Was bleibt von einem Hardware-Synthesizer übrig, wenn alle Bedienelemente, die meisten Anschlüsse und die Tastatur komplett wegfallen? Nicht viel, im Fall vom Ploytec Pi L Squared gerade einmal ein kleiner schwarzer Plastikwürfel mit einem Cinch- und einem Mini-USB-Anschluss und einem MIDI-Eingang – weniger als eine halbe Zigarettenschachtel winzig.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 180

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Übersicht
Der Pi L Squared ist wirklich aufs äußerste minimalisiert und kann seinen Strom direkt aus der MIDI-Buchse beziehen – wenn die denn standardgemäß auch die erforderliche Spannung liefert. Da das bei diversen MIDI-Interfaces nicht immer der Fall ist, gibt es den Mini-USB-Anschluss, der sich mit den meisten Handy-Netzteilen, dem USB-Port des Rechners oder einem Hub verbinden lässt.

Innereien
Trotz der extrem reduzierten Erscheinung steckt innen drin ein veritabler duophoner 8Bit-Hybrid-Synthesizer, der sich über MIDI CCs (fest eingestellt auf MIDI-Kanal 1) auch komplett in allen Bereichen steuern lässt. Der Pi L Squared hat zwei Rechteck-Oszillatoren mit Pulsweiten-Modulation, die variabel verschaltbar sind und funktioniert prinzipiell nach der subtraktiven Synthese, hat als Spezialität aber zuerst einen digitalen Filter, dem noch ein analoger folgt. Zur Modulation des Signals gibt es einen LFO mit bis zu fünf Zielen, eine ADSR-Hüllkurve für die Lautstärke mit der sich auch der digitale Filter steuern lässt und über das Mod-Wheel können bis zu sieben weitere Parameter moduliert werden. Abrunden oder aber noch viel eckiger machen, lässt sich der Sound durch die (laut Ploytec) analoge Sättigungsstufe, die wirklich herzhaft zupackt und dabei einen sehr eigenen Sound hat.

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Editor
Der Stand-Alone-Editor für Mac und PC ist extrem einfach gehalten, erlaubt aber die Verwaltung von Presets (32 Werk-Sounds und 32 User-Presets sind möglich) und das Editieren von Sounds in all ihren Parametern, ohne dass man mühselig via Trial & Error die CC-Nummern erwürfeln muss. Praktisch wäre noch eine Max4Live- oder VST-Version.

Klang
Der Sound ist schon wegen der eigentümlichen Bauteile und der ungewöhnlichen Struktur ziemlich einzigartig: crunchig, noisig, krisselig, bratzelig, gern mal heftig verzerrt und mit einer gehörigen Portion Artefakte. Dabei klingt der Pi L Squared nicht wie ein typischer 8-Bit Synth mit den üblichen düdeligen Gamesounds, sondern kann neben digitalem Gekruschel auch breite, phasende Pads und analog anmutende, dicke Basslines liefern. Erstaunlicherweise hält sich die Noise-Einstreuung aus dem USB-Anschluss und/oder dem MIDI-Anschluss so weit in Grenzen, dass sie nicht stört. Zwischen einzelnen Patches kann es allerdings auch bei den Werk-Sounds zu extremen Lautstärkesprüngen kommen.

Bedienung
Insgesamt ist der Pi L Squared einfach eine sehr charmante Idee, die irgendwo zwischen Nerd-Machbarkeitsstudie, Mitnehm-Gadget und ultramobilem Hardware-Synth mit eigenem Charakter oszilliert, dabei aber praktisch einsetzbar ist. Er macht allerdings nur dann wirklich Spaß und Sinn, wenn man ihn mit einem angeschlossenen Controller oder einer DAW benutzt, oder sich zum Beispiel ein Max4Live-Patch dafür bastelt.

Preis: 99 Euro

Ploytec

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