Besonders tight

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Obwohl die MIDI-Clock eine entscheidene Rolle in fast jedem Setup spielt, mangelt es gerade den großen Herstellern an überzeugenden Lösungen, um MIDI-Geräte korrekt miteinander zu synchronisieren. Die Midiclock von Rest & Maier könnte Abhilfe schaffen.

Eine nahezu jitterfreie, tighte MIDI-Clock: Das ist das Versprechen der kleinen Box. Das Problem instabiler Synchronisation über den Timecode des MIDI-Protokolls ist so alt wie MIDI selbst, nur leider kümmert sich heutzutage kaum jemand um die Verbesserung des Quasi-Standards, die großen Hersteller glänzen mit besonderem Desinteresse. Das Phänomen lässt sich vereinfacht so beschreiben: Die Clock wird durch Jitter – kleinen Abweichungen von der tatsächlichen Geschwindigkeit – ungenauer, was sich beim Weitergeben an andere Geräte potenzieren kann, die wiederum eigene Abweichungen produzieren.
Im Ergebnis sorgt das im besten Fall dafür, dass die Maschinen und Rechner zwar ungefähr gleich schnell laufen, der Groove aber verlorengeht. Und im schlimmsten Fall führt es zum kompletten Verlust der Synchronisation, was gerade bei Tempiwechseln oft passiert. Immer wieder gab es deswegen in den letzten Jahren Synchronisationshilfen wie den ACME von SND oder diverse Tools von Innerclock Systems, die das Synchronisationsverhalten auf unterschiedliche Weise ver- bessern sollten.

Übersicht
Die Midiclock ist ein kleiner metallener Kasten, dessen einzige Funktion die Erzeugung einer möglichst genauen MIDI-Clock ist: Laut Entwickler hat sie einen Jitter-Wert, der 50.000 Mal genauer ist als der eines Software- Sequenzers mit einem günstigen USB-Interface und 500 Mal genauer als eine durchschnittliche Drum Machine. Strom gibt es über den USB-Anschluss, der leider (noch?) kein MIDI transportiert, ansonsten sind die Bedienelemente äußerst überschaubar: ein großer gerasterter Drehregler mit Klick, eine vierstellige BPM-Anzeige und zwei Buttons sowie zwei MIDI-Out-Buchsen. Entsprechend schnell lässt sich auch die gesamte Funktionalität beschreiben: Mit dem Drehregler werden die BPM (auf eine Stelle hinter dem Komma genau) bestimmt, per Doppelklick wechselt man zwischen dem Live- und dem normalen Modus. Im Live-Modus werden Änderungen der Geschwindigkeit kontinuierlich an die MIDI-Ausgänge weitergegeben, im normalen Modus kann man in Ruhe die BPM einstellen, die erst durch Drücken auf den Drehregler ausgegeben werden. Neben dem Stop/ Start-Button gibt es Resync, das im laufenden Betrieb, falls eine Maschine nicht mehr synchron läuft, erneut einen Start-Befehl (MIDI Song Position Pointer) ausgibt, so dass man das Set nicht erst anhalten muss.

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Alles tight?
Von der Midiclock profitiert man vor allem bei Hardware, die grundsätzlich gleichzeitig losläuft, aber ein eher wackliges Timing hat: In einem solchen Verbund laufen die Geräte jetzt nicht nur hörbar, sondern auch messbar viel genauer synchron. Aber selbst wenn man zwei Laptops synchronisiert, auf denen Ableton Live läuft, ist der Unterschied deutlich spürbar: Zwar verstolpert sich Ableton immer noch, wenn man die Geschwindigkeit zu ruckartig im Live-Modus ändert, findet aber sehr viel schneller wieder zum tatsächlichen Tempo, kein Vergleich zur Synchronisation über ein normales Interface oder etwa Ethernet. Bei kontinuierlichen Änderungen, die nicht allzu schnell sind, holpert dagegen nichts.

Schön wäre es natürlich, wenn Midiclock auch speicherbare Setups mit Verzögerung anbieten würde. Denn jenseits vom Gebrauch mit einem Rechner, bei dem eine grundsätzliche Verschiebung des Startpunkts kein Problem ist, hilft sie zwar bei notorisch spät startenden Maschinen (wie zum Beispiel der kleinen Electribe-Reihe, die als Slave immer einen wahrnehmbaren Tick zu spät losläuft) die Stabilität der Clock zu verbessern, hat aber keinen Einfluss auf den Startpunkt. Die nächste Midiclock soll so eine Funktion bekommen, dazu wahrscheinlich DIN Sync. Insgesamt ein sehr sinnvolles Tool, nicht nur für Tightness- und Groove-Fetischisten, allerdings nicht ganz billig.

Preis: 195 Euro

Midi Clock

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