NI renoviert den S4

Es ist schon fast drei Jahre her, dass Native Instruments mit seinen S4 und S2 Controllern rauskam. Drei Jahre in denen sich das Auflegen massiv verändert hat. Nicht nur durch die massenhafte Abwanderung selbst von erklärten Vinyl-Junkies zu CD-Playern, die dazu geführt hat, dass die 1210er langsam als Symbol für DJs von CDJs verdrängt wurden, sondern auch in der Software und bei den Controllern. Native Instruments hat diesen Wandel mit immer neuer Hard- und Software begleitet und geformt. Angefangen von Remix-Decks und dem Flux-Modus – der Traktor in eine große Spielwiese verwandelt und eher in Richtung Produzenten-Tool verändert hat – bis hin zu den passenden Controllern für jedes Einsatz-Szenario: F1, X1 und Z1, die Mischpulte wie das Z2 und die wiederum in eigener Weise grandiose Umsetzung von Traktor auf iOS. Als Traktor-DJ hat man heute die Qual der Wahl. Mit dem S4 hatte NI zum ersten Mal einen Controller entwickelt, der die Software komplett in Hardware goss. Erstere wurde seither fundamental erweitert: Wie bekommt man all die neuen Features in eine Kiste? Der S4 MK2 (und der S2, der auch neu aufgelegt wurde) hat es insofern leicht, als dass er einfach alles an Neuerungen von der restlichen NI DJ-Hardware übernehmen kann, muss sich aber andererseits auch davon absetzen können.

von Sascha Kösch aus De:Bug 176

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Die Mixer-Sektion wurde vor allem durch einen dezidierten Filter-Knopf (wie beim Z1 und typischen DJ-Mischpulten) erweitert, der jetzt zusätzlich zu den Effekten zur Verfügung steht. Die Fader und Knöpfe sind in der klassischen Qualität, jedes Deck hat wie gewohnt zwei Effektkanäle und in der Mitte sitzt immer noch der Loop-Recorder.

Übernommen wurden auch die transparenten, mehrfarbigen Buttons, die den Controller erstmal ungewohnt bunt statt klassisch dark erscheinen lassen. Damit liefern die Tasten zusätzlich Information über ihre Funktionsweise, denn es wird ganz schön eng und komplex im Kopf mit acht Cue/Flux/Freeze/Remix-Knöpfen und vier für die Transport-Funktionen. Wer ein wenig an Traktor gewöhnt ist, wird sich aber dennoch schnell zurechtfinden.

Hier verstecken sich auch viele der Erweiterungen, die die Anpassung an iOS mit sich bringt. Der Loop-Slicer aus dem Freeze-Modus zum Beispiel, der einzelne Loops in acht Segmente zerlegt, die über die Buttons dann wie integrierte Samples abgespielt werden können. Außerhalb von Freeze sind es natürlich die klassischen Cue-Punkte in blau, in einem Remix-Deck die einzelnen Samples. Die Farben halten einen hier glücklicherweise intuitiv auf dem Laufenden.

Die Aktivierung des Controllers auf dem iPad läuft automatisch. Beim Einstecken des Tablets startet Traktor DJ und alles ist sofort startklar. Die zweidimensionalen Effekte lassen sich etwas umständlicher als auf dem Pad selbst (das man aber natürlich trotzdem weiter als Controller nutzen kann) über den Dry/Wet-Regler in Verbindung mit den drei Effektreglern nutzen, die Steuerung funktioniert wie gewohnt über den Browse-Regler und das iPad passt sich natürlich automatisch im Layout der jeweiligen Benutzung an. Die Effekt-Tasten blenden so zum Beispiel die Effekte ein (die zweite überflüssigerweise die Gain- und EQ-Regler). Den Beatgrid editieren, im Track zu anderen Positionen springen, on the fly Freeze-Mode, alles lässt sich mit dem S4 in einfachster Weise realisieren. S4 und iPad, Check! Das könnte einfacher kaum sein und klingt in Zusammenarbeit mit der gewohnt wuchtig klaren Soundkarte des S4 umso besser.

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Neu am S4 MK2 sind obendrein der dezidierte Flux-Button über dem Pitch-Regler und der Mode-Button bei den Effekten, der vom Single- in den Group-Modus umschaltet, sowie die metallenen Jog-Wheels, die einen Hauch leichtgängiger sind als beim Vormodell, dafür aber auch etwas präziser reagieren. Hier hat man sich im Design und dem Handling den gewohnteren CDJs angepasst.

Der Rest ist dem Vorgänger sehr ähnlich. Es lassen sich Plattenspieler oder andere Live-Inputs einschleifen, egal ob mit Control-Vinyl/CD oder in “echt”, die Zusammenarbeit mit CDJs funktioniert tadellos, der Sound ist ausgewogen wie immer, die Bedienung ein Klacks und auch der MIDI-In/Out-Modus wurde nicht eingespart. Wer entweder auf sein iPad, den Flux-Modus, die Remix-Decks, oder Plattenspieler und sonstige Inputs nicht verzichten kann, für den ist der S4-MK2-Controller (sofern die kleineren Einzel-Controller nicht ausreichen) perfekt. Und genau hier ist vielleicht auch das Problem, denn NI stellt mittlerweile so viele Controller für spezifische Einsätze bereit, dass eben nicht wenigen die tragbareren kleinen, gegenüber der All-In-One-Version die der S4 MK2 darstellt, reichen dürften.

PS: Achtung übrigens beim Netzteil: die alten funktionieren hier nämlich nicht wirklich.

Preis: 779 Euro

Native Instruments

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