Twisted Tools, die mit Scapes, Colorflex, Vortex, Buffeater bereits bewiesen haben, dass sie sehr komplexe Reaktor-Ensembles mit einem ausgefuchsten Bedienkonzept verbinden können, schlagen wieder zu: Rolodecks ist ein modularer Multieffekt aus sechs separaten Effekten, die sich miteinander kombinieren und umfangreich mit diversen Sequenzern modulieren lassen.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 157

Rolodecks kommt in zwei Konfigurationen: Die etwas günstigere Version hat sechs fest verdrahtete Effekte, Rolodecks Pro bietet außerdem die Möglichkeit, eigene Varianten einzubauen. Voraussetzung ist für beide die neueste Reaktor-Version, der Reaktor Player wird nicht unterstützt. Rolodecks lässt sich als Multieffekt nutzen, hat aber auch eine integrierte Sampler-Engine, die mit jeder Menge Loops gefüllt ist: Si Begg, Mike Huckaby, Glitchmachines, Jedsound und andere haben neben Twisted Tools eine breitbandige Auswahl an den Start gebracht. Die Wellenform des einströmenden Audiosignals ist in beiden Fällen ganz oben zu sehen, darunter ein einfacher 16-Step-Sequenzer zum Muten des gesamten Effekts.
Die sechs Effektslots darunter sind mit Flanger, Filter, Delay, Reverb, Slicer und einem externen Effekt bestückt und in Reihe geschaltet. Sie lassen sich per Drag & Drop in der Reihenfolge ändern und einzeln aktivieren. Dazu gibt es einen Envelope Follower, der aus dem Eingangs- ein Modulationssignal erzeugt, das sich in jedem Slot nutzen lässt. Die Parameter der Effekte sind auf die wichtigsten reduziert und können über Drehregler fest eingestellt oder über einen darunterliegenden, zum Songtempo synchronisierten Sequenzer, moduliert werden. Der wiederum kann pro Parameter eine individuelle Länge haben, was äußerst vielfältige rhythmische Verschiebungen erlaubt und ein ziemliches Killerfeature ist. Nur der Slicer hat auch in der oberen Spalte einen Sequenzer, mit dem sich die Slices definieren lassen. Ein Preset besteht aus der Konfiguration der Effekte, mit den acht Scenes ganz unten bekommt man noch acht Sub-Presets, zwischen denen sich per MIDI umschalten lässt.

Editieren & Fernsteuern
Editiert wird mit Maus und/oder MIDI-Controller, für die Modulation Lanes (so heißen die Sequenzer für die Effektparameter) gibt es außerdem noch eine Zufallsfunktion, die Möglichkeit die Steps mit den gleichen Werten durcheinander zu wirbeln und wieder auf die Anfangswerte zurückzusetzen. Das geht wahlweise mit allen Effekten und ihren Modulation Lanes oder aber individuell. Die sehr aufgeräumte Oberfläche mit ihrer klaren Strukturierung macht das Editieren einfach, übersichtlich und schnell. Für Maschine, Kore und Twisted KP auf dem iPad werden Templates mitgeliefert, die sehr praxisnah sind, andere Controller-Templates müssen selbst gebastelt werden.

Fazit
Rolodecks ist eine große klangliche Spielwiese ohne Grenzen: obwohl die Auswahl der Effekte zunächst nicht so beeindruckend klingt, ist Rolodecks in der Summe deutlich mehr als seine Einzelteile und gewinnt durch die schiere Masse an nebeneinander herlaufenden Modulationssequenzen eine enorme Ausdrucksfähigkeit, die ihresgleichen sucht. Das gut durchdachte Konzept verhindert dabei, dass man sich in einem Effekt-Cluster verliert und sich nicht mehr zurechtfindet: Der nächste Mute ist nie weit. Obwohl es inzwischen jede Menge gute Multieffekt-PlugIns mit Sequenzer gibt, ist Twisted Tools mit Rolodecks ein sehr eigenständiges Tool gelungen, das auch abseits von Retrigger- und Glitch-Orgien eine gute Figur macht und universell einsetzbar ist. Der Rechner sollte aber schon ein aktuelleres Modell sein, denn Rolodecks ist durchaus anspruchsvoll in Bezug auf Prozessorleistung, aber schon mit zwei Instanzen lässt sich auch im Livebetrieb eine Menge anfangen. Um Resourcen zu sparen, kann die Samplersektion deaktiviert werden.

Preis:

Rolodecks: 49 Dollar
Rolodecks Pro: 69 Dollar

Twisted Tools

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