Von der Emulation zum Analog-Synth

Arturia hat auf der NAMM alle mit dem MiniBrute überrascht: Einen komplett analogen Synthesizer vom französischen Spezialisten für Software-Emulationen hatte wohl niemand auf dem Schirm. Grund genug für uns mit Frank Orlich, Inhaber des langjährigen Arturia-Vertriebspartners Tomeso, ein Gespräch über die Hintergründe zu führen.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 161

Debug: Wie kommt eine Firma, die vor allem mit Software-Emulationen von Klassikern bekannt wurde, dazu, plötzlich einen echten analogen Synth zu bauen?

Frank Orlich: Der MiniBrute ist ja nicht das erste Hardware-Instrument aus dem Hause Arturia. Neben dem modularen Synthesizer Origin gibt es die Hybrid-Instrumente der Analog-Experience-Serie, außerdem hat Arturia mit Spark Hardware für kreatives Drum-Programming entwickelt. Mit anderen Worten: Arturia ist bereits seit einigen Jahren ein erfolgreicher Hardware-Hersteller. Das Know-How im Bereich der industriellen Fertigung, das sich Arturia in den vergangenen Jahren angeeignet hat, machte es überhaupt erst möglich, nun ein Projekt wie den MiniBrute zu realisieren. Wenn man sich als Hersteller fast zehn Jahre mit analogen Synthesizern beschäftigt, liegt es irgendwann nahe, ein eigenes Konzept zu entwickeln. Im Falle des MiniBrutes war es möglich, dies mit analoger Technik und in einem vernünftigen Preisrahmen zu realisieren.

Debug: Habt ihr euch von Korgs Taschensynthesizern Monotron und Monotribe inspirieren lassen?

Orlich: Nein, aber der Erfolg dieser Serie belegt zweierlei. Zum einen, dass analoge Klangerzeuger heute kein Vermögen mehr kosten müssen und zum anderen, dass das Interesse der Musiker an günstigen, analogen Instrumenten weiterhin ungebrochen ist.

Debug: Wie lange hat die Entwicklung gedauert und wer hat euch dabei geholfen?

Orlich: Die Idee für ein solches Instrument gab es schon länger, aber im Sommer 2010 nahm das Konzept des MiniBrutes langsam konkrete Formen an. Zur Musikmesse 2011 hatten wir dann zwar schon einen frühen Prototypen, aber das Projekt musste zwischenzeitlich immer mal wieder wegen anderer Dinge zurückstehen. Der MiniBrute ist in Zusammenarbeit mit Yves Usson entstanden, der in der DIY-Synthesizer-Szene über einen sehr guten Ruf verfügt. Vor allem das Design des VCOs und des Filters basiert auf Schaltungen, die er bereits veröffentlicht hatte. Bei der finalen Version des Filters hat dann auch noch Nyle Steiner beratend mitgewirkt.

Debug: Wie kam es dazu, dass ihr ein Steiner/Parker-Filter verbaut habt, das ja doch verhältnismäßig selten verwendet wird?

Orlich: Hierfür gab es mehrere Gründe. Zum einen war von Anfang an das Ziel, den Markt nicht mit einem weiteren Aufguss eines Moog-Filters zu “bereichern”. Das wäre einfach zu langweilig gewesen. Praktischerweise hatte Yves Usson bereits eine eigene Version eines Steiner/Parker-Filters veröffentlicht und da lag es nahe, es damit zu versuchen. Der dritte und vermutlich wichtigste Grund ist jedoch, dass der Klang des Filters zum Konzept und zum Charakter des MiniBrutes passt, einem Instrument mit sehr kraftvollem und bei Bedarf auch aggressivem Klangcharakter. Hier passt das Steiner/Parker-Filter eben besser als andere Designs. Ein filigran oder seidig klingendes Filter wäre einfach fehl am Platz gewesen. Das Filter legt bei hoher Resonanz ein sehr eigenes Verhalten an den Tag. In Abhängigkeit vom anliegenden Signal kann man die Eckfrequenz zum “Flattern” bringen, was zu einem sehr lebendig klingenden Sound führt. Zusammen mit dem Brute Factor lassen sich so eben nicht nur Standardklänge, sondern auch herrlich übersteuerte und chaotische Sounds erzeugen.

Debug: Gab es ein Vorbild für den MiniBrute, der ja zumindest von außen dem SH-101 von Roland ein wenig ähnelt?

Orlich: Die Optik erinnert in der Tat an einen SH-101 und auch das Konzept der mischbaren Schwingungsformen ist ähnlich. Aber in erster Linie ging es beim MiniBrute darum, ein kompaktes und dennoch sehr flexibles Instrument zu bauen. Wichtig war hierbei auch, dass der MiniBrute kein Klangmodul, sondern ein autarkes Instrument ist, das ohne zusätzliches Equipment auskommt und sich direkt spielen lässt. Pate standen hierbei eher die kompakten Klassiker wie der Moog Prodigy, Moog Rogue oder der Pro One von Sequential. Klanglich gab es allerdings kein direktes Vorbild und ich vermute, dass dies auch einer der Gründe für das große Interesse am MiniBrute ist. Er ist eben keine Kopie eines bekannten Instruments und bietet zudem ein hohes Maß an Funktionalität und eine große Klangpalette für wenig Geld.

Debug: Habt ihr vor, noch mehr analoges Equipment zu bauen?

Orlich: Angesichts des großen Kunden-interesses wäre es sicherlich spannend,
noch mehr Instrumente in dieser Richtung anzubieten. Mit dem MiniBrute sammelt Arturia derzeit viel Erfahrung in der Entwicklung und Fertigung von analogem Equipment und wir werden sehen, was sich daraus ergibt. Zu diesem Zeitpunkt wäre aber alles Weitere reine Spekulation.

Der MiniBrute kostet 499 Euro und wird in den nächsten Tagen zu haben sein.

Arturia

2 Responses

  1. Steff

    fehlt eigentlich nur noch eine on board Speichermöglichkeit, dann wäre es perfekt…

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