DJ Controller von Novation mit sechzehn Trigger Pads



Novation engagiert sich verstärkt im DJ-Markt: Nach dem Dicer gibt es nun einen vollwertigen Controller mit integriertem Audio-Interface, der von den Features her durchaus mit NIs Kontrol S2 mithalten kann.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 158

Twitch ist ein zweikanaliger DJ Controller, der über USB mit Strom versorgt wird, etwa die Grundfläche einer 12″ hat, statt mit Jogwheels jedoch mit zwei Touchstrips ausgestattet ist, die ein wenig an Knight Rider erinnern. Das integrierte Audio-Interface hat einen Stereo-Ausgang im Klinkenformat, der Booth-Ausgang ist als Cinch angelegt, darüber hinaus gibt es einen Mikrofoneingang, natürlich einen Kopfhörerausgang und einen Aux-Eingang mit Cinch, um externe Signale bearbeiten zu können, die sich auch mit den Master FX bearbeiten lassen. Bis auf Mikro- und Kopfhöreranschluss sind alle Buchsen auf der Rückseite angebracht.

Oberfläche und Haptik
Novation hat dem Twitch ein robustes Plastikgehäuse mit ebenso robusten, aber präzisen Drehreglern und Tastern spendiert, die in nahezu perfektem Abstand zueinander sehr gut bedienbar sind. Pro Kanal gibt es je einen dreibandigen EQ und einen Fader, dazu kommt ein Crossfader. Die Fader sind sehr leichtgängig, aber trotzdem genau und können von oben ausgewechselt werden. Tracks lassen sich über ein Clickwheel auswählen und laden, zum PItchen gibt es pro Kanal ein weiteres Klickrädchen. Jedes Deck hat dazu einen Touchstrip und acht hintergrundbeleuchtete Pads.

Twitch und Itch
Der Twitch läuft von Haus aus mit Seratos Itch. Die Touchstrips erfüllen dabei die Funktionen, die normalerweise die Jogwheels hätten: Im Swipe-Modus werden Tracks angeschoben oder abgestoppt, auch das Scratchen geht überraschend gut. Im Drop-Modus werden die Cues in den Tracks gesetzt. Außerdem lassen sie sich für das schnelle Setzen und Anpassen von Beat-Grid-Markern nutzen. Hier sollte man sehr genau arbeiten, um die Pad-Funktionen voll ausschöpfen zu können: Mit den Hot Cues werden Cue-Punkte angewählt, der Slicer teilt das laufende Signal in acht gleichmäßige aufeinanderfolgende Parts, die sich dann über die acht Pads direkt anspielen lassen, wobei mit dem Touchstrip die Länge der Slices geändert werden kann. Auto Loop funktioniert ähnlich, mit dem Unterschied dass der Bereich, der gerade gespielt wird, geloopt wird, und die Loop-Länge mit den Pads gewählt wird. Die Volumefader lassen sich nicht nur für die Lautstärke, sondern per Button auch für die Modulation der Fader-Effekte nutzen, was zwar erstmal nach potentieller Fehlerquelle schreit, aber clever gelöst ist: wenn aktiviert, wird der Effekt zugemischt, sobald der Fader runtergezogen wird.

Live TwitchTranslator
Um den Controller auch mit Ableton Live komfortabel nutzen zu können, liefert Novation den Live TwitchTranslator mit, ein demnächst auch editierbares Max/MSP-Patch, das Feedback zwischen Controller und Live bereitstellt. So können über die 16 Pads Scenes und Clips gesteuert werden, wobei auch der Status abgelesen werden kann, also zum Beispiel ob der betreffende Clip schon läuft. Da die vier Funktionstaster über jedem Padblock die Bänke umschalten, gibt es auf jeder Seite so allein mit den Pads 32 Belegungsmöglichkeiten, dazu 14 Drehregler, die Buttons, die drei Fader und die Clickwheels (zum Beispiel als Scene-Selektor und Launcher), Kontrolle satt eben. Das I-Tüpfelchen wäre natürlich noch eine selbstbeschriftbare Overlay-Folie, aber die kann man sich zur Not ja auch selbst basteln.

Fazit
Mit dem Twitch ist Novation ein überzeugender Einstieg in die professionelle DJ-Sparte gelungen: nicht nur mit Serato Itch, sondern auch mit Traktor und Live lässt er sich intuitiv, wenn auch nicht ohne Lernkurve benutzen, außerdem ist er sehr leicht, aber robust genug für den mobilen Einsatz. Selbst Jogwheel-Fetischisten dürften sich nach kurzem Ausprobieren mit den präzisen Touchstrips anfreunden. Mit Itch spielt der Twitch die Vorteile der Touchwheels, Pads und der insgesamt sehr durchdachten und übersichtlichen Bedienung voll aus, aber auch die Traktor-Umsetzung ist mit ein bisschen Nachbearbeitung ziemlich überzeugend und wer genug Geduld hat, sich ein Ableton-Setup einzurichten, kann Twitch auch prima fürs Liveset einsetzen.

Preis: 599 Euro

Novation

4 Responses

  1. Booga

    Haptisch und funktional macht das Gerät absolut Sinn, die Benutzerführung ist ok und der Extraeffekt den man auf den Faderkanal legen kann bringt einen auf völlig neue Ideen. Aber. Klanglich greift das Gerät harsch mit einer integrierten Limiterfunktion ein wenn einzelne Kanäle übersteuert werden. Der Masterausgang des Twitch ist im Vergleich zu einem CD Line Ausgang vielleicht halb so laut. Ohne zusätzlichen Line Mixer mit eigenem Netzteil wird jeder DJ zwangsläufig “abkacken”, wenn der Kollege vorher bereits am Pult im orangenen Bereich war. Das ist im praktischen Einsatz einfach nur eine Enttäuschung. Warum nicht auf diese Schwäche eingehen und das mal mit einem anderen ähnlich gelagerten Controller vergleichen?

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