The Finger ist ein neues Echtzeit-Audio-Mangling-Tool, das von Tim Exile (Warp) entworfen wurde, der für seine fulminant improvisierten Live-Shows bekannt ist, bei denen er neben dem Laptop exzessiv MIDI-Controller in Verbindung mit selbstentworfenen Reaktor-Patches nutzt.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 137

Übersicht
The Finger kommt in zwei Darreichungsformen: als Reaktor-Ensemble mit einer grafischen Oberfläche und als KORE-Patch, das wahlweise mit der Vollversion oder dem kostenlosen Player eingesetzt werden kann. Prinzipbedingt gibt es nur in Reaktor eine eigenständige Oberfläche, mit der sich die Funktionsweise leichter erschließt, bei den KORE-Varianten empfiehlt sich ein gründlicher Blick ins Handbuch. Insgesamt vierzig verschiedene Effekte können über eine MIDI-Tastatur und/oder MIDI-Sequenzen gesteuert und miteinander kombiniert werden, um sowohl Live-Signale als auch fertige Spuren zu bearbeiten. Die Effekte und ihre jeweiligen Settings lassen sich auf insgesamt vier Oktaven verteilen, die dann bei der entsprechenden MIDI-Note ausgelöst werden.
Die Bandbreite der gebotenen Effekte umfasst diverse Filtertypen, Waveshaper, Ring-Modulatoren, Delays, Granulareffekte, Verzerrer, Wavesampler und Looper, also alles, was man zum genüsslichen Zerschreddern gut gebrauchen kann. Sie können bei Bedarf zum Tempo synchronisiert werden.
Die Effekte können zusätzlich über die vier Twister getriggert werden. Das sind Drehregler, die jeweils die verschiedenen Noten einer Oktave und damit Effekte auslösen. Wie lange die so ausgelösten Noten dauern, lässt sich über einen Hold-Parameter bestimmen, dazu kommt noch eine globale Hüllkurve mit Attack und Release zum Ein- und Ausblenden des Effektanteils. Moduliert wird über Velocity und das Mod Wheel, wobei deren Werte zwei spezifische Parameter jedes Effekts und unter anderem das DRY/WET-Verhältnis steuern können.

Bedienung, Performance und Sound
Für aktuelle Rechner ist die Prozessorbeanspruchung trotz gut klingender Effekte auch bei intensivem Schreddereinsatz erstaunlich gering, auch wenn das eigentliche Laden des PlugIns ein wenig dauert. Schon die Presets zeigen eindrucksvoll, wie ergiebig und vielseitig der Finger einsetzbar ist. Wer live und im Studio gerne hemmungslos rumjammt (wobei die Twister wirklich sehr zu empfehlen sind) und ausprobiert, findet sich schnell zurecht oder versinkt seelig im Klangchaos und hat Spaß. Im Unterschied zu einigen anderen Werkzeugen dieser Art hat der Finger dabei immer einen gut definierten, klaren Sound, der nur pixelt, wenn er das auch wirklich soll.

Fazit
The Finger ist ein intuitives Effekt-Instrument für Live-Performances und das Studio, aber von der Herangehensweise auch sehr individuell. Mit Effectrix und Artillery 2 von Sugar-Bytes gibt es durchaus interessante Alternativen zu einem vergleichbaren Preis, die von der Oberfläche her teilweise etwas übersichtlicher und einfacher zu durchschauen sind. So ist es schlussendlich Geschmackssache, für welche Variante man sich entscheidet. The Finger ist auf jeden Fall für alle Laptop-Acts und Beatboxer ein ziemlich mächtiges Improvisations- und Performancetool. Lohnt sich!

Native Instruments

Preis: 69 Euro

4 Responses

  1. chester

    das ist schon brauchbar, nur sollte man drauf achten, ähnlich wie bei aktuellen filmen. das der track (handlung) der hauptdarsteller ist und nicht die effekte, was man bei heutigen produktionen leider allzuoft nicht der fall istt, talentfreiheit wird mit einer effektorgie zugekleistert.
    trifft NICHT auf tim exile zu…

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  2. VRU Berlin | Tim Exile auf VRU TV

    [...] anderem für Native Instruments gearbeitet. Herausgekommen ist dabei ein Software-Plug-In namens „The Finger“, was eine unüberschaubare Vielzahl an Effekten in einem einzigen Modul vereint, die einfach über [...]

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