Drahtlos Auflegen

Liegt doch schon ewig in der Luft, oder? Der DJ steht da so alleine am Pult, da muss mehr Kommunikation rein. Online-Spiele oder Partysoftware haben sich bereits am kollektiven Auflegen versucht, Pioneer bringt mit dem XDJ-Aero jetzt professionellen Zug in das Spiel. Via WiFi können mehrere Rechner, Smartphones und Tablets Tracks an den Controller streamen. Anarchie auf dem Dancefloor muss der DJ dennoch nicht fürchten.

von Sascha Kösch aus De:Bug 167


Die der neuen Demokratisierung zugrundeliegende Software – Rekordbox – ist dabei für iOS, Android und klassische Rechner kostenlos. Der Controller, komplett mit Mixer und Soundkarte – baut sein eigenes autarkes AdHoc-Netzwerk auf, die theoretisch zahlreichen Quellen, aus denen er befeuert werden kann, können aber nicht ohne weiteres auch den Regler hochdrehen: Der DJ ist und bleibt der MC. Als Mixer verarbeitet der XDJ-Aero neben Daten vom USB-Stick und WiFi auch Signale zweier Line- oder Phono-Quellen und ist so universell als klassischer Mixer einsetzbar. Zwei Kanäle mit 3-Kanal-Equalizern, die links als Killswitches agieren und Pioneer-typisch bis 9dB aufdrehen können, Filter darunter, einstellbare Crossfader-Kurven, Mikrofon-Eingang zusätzlich. Vier Effekte – Roll, Echo, Flanger und Trans – stehen einem synchron zu jedem Beat auf den Kanälen zur Verfügung und lassen sich sowohl in der Zeit als auch dem Level auf die gewünschten Effektszenarios einstellen. Im MIDI-Mode ist der XDJ-Aero obendrein ein variables Steuerinstrument für jedwede DJ-Software und integriert so auch systemfremde Traktor– oder Serato-DJs. Seine eigentlichen Qualitäten als digitaler Mixer lassen einen dann endlich über das monochrome LCD-Display auf den USB und WiFi-Geräte browsen zur Trackauswahl, und Stücke aus den Rekordboxen anderer Geräte in den Mix integrieren, mehr noch, man kann sogar auf dem Smartphone oder dem Rechner einen Track direkt an den XDJ-Aero schicken und das geliebte Display des Handys oder Smartphones beim Auflegen so weiter benutzen, denn auch die Veränderungen im Mixer werden in der Software live dargestellt. Tracks via WiFi werden intern gebuffert, so das bei Ausfall des Netzwerks keine Stille auf dem Dancefloor zu befürchten ist. Und sollte das mal nicht ganz astrein klappen, schaltet sich eine Art “Not-Loop” vor die peinliche Stille. Eine Funktion, die man sich auch für den USB-Stick gewünscht hätte, denn zieht man den raus, ist Ende.

Die aus all diesen Funktionen entstehende Variabilität im Einsatz mit verschiedensten DJ-Typen (vom CDJ, über Software-Mixer bis hin zum klassischen Vinyl-DJ) ist definitiv einzigartig. Klang, Bedienung und Verarbeitung der Soundkarte, Fader und Potis bis zu den Jogwheels ist typisch professionell, so wie man es von Pioneer erwartet. Ein paar unerwartete Eigenheiten ergeben sich allerdings. Rekordbox dient nicht nur als Sammel-Quelle für Tracks, sondern auch als Bearbeitungsgrundlage für die Analyse von BPM und Beatgrids, so dass die geliebte Sync-Funktion nur von solchen Quellen funktioniert (USB-Sticks lassen sich mit Rekordbox allerdings auch so vorbereiten, auch wenn man selbst mit einem MAC-formatierten Stick keinesfalls verloren ist) und ist selbst obendrein noch ein virtuelles DJ-System, das z.B. aus iTunes Stücke importieren kann. Eine entsprechende Analyse auf dem iPhone z.B. dauert dann aber doch ganz schön lange. Dies bedeutet andererseits natürlich auch, dass man unterwegs noch auf dem Smartphone oder Laptop (empfohlen) ein Set vorbereiten kann, bis zu den letzten Cue-Points. Letztere lassen übrigens auch zu, dass man über den Jog-Drum-Modus das Jog-Dial als Sample-Scratch-Tool nutzen kann, was definitiv mehr Spaß macht als die etwas kindlichen vier integrierten Samples zu nutzen. Ein Feld, auf dem Pioneer hier wirklich noch nacharbeiten muss.

Ist der XDJ-Aero die Erfüllung unserer drahtlosen DJ-Träume? Zum Teil. Auf jeden Fall aber ist es einer der variabelsten Mixer und eine der besten Kombinationen von Software und Hardware, die im besten Fall ein komplettes DJ-Setup ersetzt, ohne andere bestehende Systeme verdrängen zu wollen. Unsere Wünsche an die nächste Version haben wir aber auch schon. Frei wählbare Sample-Banken, frei wählbares EQ-Verhalten, eine größere PlugIn-basierte Auswahl an Effekten und den Buffer auch für USB-Sticks. Ein wichtiger, notwendiger Schritt in der Evolution der DJ-Tools ist XDJ-Aero aber schon jetzt. Und trotz all der drahtlosen Kunst: Ja, den XDJ-Aero schließt man selbstverständlich mit Kabeln an das Soundsystem an.

Preis: 999 Euro

Pioneer

One Response

  1. Gabriel

    wer kauft eigentlich diese ganzen controller die auf dem markt sind?

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