Neuer Bass-Synthesizer von Analogue Solutions

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Die 303 ist nach wie vor nicht totzukriegen, selbst außerhalb der PlugIn-Welt wird die kleine Silberkiste immer noch nachgebaut. Aktuelles Beispiel: Trans Bass Xpress von Analogue Solutions.

Von Benjamin Weiss aus De:Bug 119

Heutzutage noch einen weiteren TB303-Klon auf den Markt zu bringen, zeugt von einer gewissen Chuzpe. Analogue Solutions setzen aber noch einen drauf: Der Trans Bass Xpress hat nicht einmal einen eigenen Sequenzer, der das Original so besonders macht, und lässt sich ausschließlich über Midi steuern. Die Sequenzerlosigkeit scheint aber auch hartgesottene Analogue-Solutions-Fans bereits zu einigermaßen deutlichen Unmutsäußerungen getrieben zu haben, denn auf der Produktseite steht als Letztes folgende Bemerkung: “NOTE: there is no internal sequencer. Please don’t debate with us whether that was the right or wrong thing to do. We did our best with the time and resources we have.” Okay.

Übersicht
Der Trans Bass Xpress ist in ein robustes Stahlblechgehäuse in Silbergrau eingebaut und sauber verarbeitet.
Auf der großzügigen Oberfläche, die deutlich größer ist als eine TB 303, tummeln sich in der Mitte 16 Drehregler, die so eng nebeneinander stehen, dass man kaum einen Finger dazwischen bekommt. Den Rest des Platzes teilen sich der Regler für die LFO-Geschwindigkeit und der Lautstärkeregler.
Als 303-Klon konzipiert, besteht der Trans Bass Xpress laut Analogue Solutions weitestgehend aus den gleichen Bauteilen und Schaltkreisen wie die 303. Dementsprechend gibt es auch die bekannten Parameter: wahlweise Sägezahn oder Rechteck für den Oszillator, Cutoff Frequency, Resonanz, Decay und Accent. Slide wird durch das gleichzeitige Antriggern zweier Noten erreicht, was auch gut funktioniert. Dazu kommen folgende Besonderheiten: ein LFO, wahlweise in Sinusform oder Rechteck, der die Cutofffrequenz steuert, ein Overdrive, der auf den letzten zehn Prozent noch mal richtig Verzerrung bietet, Cross Modulation für den Signalanteil des VCO zur Filtermodulation, Midi Modulation, VCA Decay, Squelch (Erweiterung der Resonanz bis hin zur Selbstoszillation) und schließlich noch die Möglichkeit, externes Audio durch den Filter zu jagen, wobei der VCO allerdings stillgelegt wird.
Die Midifizierung ist alles andere als umfangreich: Der Trans Bass Xpress lernt nach dem Drücken der Midi-Program-Taste die erste eingehende Note als die tiefste und den ersten eingehenden Midicontroller als Steuerung für die Modulation, alle anderen Parameter sind nur am Gerät selbst einzustellen. Abspeichern ist nicht vorgesehen, bei Bedarf sollte man eine Einstellung schnell mit der Digitalkamera fotografieren.

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Wie klingt’s?
Irgendwie kommt es mir albern vor, das Teil mit der echten 303 zu vergleichen: Natürlich bekommt man ähnliche Sequenzen und Sounds hin, aber wer eine echte 303 will, sollte sie sich einfach auch kaufen. Interessant wird es vor allem, wenn man die Erweiterungen und Besonderheiten des Trans Bass Xpress nutzt: Der LFO macht weiche (Sinus-) oder eher ruppige (Rechteck-)Modulationen, Squelch, in Verbindung mit Cross Modulation und Resonanz genutzt, ermöglicht ziemlich irres Zirpen und Quietschen und der externe Eingang eignet sich vorzüglich zum hemmungslosen Filtern.
Der Overdrive-Parameter, der im Livebetrieb allerdings schwer einzustellen ist (= große Pegeländerungen bei minimalem Drehen), sorgt für die Extraportion Bass und Knarz.
Mal abgesehen davon, dass sich die 16 Potis auf engstem Raum drängen, ansonsten auf der Oberfläche aber massig Platz ist (ursprünglich war der Sequenzer wohl doch vorgesehen), lässt sich das Teil gut bedienen, vorausgesetzt, die Finger sind dünn genug. Für die insgesamt doch recht spartanische Ausstattung sind 650 Euro allerdings einfach zu viel. Zwiespältig.

Soundbeispiel 1

Soundbeispiel 2

Soundbeispiel 3

Preis: 650 Euro

Analogue Solutions

Schneiders Büro (deutscher Vertrieb)

12 Responses

  1. plastikfinken

    mein favorit unter den klonen ist die xoxbox. mit ähnlichem, aber einfacher zu bedienendem sequenzer, der noch einige coole zusatzfunktionen hat http://www.ladyada.net/make/x0xb0x/index.html das problem ist, man muss sich in ne warteliste eintragen, bis man das ding kaufen darf und dann alles selber löten oder jemanden finden, der das für einen erledigt. aber dafür kostets nur $330

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  2. dr-w

    dieses teil braucht ja wohl niemand…
    :S

    fuer die asche lieber ne acidlab II oder was ganz anderes.

    schade. haette was feinez werden koennen!

