MP3 DJ Mixer für die Hosentasche

Ewig angekündigt, kann man ihn jetzt endlich kaufen. Der Pacemaker ist der erste richtige MP3-DJ-Mixer für die Hosentasche.

Von Sascha Kösch aus De:Bug 121

Als ich zum ersten Mal einen iPod gesehen habe, dachte ich mir: Wow! Ein neues DJ-Tool. Meine Enttäuschung über die Verschwendung des Click-Wheels als File-Navigations-Interface ist bis heute nicht ganz verschwunden. Und iPod-DJs sind bis heute noch ein Anlass für zynische Bemerkungen (ihr natürlicher Überlebensraum scheinen hippe Allerweltsdiscos zu sein, ja, auch in Berlin werden welche gesichtet, gerne auch im Wechsel mit iTunes-DJs). Alles vorbei, denn mit Pacemaker hat man endlich ein DJ-Setup für die Jackentasche, wahlweise auch, dann aber baggy, die Hose.

Was Pacemaker ist: zwei Decks und ein Mixer. Oder auch nur zwei Decks mit Effekten, obwohl – eigentlich ein No-Brainer – ich eine Weile gebraucht habe, bis mir klar war, dass ich den Kopfhörerausgang auch als zweiten Line-Ausgang missbrauchen kann. Und damit ist es erst mal auch die billigste Möglichkeit ein digitales DJ-Kit zu bekommen, das gut klingt und mehr als ausreichend funktioniert, auch wenn man eine große Anlage vor den Ohren hat. Für alle, die schon immer ihre Decks mitnehmen wollen – könnte ja eine Party vorbeikommen – ist er ein Gottesgeschenk. Was er nicht ist, ist ein mobiles DJ-Setup, mit dem man allein unter dem Kopfhörer perfekte Mixe machen kann, dafür bräuchte man nämlich drei Ohren.

Um Tracks auf das Gerät zu bekommen, braucht man leider die Pacemaker-Software. Die fungiert zwar noch als Mixtool und Mix-Community, ist aber für den schnellen Transfer fast Overkill. Nach dieser Hürde ist die Bedienung des PSP-großen Gadgets allerdings denkbar intuitiv. Jedes Deck ist eine Taste. Der Crossfader leuchtet, hell für seine Position, gedimmt für die Position des Kopfhörerausgangs. Das Trackpad funktioniert im Normalfall wie der Zeigefinger am Plattenteller, lässt sich aber, wenn man das Kreuz ernst nimmt, auch für die einzelnen Kanäle als Mid/Treble/Bass/Gain-Regler benutzen (alles immer nur einzeln), mit dem Zusatzhebel links außen auch als Effekt-Trigger. Tippt man auf die Mitte, ist man im File-Menu, das sich in Tracks, Artist, Genres aufteilen lässt. Hebel nach oben und man hat den Pitch-Regler auf dem Trackpad, nach unten und man kann die Kopfhörerlautstärke einstellen, über den Crossfader Cue/Mix-Verhältnisse. Fwd- und Rwd-Tasten skippen Tracks oder lassen einen (übrigens sehr gut funktionierende) Loops basteln und verlängern, und im Settingsmenu kann man sich seine persönlichen Vorlieben (Lichtverhältnisse, Crossfaderart, Autocue, Linelautstärke, Zeitanzeigen etc.) einstellen.

Club: ja oder nein?
Auf jeden Fall. Der Sound ist ziemlich satt, mühelos bekommt man mit einer halben Stunde Übung perfekte Übergänge hin und auch feine Mixe bis ins letzte Detail sind absolut drin. Ein paar Dinge sind aber nicht möglich, zum Beispiel wirklich schnelle Crossfader-Cuts, aufwendige Effektorgien (immerhin gibt’s einen dezidierten “Kill all”-Button), und z.B. Mitten gegen Bässe verschieben. Das größte Manko ist die BPM-Anzeige, die trotz Trackanalyse in den meisten Fällen +/- ein halbes BPM schwankt. Warum auch immer. Woraus folgt, dass man sich nicht einfach die passende BPM-Zahl suchen, und dann mit ein paar minimalen Korrekturen darauf verlassen kann, dass alles gut läuft. Wer sowieso nur nach Gehör mixt, dem kann das egal sein, aber die Verlockung drauf zu schauen ist groß, warten wir mal auf das nächste Firmwareupdate. Die Frage, ob sich das im Club gut anfühlt mit einer kleinen Kiste in der Handfläche, ob man damit rocken kann, oder eher zum introvertierten Spieljunkie mutiert, muss jeder mit sich selbst ausmachen. Die Batteriezeit verkürzt sich allerdings, wenn man kein Mischpult mit Killer-Gainregler hat, ergo Line- und Kopfhörerausgang bis zum Anschlag aufdreht, doch um einiges, und ich halte drei Stunden statt der versprochenen fünf bei intensivem Mixen für wahrscheinlicher. Stromkabel also bei längeren Sets nicht vergessen.

Wer braucht Pacemaker? DJs. Klar. Welche? Alle, die überhaupt keine Lust haben, einen Rechner mitzunehmen, nur um Scratch/Serato etc. für Tracks laufen zu lassen, die man nicht auf Vinyl hat. Alle, die gelegentlich in der Ukraine (oder an ähnlich exotischen Orten) auflegen, wo Technics ein Sonderwunsch sind. Alle, die ein Notfallset dabei haben wollen, falls der nette Untermindestlohnmitarbeiter am Flughafen Madrid seine Enkel mit Discogs-Verkäufen über die Runden bringt. Und natürlich all die – dazu gehöre ich -, die mit dem Pioneer1000-CD-Interface immer noch nichts anfangen können. Und zuletzt: jeder, der gerne einen MP3-Player hat, den man wie eine Playstation zum Mixen für zu Hause benutzen kann. Dafür ist so ein Pacemaker aber eigentlich fast zu schade. Die Frage, ob Pacemaker der nächste Schritt in der Evolution digitalen Auflegens ist, kann man jedenfalls nur mit ja beantworten.

Preis: 520 Euro

Pacemaker

9 Responses

  1. haynz

    ich fände es weniger sinnvoll um auf einer party zu mixen, aber als kleiner pitchbarer digitaler player für die mp3 sammlung im gegensatz zu einem laptop+interface natürlich super (klein) zusätzlich zum standard-set… also auf sowas habe ich eigentlich gewartet ! die idee mit der party für zwischendurch ist schon toll, aber mixen an so einem kleinen ding das keinen gleichzeitigen veränderungen erlaubt, dass bringt in meinen augen eigentlich (qualitativ) nichts…

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  2. lichtmeister

    kann sascha kösch zustimmen. grosso modo gebe ich dem pacemaker sicher ein gutes fazit, leider treten aber ab und zu bugs auf (defekte darstellung, komplettabsturz).

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  3. Freaky-X

    Ich wundere mich ein bisschen über die Preisangabe von 520 €
    Auf unimall.de z.B. kostet der nämlich nur 494 €, und ist auch noch versandkostenfrei.
    Ich frag mich echt, ob ich mir einen bestellen soll.. Mit 120 GB Speicher passt da auch einiges mehr rauf, als auf meinen iPod! Auf jeden Fall sieht das Teil mieß geil aus.
    Wens interessiert, der Link ist:
    http://www.unimall.de/product_info.php?info=p20513_Tonium-Pacemaker.html&gclid=COWh7KiI6ZgCFQiF3goduUDf0Q
    Viel Spaß noch and pump up the volume !

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