Wie macht man eine Clock spannend?

301_w_300

Nachdem Koma Elektronik ausgefallene Filter, berührungsfreie Controller, Delays und Sequenzer gebaut haben gibt es jetzt ein Gerät, bei dem es eher um reine Nützlichkeit geht. Ihre Version ist natürlich eine einfallsreiche, eine die Ideen mitbringt, die man typischerweise eher in Boutique Modularracks vermuten würde.

von Peter Kirn aus De:Bug 177

Die RH301 ist die Kombination verschiedener Geräte in einem Gehäuse, daher auch der Name RH301 “Rhythm Workstation / Utility Tool”. Zunächst verbindet sie vor allem analoge und digitale Gerätschaften verschiedener Generationen. Es gibt MIDI In, Out und Thru sowie DIN In und Out (die sich die Buchsen mit MIDI teilen), dazu kommen 14 Analog-Anschlüsse im Klinkenformat, die mit einem Dreieck anzeigen, ob sie Ein- oder Ausgänge sind.

301.1_300

Dementsprechend fühlt sich die RH301 inmitten eines Schwarms von Moogerfoogern, analogen Drummachines und MIDI-Synths am wohlsten. Auch für die Besitzer von Modularsystemen dürfte sie interessant sein, obwohl man nicht unbedingt einen Haufen Euroracks braucht, denn durch MIDI und die Analoganschlüsse in Verbindung mit rhythmischen Funktionen kann man auch mit weniger auskommen. Sie lässt sich als Clock-Quelle und Sequenzer nutzen, aber auch schlicht, um analoge und digitale Welt miteinander zu verbinden. Zusätzlich zur einfachen Clock-Funktion gibt es eine Reihe rhythmischer Features.

301.2_300

In der einfachsten Anwendung ist die RH301 die Clock, wahlweise extern als Slave gestartet, mit dem Tempo-Regler eingestellt oder per Tap auf den robusten Tap-Tempo-Button eingestartet. Das Tempo lässt sich dann über die angeschlossenen Geräte via MIDI, DIN Sync oder an analoge Geräte weitergeben. Von hier aus kann man dann mit LFO und Hüllkurvengenerator anspruchsvollere Sachen machen. Der LFO bietet diverse Modi und Wellenformen. Zusätzlich zum Betrieb als Slave zur Master Clock oder seiner Rate kann er auch zu einem Teiler des Master-Tempos synchronisiert werden, was ebenfalls durch eine externe Analogclock geschehen kann. Die zusätzlich vorhandenen Wellenformen sind, neben dem Symmetry-Regler und einer hybriden Wellenform aus Noise und Sinus, die KOMA “noisine” nennt, das Salz in der Suppe. Der Hüllkurvengenerator kann ebenfalls synchronisiert, geloopt oder zu einem Teiler der Master Clock synchron laufen. Er besitzt Regler für ADSR und einen übergreifenden Range-Regler.

Die RH301 ist natürlich Overkill wenn man schlicht eine Clock haben will und ein Sequenzer ist sie auch nicht. Wo sie wirklich zeigt, was sie drauf hat, ist bei der Patchbay mit der sich der eingebaute Hüllkurvengenerator, die Clock und der LFO zum Erzeugen rhythmischer Möglichkeiten im Kontext eines weitgefassten Setups kombinieren lassen. Hier bietet die RH301 sehr weitgehende Möglichkeiten, die man typischerweise nicht in einem kompakten Tabletop-Gerät findet. Ja man bekommt Clock Out, aber über vier Patchpunkte – je zwei für die Main-Clock und zwei für die Teiler-Clock. Auch für LFO und Hüllkurve gibt es separate Ausgänge, dazu noch für die invertierten Varianten.
Eingangsseitig gibt es LFO Speed, Reset und Symmetry, dazu das notwendige Gate für die Hüllkurve und natürlich die Möglichkeit, als Slave zu einer externen analogen Clock zu laufen (zusätzlich zu MIDI und DIN Sync).

Wie bei anderen KOMA-Geräten gibt es auch einen Infrarot-Controller, der an Rolands D-Beam erinnert (und die gleichen technischen Grundlagen hat). Der ist ebenfalls über die Patchbay routbar, so dass man damit fast alles steuern kann, was man will. Außerdem kann er über ein Stellrad auf der Rückseite kalibriert werden.

In der Praxis macht die RH301 das Synchronisieren wesentlich interessanter, als es mit einer einfachen Clock wäre. Anders als in einer Standardsituation muss nicht alles zu einem festen Rhythmus geslavet laufen: Man kann die Clock teilen, nochmal teilen oder einfach verschiedene Rhythmen mischen um so ausgeklügelte polyrhythmische Grooves zu erzeugen. Anders als bei vielen anderen Clock-Geräten muss man dabei nicht groß über das Format nachdenken und sich um die Anpassung verschiedener Geräte aneinander kümmern: Modularsysteme, Rechner, MIDI Synths, Drummachines, Grooveboxen und analoge Effektpedale lassen sich umstandslos zusammen nutzen.

Die RH301 sitzt außerdem in einem sehr ansprechenden Gehäuse aus Aluminium mit hölzernen Seitenteilen im charakteristischen KOMA-Stil, solide aber mit exakt einem Kilo Gewicht immer noch portabel. Jeder Knopf und jeder Schalter fühlt sich hochwertig an, was vor allem für den Tap-Tempo-Regler gilt, der laut KOMA eine Spezialanfertigung ist. Er fühlt sich an wie ein analoger Arcade Button eines Videogames, aber mit einem perkussiveren Klick, ein gutes Detail, schließlich klopft man damit das Tempo ein.

Wer nur einen simplen Sync oder eine einfache Clock sucht, für den ist die RH301 eher überdimensioniert. Aber selbst wenn man nur eine kleine Sammlung von analogen Geräten hat, dürften die einzigartigen rhythmischen Features und die Patchbay zumindest einen Blick darauf mehr als wert sein. Die RH301 ist eines der wenigen Geräte, die mit der Lösung eines simplen Problems anfangen – analoge und digitale Clock – und dabei neue kreative Möglichkeiten eröffnen.

Preis: 399 Euro

KOMA Elektronik

One Response

  1. StromKult » Musikmesse Aftershow 2/2

    […] either Peter Kirn presenting his Meeblip synth and/or the Koma boys performing their pedals and Kommanders. Still before 10pm we will have a second rare introduction where Christian Halten will introduce […]

    Reply

Leave a Reply