Soundkarte De Luxe

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Warum sollte man heute noch über 2000 Euro für ein Audio-Interface ausgeben? Die Antwort ist einfach: weil man nie wieder ein anderes haben möchte und weil die eigene Musik es einem dankt. Zukunftsinvestion, made by Apogee.

von Thaddeus Hermann aus De:Bug 111

“An meine Musik lasse ich nur Apogee”. 3 … 2 … 1 und die Kinnlade ist unten. Klar, aus großen Aufnahme- oder auch Mastering-Studios sind die D/A-Wandler der kalifornischen Firma Apogee nicht mehr wegzudenken. Seit 1985 wird hier daran gearbeitet, der digitalen Soundrevolution die analoge Wärme zurückzugeben. Klassiker der Firma wie der AD-8000 verrichten seit Jahr und Tag verlässlich ihren Dienst und stellen sicher, dass jegliches Audio-Signal so im Rechner ankommt, wie es gemeint ist. Diese Qualität hat ihren Preis (übersetzt: für Heimstudios eigentlich zu teuer) und erst seit relativ kurzer Zeit hat Apogee auch den semi-professionellen Markt ins Auge genommen. Mit dem Mini-Me und dem Mini-Mp haben sich zwei erschwingliche, portable Produkte bereits auf dem Markt etabliert und mit dem “Ensemble“ bietet Apogee nun eine All-In-One-Lösung, die den Mac in ein Powerhouse bislang ungeahnter Möglichkeiten verwandelt.

Out of the box
Schauen wir zunächst mal auf die technischen Werte. Das Multikanal-Interface bietet bei 24bit-Auflösung und maximal 192 kHz bis zu 36 gleichzeitig nutzbare Audiokanäle, von denen acht mit den bekannten Apogee-Wandlern ausgerüstet sind. Dazu kommen vier Mikrofon-Vorverstärker, 8faches ADAT-I/O, S/PDIF und optische I/Os und natürlich Word Clock I/O. Verbunden wird Ensemble mit dem Mac via Firewire 400. Auf unserem Testsystem mit einem G5/2x2Ghz verlief die Installation völlig problemlos und der Core-Audio-Treiber, der zum Zeitpunkt des Tests lediglich in einer Beta-Version vorlag, ließ sich seine Nicht-Fertigstellung in keinster Weise anmerken. Mittlerweile liegt die komplett fertige Version auf der Apogee-Website zum Download bereit. Unsere Host-Software ist Logic Pro 7.2 und das nicht ohne Grund, doch dazu später mehr. Zunächst etwas, was beim Hardware-Test nicht gerade oft passiert: Schon beim Auspacken verliebt man sich auf Anhieb in das Ensemble. Die Verarbeitung ist beeindruckend solide und ich habe lange keine Rack-Einheit mehr gesehen, die so wahnsinnig sexy ist. Auf der Vorderseite hat man alle wichtigen Dinge im Blick. Neben den beiden Hoch-Impedanz-Inputs fallen vor allem die beiden dicken Endlos-Potis (Input, Output) auf, die mit ihren weißen Kontrollkränzen nicht nur extrem gut aussehen, sondern vor allem das Arbeiten extrem intuitiv machen: Eingangs- und Ausgangssignal auf die Knobs routen und einfach per Hand justieren. Die zehnfache Meter-Anzeige (8 x analog, 2 x digital) zeigt die Lautstärke der jeweiligen Kanäle in sanftem Unterwasserblau.

Band ab!
Wir testen Ensemble mit Logic Pro nicht nur, weil es meine Lieblings-DAW ist, sondern weil Apogee bei der Entwicklung des Geräts eng mit Apple zusammengearbeitet hat und das Ensemble das erste Multikanal-Interface ist, dass komplett in Logic integriert ist. Sind alle Treiber installiert und Logic gestartet, können alle wichtigen Einstellungen des Interfaces direkt in Logic in einem extra Kontrollfeld vorgenommen werden. Das rockt und funktioniert. So weit, so gut. Und der Klang? Zunächst zum Output. Wir hören diverse offene Projekte ab, Tracks, die in Logic angelegt sind und bislang mit einem RME-Hammerfall-Multiface bearbeitet wurden. Im direkten A/B-Vergleich fällt sofort eine deutlich tightere Wiedergabe der tiefen Frequenzen auf. Basslines, die bislang unkonkret und irgendwie verbesserungswürdig klangen, haben mit dem Ensemble mehr Punch und Präsenz. Auch in den Mitten hat man das Gefühl, einfach näher am Geschehen dran zu sein. Zusammen mit kristallklaren Höhen ergibt sich so ein mächtiges, schlicht umwerfendes Gesamtbild. Noch nie kam so viel finnischer Feinstaub aus unserer Genelec-Abhöre. Dann zu den Inputs. Hier kann das Ensemble seine wahre Größe beeindruckend ausspielen. Wir testen mit diversen Gitarren, die wir über die “HI-Z”-Inputs auf der Vorderseite des Geräts direkt in Logic aufnehmen. Noch nie habe ich ein derart rundes, volles, detailreiches Audiosignal gehört. Kraftvoll und rauschfrei liegen die Gitarren-Spuren jetzt in Logic.

