Klassischer monophoner Synth zum Mitnehmen

Vermona hat sich mit der neuen Lancet-Reihe auf die klassischen Tugenden analoger Klangerzeugung besonnen und bietet neben dem Kick Lancet, einem Bassdrumsynthesizer den Mono Lancet, einen monophonen Desktopsynth.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 145

Übersicht
Der Vermona Mono Lancet ist in ein solides schwarzes Desktopgehäuse eingebaut, das leicht angeschrägt ist. Die knubbeligen cremefarbenen Drehregler sind ebenso robust wie griffig, was auch für die Kippschalter gilt. Die Oberfläche ist übersichtlich in die verschiedenen Bereiche der Klangerzeugung aufgeteilt, so dass man sie auch gut im schummrigen Clublicht identifizieren kann.Die Rückseite sieht ungewohnt spartanisch aus: neben MDI In und MIDI Thru gibt es hier lediglich einen Monoklinken-Ausgang und einen Sub-D Anschluss für das ab Oktober erhältliche Modulardock.

Klangerzeugung
Die Klangerzeugung ist eine Variation des klassischen monophonen Synthesizers: zwei VCOs, 24 dB Tiefpassfilter, eine ADSR Hüllkurve die VCA, die VCOs und den Filter modulieren kann sowie ein LFO mit Dreieck, Rechteck und Sample & Hold. Das klingt erstmal nicht spektakulär und ist es auch nicht wirklich, hier und da gibt es aber ein paar Besonderheiten. Die VCOs können in drei verschiedenen Oktavlagen gespielt werden, VCO 1 bietet Rechteck, Dreieck und Sägezahn als Wellenform und kann eine Oktave tiefer als VCO 2 spielen, VCO 2 hat statt dem Dreieck White Noise und lässt sich gegen VCO 1 verstimmen, dazu gibt es Glide mit Legato und Pulsweitenmodulation über MIDI. Der Filter packt herzhaft mit 24 dB zu und bietet Resonanz mit Selbstoszillation, die Cutoff-Frequenz kann über Aftertouch und Velocity gesteuert werden. Der VCA lässt sich wahlweise von der ADSR oder einer festen Hüllkurve modulieren, dazu gibt es noch einen nichtsynchronisierbaren LFO für die Oszillatoren, den Filter und den VCA.

MIDI und Externes
Die MIDI-Implementation ist ziemlich minimalistisch gehalten: neben Velocity, Pitchbend, Aftertouch (für die Cutoff Frequenz) und Modulationsrad (für die Pulsweitenmodulation) lassen sich noch Glide und Legato an- und ausschalten, das wars dann aber auch.
Wer mehr Kontrolle haben möchte braucht das optionale externe Modulardock , das weitere Audioausgänge (für jeden Oszillator einzeln), einen Filtereingang und diverse CV/Gate-Eingänge und einen CV/Gate Ausgang bietet und 160 Euro kosten soll.

Sound
Der Sound des Mono Lancet ist, man kann es nicht anders sagen, durchgehend fett. All die Klassiker lassen sich heraushören: hier ein bisschen 303, da ein Moog, dabei sorgt die gut durchdachte Parametrisierung für anhaltend dicken, durchsetzungsfähigen Sound, der sich nicht nur in der naturidentischen Nachahmung von Klassikern erschöpft, sondern auch jede Menge eigenen Charakter hat.

Fazit
Der Vermona Mono Lancet ist ein grundsolider monophoner Synthesizer für unterwegs und im Studio. Im Vergleich mit der direkten Konkurrenz wie zum Beispiel Doepfers Dark Energy bietet er weniger Möglichkeiten bei der Klangerzeugung und kostet mehr, dafür ist der Sound aber doch auch ein Quentchen fetter. Ähnliches gilt, wenn man ihn MFBs Nanozwerg gegenüberstellt.. Am Ende ist es eine Geschmacksfrage, ob man lieber einen klassischen Analogsound will oder aber auf ein paar Eigenheiten steht.

Preis: 449,- Euro

Vermona

2 Responses

  1. fmq

    Also,ganz ehrlich.Tolle Hardware und Haptik aber ansonsten seh ich überhaupt keinen Bedarf mehr an analoge Maschinen,die absolut NULL Besonderheiten aufweisen.Oder der “Test”schweigt sich darüber aus.
    Kein Sync?Ringmod?Wie schnell ist der LFO?

    Und ihn dann mit 1-Osc(!) Synthies zu vergleichen und zu sagen er klingt fetter ist schon fast ein wenig dreist^^

    Man kann ihn aber gern mal gegen den Microzwerg halten,da macht das Teil Featuremässig erst recht keinen keinen Stich mehr.Über Sound lässt sich ja streiten aber 2 Filter sorgen doch für ordentlich Schub beim Micro(hatte ihn schon testen dürfen).Und der is noch `n Hunni billiger.

    Aber schöne Haptik/Optik.Und natürlich toll das es immer noch genügend Hersteller gibt,die sowas bauen aber ein WENIG mehr Kreativität hätte sicherlich nicht geschadet.

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