Der Rolls-Royce unter den Audio-Interfaces mit DSP

Die UAD-Karten erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit bei allen, die sie sich leisten können und/oder lieber in Plugins von bewährten Studioklassikern investieren, die über Jahre hinaus weiterentwickelt werden und nicht von der CPU des Rechners zehren. Mit dem Apollo hat Universal Audio jetzt das erste Audio Interface mit Firewire 800 am Start, das wahlweise mit einer UAD-2 Duo oder einer UAD-2 Quad bestückt ist.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 163

Audio Interface
Abgesehen von seiner DSP-Funktionalität ist das Apollo zunächst ein Audio Interface mit vierzehn analogen Eingängen, von denen acht gleichzeitig genutzt werden können. Vier davon haben analoge Mikrofonvorverstärker, die über einen klickbaren Drehregler auf der Vorderseite eingestellt werden. Zwei auf der Vorderseite sind als Hi-Z ausgelegt, hier lassen sich ohne zusätzlichen Amp Gitarre und Bass anschließen. Acht weitere sind als reine Line-Eingänge auf der Rückseite angebracht, wovon die ersten vier zwischen +4 dBu und +10dBV umgeschaltet werden können. Dazu kommen noch acht ADAT-Kanäle, zwei S/PDIF-Kanäle und Word Clock I/O. Es lässt sich also jegliche Klangquelle anschließen, die nicht bei drei auf dem Baum ist. 
Auf der Vorderseite gibt es zwei regelbare Kopfhörerausgänge und daneben den Drehregler für den Monitor, der per Klick stummschaltbar ist. 
Die Performance als reine Soundkarte ist mit dem aktuellen Treiber über Firewire gut, wenn auch nicht überdurchschnittlich: So lassen sich je nach Rechner vergleichbare Buffergrößen erreichen wie zum Beispiel beim RME Fireface 800 oder Apogees Duet. Am zweiten Firewire-Anschluss kann man eine weitere Festplatte anschließen, die sich die Bandbreite allerdings mit dem Apollo teilt. Wer wie viel von der Geschwindigkeit abbekommt, lässt sich dabei einstellen, je mehr davon für Apollo abfällt, desto mehr PlugIns kann man öffnen.
Der Klang des Apollo ist auch pur wirklich unverschämt gut, man hört die jahrzehntelange Erfahrung von Universal Audio in Sachen Sound förmlich aus den Boxen tropfen: sattes, rundes Klangbild mit tightem, klarem Bass und guter Ortung. Die Mikrofonvorverstärker kommen komplett ohne jede Färbung, wodurch sie variabler sind, bemalen kann man den Sound ja auch später mit den PlugIns.

Console und DSP
Das wichtigste Feature des Apollo dürfte das so gut wie latenzfreie (bei 44,1 kHz knapp über zwei Millisekunden) Benutzen von UAD-PlugIns über die Mixer-Application Console sein. Die analogen Eingänge 1-8, ADAT 1-8 und die beiden S/PDIF-Eingänge können mit je bis zu vier Plugs im Insert-Weg genutzt werden, dazu kommen zwei Aux-Wege und zwei Monitorwege, ebenfalls mit bis zu vier UAD-PlugIns bestückbar.
Jede Menge Platz für die Klassiker aus dem UA-Arsenal, der sich mit den zwei (Duo) bzw 4 (Quad) Sharc-DSPs auch sehr ausgiebig nutzen lässt. Da ein paar wenige UAD-PlugIns wegen Upsamplings des Signals größere Latenzen haben, lässt sich die entsprechende Kompensierung in drei Stufen einstellen. Nur der Precision Multiband und leider auch die Ampex ATR-102-Bandemulation haben so hohe Latenzen, dass sie hörbar bleiben und deswegen fürs Tracking ungeeignet sind.

Das Routing lässt sich so schalten, dass die PlugIns entweder nur im Monitorweg liegen oder aber gleich mit Bearbeitung aufgenommen wird. Für den Gesang ein bisschen Fairlight-Kompression, Neve EQ und Lexicon-Hall, ein wenig Fatso-Verzerrung und Studer-Bandsättigung auf die Gitarre, Moog Filter, Dimension D und das Roland Space Delay auf den Synth, da macht das Einspielen gleich doppelt so viel Spaß. Sämtliche Einstellungen der Console inklusive der PlugIns können abgespeichert werden, damit man sie problemlos wiederherstellen kann. Das geht separat bei reiner Nutzung des Apollo als Frontend für die Band, mit dem Console Recall PlugIn aber auch im jeweiligen DAW-Projekt. Auch auf verhältnismäßig langsamen Rechnern mit CPU-hungrigen Projekten lässt sich die Buffer-Größe problemlos hochschrauben. Dazu lief Apollo stabil und ohne Probleme unter Cubase 6.5, Logic und Live bis 8.2.8, bei Version 8.3 gab es in 14 Tagen Dauerbetrieb zwei Abstürze (was man allerdings auch Ableton in die Schuhe schieben könnte).

Fazit
Das Apollo ist der Rolls-Royce unter den Audio-Interfaces mit DSP. Satter, differenzierter Klang und gute Wandler kombiniert mit einer soliden Verarbeitung und praxisnaher Bedienbarkeit treffen auf die Auswahl großartig klingender Emulationen der Studioklassiker. Die müssen natürlich größtenteils dazugekauft werden, mitgeliefert wird nur das Analog Classics Bundle.
Aufnehmen, egal ob Gesang, Gitarre, Drums, Synths oder eine beliebige andere Klangquelle, klingt mit dem Apollo nicht nur toll, sondern fühlt sich mit den PlugIns auch so an, als hätte man ein großzügig mit Hardware ausgestattetes Studio nebst einem ziemlich flinken Verkabler immer direkt griffbereit.
Dabei muss selbst bei heftigen Projekten nicht mehr mit der Buffer-Größe jongliert werden, sehr angenehm und für das schnelle Festhalten von gerade aufblitzenden Ideen (oder den Live-Einsatz) eigentlich unverzichtbar, auch wenn man sich damit schon jahrelang arrangiert hatte.
Mit der im Juni kommenden Thunderbolt-Option dürfte das Apollo auch ziemlich zukunftssicher werden und durch die zwölffache Geschwindigkeit den letzten potentiellen Flaschenhals Firewire-Bandbreite ausräumen. Windows-Treiber sollen im Sommer zeitgleich mit der Thunderbolt-Option kommen. Das Apollo ist kein billiges, aber allemal ein großes Vergnügen.

Preise: 1999 Euro (DUO), 2499 Euro (Quad)

Universal Audio

2 Responses

  1. Komjaga

    Nun, der Rolls-Royce ist es nicht, das ist das MH ULN-8 …

  2. Wurstbrot

    @Komjaga & DeBug

    Ja.. da gibt es glaube ich keine Grenze nach oben. (ein rolls-roye stellt schließlich auch nicht die endgültige offenbarung dar.)

    Ob dies dann der normale elektronische Musik User auch hört, und bewusst schätzt, ist eine ganz andere Frage. Das ein oder andere Kommerz Studio, bedingt dieser Klangqualität natürlich “unterbewusst” zwingend ohne Frage.

    Aber… ich persönlich könnte ja baden in diesem Zeug, vorausgesetzt der € wäre dafür genügend vorhanden. Wobei ich nebenbei noch bemerken möchte, dass ich in anderen Bereichen diese Dekadenz, und karmisch voll kommend zu recht zwingend, absolut ablehne.

    Außer auf meinem Wurstbrot versteht sich.