Mit Logic 7 ist die große Update-Runde der DAWs für dieses Jahr beendet. Erstmalig unter der Regie von Apple wurde Logic in vielen Details verändert und angepasst. Mehr Instrumente, mehr PlugIns, mehr Kompatibilität. Und wo ist der Haken? Ein erster Blick kurz vor Redaktionsschluss …
von Thaddeus Herrmann

Mit runden 1000 Euro (Straßenpreis) belastet die Vollversion von Logic Pro 7 die Bankkarte, das Update schlägt mit ca. 300 Euro zu Buche. Kein Pappenstil, allerdings hat Apple, oder vielmehr das Entwicklerteam von Emagic, auch ordentlich neue Features verbaut und es sich nebenbei nicht nehmen lassen, Logic komplett in die Software-Linie aus Cupertino zu integrieren. Voll kompatibel mit GarageBand unterstützt Logic nun auch Apple Loops, dass per Loop-Browser die Sounds sowohl im Tempo als auch in der Stimmung an Logic automatisch anpasst. Ein bisschen “Live”-Gefühl also, das haben sich Logic-User seit langer Zeit gewünscht.

Host
Doch nicht nur mit GarageBand ist Logic nun verzahnt. Neben der überarbeiteten Benutzeroberfläche im Apple-Pro-Look (Darstellungprobleme, die wir aus Version 6 kennen, sind übrigens immer noch nicht ganz behoben, bzw. treten an neuen Stellen wieder auf), öffnet sich Logic 7 in alle Richtungen. Final-Cut-Files können ausgetauscht werden und SysEx-Daten werden endlich importiert. Will man bouncen oder exportieren, stehen in der neuen Version reichlich neue Alternativen zur Verfügung. So ist der Export als AAF möglich, ebenso als AAC. Will man Zeit sparen, lassen sich ganze Songs in einem Rutsch in separate Audiotracks bouncen. Die File-Verwaltung dieses Vorgangs bedarf allerdings noch der Nachbesserung. Große Fortschritte hat der Projekt-Manager gemacht. Geschichten von diesbezüglichen Datenverlusten in den Vorgängerversionen sind hinlänglich bekannt. Verabschieden können wir uns hingegen prinzipiell von Autoload, also unserer Default-Arbeitsfläche. Logic arbeitet nun mit Templates, die entsprechend des Projekt-Charakters vorbereitet werden können. Um die CPU-Last nicht nur auf einen Rechner zu konzentrieren, verfügt Logic über “Distributed Audio Processing”. So können Teile des Songs mit rechenintensiven PlugIns auf einen G5-Rechner (!) ausgelagert werden. Die Verbindung wird praktisch über Ethernet hergestellt. Dies funktioniert jedoch erst, wenn die entsprechende Spur aufgenommen ist, ein direktes Einspielen auf dem Zweitrechner ist ob hoher Latenz nicht möglich. Voraussetzung für diese Verkettung von Rechner ist OS X 10.3 auf beiden Computern.

PlugIns
Neben einem konsequent verbesserten Workflow und lange herbeigesehnten Detailverbesserungen kommt Logic 7 selbstverständlich mit neuen Instrumenten und PlugIns. Leider hat Apple/Emagic, wie bei der Einführung von Logic 5, die PlugIn-Implementation offenbar verändert, so dass einige Komponenten von Drittherstellern nicht mehr fehlerfrei erkannt werden. Beim ersten Start führt Logic einen AU-Test durch, der auf unserem Rechner nicht nur diverse Male abstürzte, sondern sich auch kontinuierlich weigerte, einige Audio Units zu akzeptieren. Viele Hersteller haben bereits Updates ins Netz gestellt. Eine manuelle Aktivierung nicht akzeptierter PlugIns ist möglich, was das aber beim Arbeiten für Folgen hat, bleibt abzuwarten. Motus “MachFive” und “MX4” sind zum Beispiel solche Kandidaten. Das hat nicht dasselbe Ausmaß wie bei Version 5, als VSTs eigentlich kaum benutzbar waren, ärgerlich ist es dennoch.
Zwei große neue Instrumente sind Teil von Logic 7: “Sculpture” und “Ultrabeat”. “Sculpture” ist ein Physical Modelling Synth, der uns mit seinen umfangreichen Features locker durch die kalte Jahreszeit bringen wird. Über “Material” wird die Art der Saite festgelegt, mit den “Excitern” kann die Art der Schwingung definiert werden. “Ultrabeat” ist ein Drumsynthesizer mit integriertem Step-Sequencer, der mit bis zu drei Oszillatoren, Ringmodulator, FM und Filter aufwartet. Abgerundet wird die Tonerzeugung durch “EFM1”, einem einfach strukurierten FM-Synth.
Die neuen Effekte bestehen aus “Ringshifter” (Ringmodulator), “Guitar Amp Pro” (Verstärker-Simulation), “Multimeter” (Audio-Analyser), “Pitch Correction” (kann mit Autotune nicht wirklich mithalten), “Vocal Transformer” (Formant-Korrektur par excellence), “Match EQ” (kopieren des Spektrums auf andere Signale) und der “Linear Phase EQ”, der das phasenlineare Pendant zum Channel EQ darstellt.

Fazit
Mit Logic 7 ist Apple ein großer Wurf gelungen, auch wenn noch einige Kinderkrankheiten beseitigt werden müssen. Das dem Paket ebenfalls beiliegende Brennprogramm “Waveburner” (auferstanden von den Toten) ließ sich auf unserem Testrechner (G5, 2 x 2GHz) zum Beispiel einfach nicht zum Laufen bringen. Das machte ratlos. Apple geht mit Logic den Weg, den die Firma mit all ihren Produkten eingeschlagen hat: Je mehr Features integriert sind, desto obsoleter werden Drittanbieter. Ob man dies mag oder nicht, sei dahingestellt, gegen eine gute All-In-One-Lösung war aber noch nie etwas einzuwenden.

System: OS X 10.3, G4 / 1 GHz (G5 empfohlen), 512 MB Ram

Vollversion: ca. 1000 Euro
Update: ca. 300 Euro

Logic

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