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  3. safari fx

    Mensch Thaddi ,

    schreib hin was wirklich wichtig ist wenn einer einen TB Clone baut.
    Hat das Ding nun eine Flankensteilheit von 18dB/Oktave oder nicht ?
    Alles andere ist doch nur Gedöhns.
    Wen interessiert der Vergleich mit der Originalkiste aus Plaste
    welche ohnehin nur ein Gitarrenersatz für Arme war. (laut Roland).
    Immer dieses Poppergelaber…scheiss De:Bug…harte Infos oder Fresse halten.
    Ihr seit schliesslich aus Berlin ! und nen Midisequenzer wird ja wohl noch jeder
    bedienen und routen können.

    Verdammt ;).

    cheers safari fx

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  4. thaddi

    hey safari,

    1.) text nichtvon mir, sondern von benjamin, dem ich

    2.) vollends in seinem urteil vertraue

    3.) fresse halten ist nicht

    4.) scheisse sind wir auch nicht

    5.) popper schon gar nicht

    thaddi

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  5. nerk

    danke thaddi :)
    safari: hier mal ein paar ganz harte infos:

    der filter hat bei der original 303 eine flankensteilheit von 24 dB.

    das besondere bei ner 303 (wenn dir mal eine unter die finger kommt, wirst du es merken) ist eher der sequenzer als der sound an sich (der sowieso von 303 zu 303 teilweise extrem variiert). daher hab ich kritisiert, dass sie sich den gespart haben.

    und: wenn jemand einen klon von etwas baut, erwartet man halt einen vergleich mit dem original, das ziel eines klons ist schliesslich möglichst nah ans original zu kommen.

    soweit alles klar?

    na da bin ich ja beruhigt…

    nerk aka benjamin

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  6. nerk

    @ newdeutsch :
    “Die Synthese beschränkt sich auf einen monophonen Analogsynthesizer mit einer mit Drehknöpfen in Echtzeit modulierbaren einfachen Hüllkurve (erzeugt durch einen Oszillator mit zwei Wellenformen, Sägezahn und Rechteck) und einen Tiefpassfilter (VCF) mit einstellbarer Resonanz. Auf diesem beruht, neben der äußerst charakteristischen Verzerrung, in der Hauptsache der Klangcharakter dieses Synthesizers, und da aus Kostengründen darauf verzichtet wurde, einzeln selektierte Bauteile niedriger Toleranz zu verwenden, klingt tatsächlich keine 303 wie die andere. Es handelt sich um eine Variation der Moog-Kaskade mit einer nominellen Flankensteilheit von 24dB/Oktave. Mit hochwertigeren Bauteilen gefertigte Synthesizer kamen deutlich näher an diese Flankensteilheit heran. Es wird daher oft fälschlicherweise behauptet, der Filter arbeite nur mit 3 Polen und habe eine Flankensteilheit von 18dB/Oktave.”

    ( http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Roland_TB-303&oldid=40920646 )

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  7. Hellraiser

    Word up nerk, die 303 hat in der Tat eine 24db Filter, keine Ahnung woher dieses Gerücht um den sagenumwobenen Acid 3Pole Filter stammt. Schade das die TBX keinen Sequencer bekommen hat, rein optisch wäre das doch mal ein richtig schöner Nachbau.

    Grtx

    Hell

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  8. pac

    Hi nochmal, checkt auch mal das hier dazu: http://tweakbox.de/index_de.html (neues Projekt) – die letzte ML-303 v5 und v6 war schon recht akribische Nachbauten von DIY Idealisten mit Shuffle und einigen sehr guten Extras. Bei der TB war nicht nur der Filter eigenartig konstruiert, auch die VCO Wellenformen waren nicht “ganz sauber”. Korrekte Wellenformen hat z.B. die FR-777 die darum wieder auch leicht anders klingt. Live ist diese eine meiner Lieblingsmaschinen, nahezu unkaputtbar und kann auch noch was anderes vom Sequencer triggern, z.B. Waldorf Pulse oder Micromodular kommt da gut. Leider auch schon sold out und second hand 4stellig. Zum Glück hab ich eine 😉

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  9. Zerstörer

    Mein einer Cent zu dem Teil, hat wohl den schlechtesten Ruf von allen Clonen, die je als 303 betitelt worden sind, zu teuer, die Engländer spinnen…arbeite seit 2 Jahren mit der kleinen Schüssel und kann eigentlich nichts dran aussetzen, klingt richtig gut…eher wie eine alter Korg, Daniel Miller lässt grüssen, Anschlagdynamisch, Filtersteuerung, der LFO ist genial, die Resonanz mit zusätzlichem Squelch in Kombination mit der Filtersteuerung, da geht richtig viel mit, im unteren Bereich satt, mit Midi ist das Teil superschnell zu programmieren, nichts gegen die internen Sequenzer von Roland, Prinzip Zufall ist ja auch schön, aber man verliert sehr viele gute Ideen, weil die Sequenzen in der Regel immer wieder überschrieben werden , Xoxbox ist meiner Meinung nach am nächsten an der 303 dran, aber was solls im Prinzip sucht man doch eher einen etwas anderen Sound um sich abzusetzen, für mich ist die TransBassXpress eine sehr gute Bassmaschine, Z

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