Unterm Strich
Apogees Ensemble kostet rund 2000 Euro. Das ist eine Menge Geld, das jedoch bestens angelegt ist, wenn man auf der Suche nach einem Audio-Interface ist, das viel externe Instrumente aufnehmen und beim Playback gleichzeitig besten Sound von höchster Qualität liefern soll. Außerdem ist es noch nicht lange her, dass ein einfacher zweikanaliger Wandler von Apogee das gleiche Geld kostete. Mit dem Ensemble bekommt man die perfekte Allround-Lösung und es sei hiermit allen ans Herz gelegt, die es ernst meinen mit der Musik. Und auch für eingeschworene ProTools-User gibt es gute Nachrichten. Auf der Namm hat Apogee angekündigt, für das Ensemble durch ein Firmware-Update auch einen Standalone-Modus anzubieten. So können die Wandler auch in Verbindung mit Digidesign-Hardware verwendet werden. Ein gutes Ende einer perfekten Geschichte.

Apogee
Preis: 1999,- Euro

INTERVIEW:

Martin Siebert ist Sales Director bei Mega Audio und kümmert sich um den Vertrieb von Apogee-Produkten in Deutschland.

Apogee hat eine Reputation für sehr hochwertige Wandler. Ensemble ist eine der ersten dezidierten Soundkarten. Warum wagt sich Apogee in dieses Segment?

Als Erstes würde ich den Apogee Ensemble nicht als Soundkarte bezeichnen. Mit einer Soundkarte verbindet man gerne die in den 90er Jahren auf den Markt gekommenen AdLib bzw. Soundblaster-Karten. Damit wird heute gerne der Einsteigerbereich benannt. In der erweiterten Definition einer Soundkarte wird auch von so genannten Breakoutboxen gesprochen (M-Audio, Edirol etc.), aber damit möchte ich Apogee nicht vergleichen. Die Apogee-Produkte findet man eher im professionellen Bereich. Somit würde ich beim Ensemble von einer professionellen Recordingkarte oder besser noch von einem digital kontrollierbaren Audiointerface sprechen. Die Entwicklung und Marktpositionierung von Ensemble wurde über einen langen Zeitraum sorgfältig vorbereitet, um den Marktanforderungen gerecht zu werden. Und wie wir feststellen, ist das Konzept weltweit aufgegangen.

Alleinstellungsmerkmal des Ensemble ist die perfekte Mac-Integration und die Einbindung in Logic Pro. Warum hat man sich für Apple entschieden?

Das ist recht einfach zu beantworten. Das Problem vieler Mitbewerber ist ihre Kompatibilität zu möglichst allen Plattformen und Hardware-Kombinationen. Wie man sich vorstellen kann, ist dies extrem aufwendig für einen Hersteller. Ich denke da nur an die Vielzahl der unterschiedlichen Treiber und deren Support. Bei Apple-Computern ist dies alles kein Thema.

Der Straßenpreis des Ensemble ist hoch und nicht für jeden erschwinglich, im Apogee-Rahmen dennoch eine preiswerte Komplett-Lösung. Für wen ist Ensemble konzipiert?

Wir haben in erster Linie den Kundenkreis der ambitionierten Homerecorder und semiprofessionellen Tonstudios aus dem Audio- und Videobereich im Fokus.

Der neue Standalone-Modus suggeriert, dass man sich für die Wandler generell auf Apogee verlassen sollte. War das ein von Usern gefordertes Feature?

Ja, dies ist aufgrund von vielen Useranfragen umgesetzt worden. Im Übrigen ist Apogee eine Firma, die bekannt dafür ist, dass sie sehr eng mit den Anwendern zusammenarbeitet und versucht, sinnvolle Verbesserungsvorschläge umzusetzen. So hat Apogee zur Namm eine AMBUS-Firewire-Karte vorgestellt, die es ermöglicht, auch ältere Geräte wie den AD-8000 und den Trak2 über die Firewire-400-Schnittstelle an moderne DAW’s anzuschließen.

Mega Audio

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