OSC erfreut sich überall einer Renaissance, die man dem auf halber Strecke mehr oder weniger gescheiterten Nachfolgeprotokoll von MIDI noch vor kurzem nicht zugetraut hätte. Grund dafür sind die diversen Apps für iOS und Android wie TouchOSC, mit denen sich über den Rechner per Netzwerk OSC/MIDI-Geräte und Software steuern lassen. Einen Rechner brauchte man dafür bisher in den meisten Fällen doch und hier tritt The Missing Link auf den Plan, ein OSC/MIDI Translator mit eingebautem WiFi Server und physikalischen MIDI-Anschlüssen.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 153

Übersicht
Etwa in den Maßen von zwei aufeinandergelegten Zigarettenschachteln ist The Missing Link in einer kleinen kompakten schwarzen Plastikbox untergebracht, die MIDI In, MIDI Out, USB und einen Anschluss für ein externes Netzteil hat und außer dem groß aufgedruckten Totenkopf nicht weiter auffällt. Strom kommt wahlweise über USB oder das Netzteil.

Setup
The Missing Link kommt ohne gedrucktes Manual, dafür aber mit einer ausführlichen Videoerklärung und Dokumentation auf der Webseite von Jabrudian Industries. Zunächst muss man den WiFi Server einrichten und den verbundenen OSC-Geräten eine statische IP zuweisen, die sie für Missing Link eindeutig identifiziert. Das geht dank Videoanleitung zumindest unter iOS schnell und unkompliziert. und muss nur einmal gemacht werden.
Grundsätzlich funktioniert The Missing Link aber mit allen OSC-Apps, Jabrudian Industries empfiehlt TouchOSC, da sie damit die besten Erfahrungen gemacht haben. Leider funktioniert es mit der Android-Version von TouchOSC noch nicht, da die keine Custom OSC-Daten versteht, da muss man sich auf die Suche nach Alternativen machen. Ein vorkonfiguriertes TouchOSC-Template mit einem kleinen Keyboard, X/Y-Pad, diversen Fadern, Buttons und einer Transportsektion für DAWS gibt es auf der Webseite, so dass es mit TouchOSC direkt losgehen kann.
Ein kleines praktisches Tool auf der Webseite übersetzt die ausgewählten MIDI Messages inklusive der MIDI-Kanal Adressierung in entsprechende OSC-Daten, die dann im jeweiligen Editor zugewiesen werden können.

Praxis
Nachdem man das Setup mal hinter sich gebracht hat und sich ein passendes Layout gebastelt hat, ist The Missing Link einsatzbereit und funktioniert problemlos und sehr schnell, will sagen ohne wahrnehmbare Latenz. Die Latenz blieb auch bei zwei gleichzeitig benutzten iPads unhörbar. Rein theoretisch lassen sich soviele Geräte mit The Missing Link verbinden, wie es IP-Adressen gibt.

Fazit
The Missing Link kommt nicht ohne ein paar eigene Basteleien aus, wer die aber hinter sich hat, kann den Rechner zuhause lassen und den Gerätepark im Studio und auf der Bühne bequem bedienen. Klar kann man alternativ auch ein passendes MIDI Interface an das iOS-Gerät anschliessen (TouchOSC unterstützt jetzt auch Core MIDI), aber mit The Missing Link ist man nicht auf ein Eingabegerät beschränkt und hat so deutlich mehr Freiheiten. In Zukunft wird es auch als class-compliant MIDI Interface funktionieren, ein entsprechendes Software-Update ist in der Mache. Schön wäre noch ein Ethernet-Anschluss, um etwa den Lemur anschliessen zu können, ansonsten gibt es nichts zu meckern: ein gut durchdachtes Tool um vom Rechner unabhängig die Gerätegenerationen miteinander zu verbinden.

Preis: 160 Euro

Wifimidi

Deutscher Vertrieb: SchneidersBüro

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