. Extrem gut gefallen haben mir die Claps, aber auch die melodisch spielbaren Toms/Congas sind prima.
Die Bedienung ist größtenteils logisch und selbsterklärend, hier und da gibt es kleinere Stolpersteine, an die man sich erstmal gewöhnen muss, aber insgesamt ist der Tanzbär angesichts der Fülle der Funktionen sehr übersichtlich geraten. Er überzeugt mit einem eigenen, druckvollen Soundcharakter, dem ultratighten Sequenzer, dem kompakten Formfaktor und dem integrierten CV/Gate-Sequenzer.

Preis: 840,- Euro

MFB