Kontrolle und Feedback bis zum Abwinken im iPad-Format

Übersäht mit 251 LEDs kommt das mit Kickstarter finanzierte kunterbunte Controllerchen QuNeo von Keith McMillen daher, das inzwischen auch hierzulande zu haben ist und jede menge taktile Kontrolle bietet.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 168

Der QuNeo hat das Problem, nicht besonders fotogen zu sein: auf den meisten Fotos erinnert er an ein frühkindliches Spielzeug und wirkt ein bisschen billig und trashig, in echt ist er tatsächlich ziemlich robust und macht in seinem mattschwarzen Kunststoffgehäuse einen durchaus soliden Eindruck. Der QuNeo wird per USB an den Rechner angeschlossen, über einen separat erhältlichen MIDI Expander kann er aber auch ohne Rechner direkt mit MIDI-Geräten kommunizieren und obendrein versteht QuNeo auch noch OSC. Etwas umständlich ist die direkte Kommunikation mit dem iPad: über ein ebenfalls als Zubehör erhältliches Y-Kabel kann man sie zwar direkt zusammenschließen, braucht dazu aber das Camera Connection Kit von Apple. Die 4×4-Pad-Matrix ist erstaunlicherweise fast genauso groß wie bei NIs Maschine und damit sogar größer als auf einer MPC 1000, was man von einem Gerät im klassischen iPad-Format eigentlich nicht erwartet hätte. Die Pads sind ebenso wie die Pfeiltasten und die der Transportsektion leicht erhaben, alle anderen Bedienelemente sind ein wenig abgesenkt. Alle Pads, Slider und Buttons reagieren auf Velocity, Pressure und Location und werden von insgesamt 251 LEDs beleuchtet.
QuNeo Editor wartet mit einer Auswahl von 16 Presets auf, die aufs Zusammenspiel mit gängigen Setups eingerichtet sind: Ableton Live, Logic, Mixxx, Reason, Serato, NIs Battery, Traktor, sowie die iPad Apps BeatMaker und iMS-20 von Korg. Dadurch lassen sich Presets frei editieren und mit eigenen Konfigurationen ergänzen, gespeichert werden sie praktischerweise vom QuNeo selbst, so dass man sie auch ohne den Rechner immer dabei hat. Einen ziemlich beeindruckenden Überblick über die Möglichkeiten gibt das Ableton-Remote-Script: In drei Modi lassen sich nicht nur Clips und Scenes steuern, es gibt auch einen mit Pianorolle kombinierten Step-Sequenzer, komplette Transportkontrolle und Zugriff auf den Mixer mit allen Parametern, alles inklusive visuellem Feedback.

Jedes Pad eine Mikrotouchfläche
Die Pads lassen sich in zwei verschiedenen Modi verwenden: Im Drum-Modus sendet jedes Pad eine Note, einen Controller-Wert für die Anschlagstärke und je einen für die X- und die Y-Achse, so dass man im Prinzip auf jedem Pad ein kleines Kaoss-Pad hat, was mit einem Synthesizer jede Menge Ausdruck bringt, aber auch für komplexe Effekt-Setups ziemlich ergiebig ist. Der Grid-Modus unterteilt das Pad in vier Ecken, die jeweils eine Note senden. Übersetzt in ein Ableton-Remote-Script lassen sic zum Beispiel vier verschiedene Clips mit nur einem Pad steuern, die gesamte Pad-Matrix bietet also den direkten Zugriff auf 64 Clips auf kleinstmöglicher Oberfläche. Der Rest der Fader und Buttons sowie die beiden Rotary-Controller können in bis zu vier Bänken belegt werden. Die Rotary-Controller haben als Spezialität die Fähigkeit, wahlweise auf Richtung oder Stelle zu reagieren (praktisch zum Setzen von Loop-Längen), der lange horizontale Fader kann mit zwei Fingern bedient einen Bereich steuern.
Zum Vereinfachen des Setup-Prozesses mit Soft- oder Hardware per MIDI-Learn gibt es den CoMA-Modus, dessen Name leider teilweise Programm ist. Da jedes Element mehrere Noten oder Controller-Daten schicken kann, werden sie mit einer Tastenfolge nacheinander zugewiesen. Für jeden Parameter muss dann allerdings allein auf dem QuNeo drei Mal etwas gedrückt werden, dazu kommen dann noch die notwendigen Handgriffe in der zu mappenden Soft- oder Hardware. Das artet schnell in ein Geduldspiel aus und könnte sicher ein bisschen weniger umständlich realisiert werden. An anderen Stellen ist der Editor hingegen vorbildlich.

In den Bass gelehnt
Der QuNeo ist beileibe kein Controller für den Plug&Play-Betrieb, auch wenn die mitgelieferten Presets durchaus sinnvoll einsetzbar sind. Spaß macht der QuNeo vor allem auch mit Synthesizern, bei entsprechender Belegung der Pads kann man sich richtiggehend in den Sound reinlehnen und ihn sehr lebendig spielen. Das Spielgefühl der Pads ist gut, sie reagieren schnell und präzise, was sich auch mit den umfangreichen Anpassungen in ihrer Reaktionsfreude gut an die eigenen Vorlieben anpassen lässt. Die vielen bunten LEDs mögen zunächst verwirren oder überflüssig erscheinen, da sie aber ein optisches Feedback bieten, sind sie durchaus mehr als nur Disco. Etwas unverständlich ist das Absenken einiger Bedienelemente unter die Geräteoberfläche, was exakte Bedienbarkeit nur mit raspelkurzen Fingernägeln erlaubt.

Preis: 229 Euro

Keith McMillen

Das Testgerät wurde uns freundlicherweise von Just Music Berlin zur Verfügung gestellt.

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