Vor gut vier Jahren kam die Machinedrum heraus, die sich inzwischen neben den alten Helden von 909, 808 und Jomox X-Base 09 zu einer der Standarddrummachines in der elektronischen Musik gemausert hat.
von Benjamin Weiss aka Nerk

Im Gegensatz zur Konkurrenz ist die Machinedrum komplett DSP – basiert. Da wir aus unerfindlichen Gründen damals keine Machinedrum getestet haben, fällt dieser Test der neuen Sampleversion UW ein wenig umfangreicher aus.

Übersicht
18 cm tief und 34 cm breit macht die Machinedrum mit einem Gewicht von immerhin knapp 3 Kilo im Stahlblechgehäuse einen recht robusten Eindruck. In der Mitte eine rote LCD Anzeige die alle gerade benötigten Parameter darstellt, unten die obligatorischen sechzehn Steptasten und rechts 9 Drehregler für die Klangformung, links ein großes Jog Shuttle zur Anwahl der Spuren.

Klangerzeugung
Die Machinedrum bietet verschiedene Syntheseformen an, die zu einem Kit aus sechzehn “Machines” zusammengestellt werden können, wobei es 64 Speicherplätze für die Kits gibt. Per Jog Shuttle lassen sich die einzelnen Machines auswählen, deren Parameter dann über die acht Drehregler auf der rechten Seite eingestellt werden können. Für die Drehregler gibts drei Pages: Synthesis (mit den Hauptparametern der Klangerzeugung), Effects und Routing.
Die Parameterzuordnung der Drehregler ändert sich je nach Auswahl der Machines.
Zunächst wird ein Machinetyp ausgewählt: zur Verfügung stehen hier TRX, GND, EFM, E12, P-I, Midi, Control, RAM, ROM (nur User Wave Version) und Input.
TRX dient der Erzeugung von Drumsounds die an die TR Serie angelehnt sind: je nach Instrument gibt es hier diverse Parameter wie Pitch, Decay, Hold, Tick und Distortion, die aber deutlich mehr Möglichkeiten bieten als die Originale. EFM (Enhanced Feedback Modulation) kann sowohl recht zahme Drumsounds, als auch weirdeste Effektsounds erzeugen. E12 basiert auf Samples diverser bekannter Klappermaschinen und kommt an Parametern unter anderem mit Retrigger (Anzahl der Wiederholungen) und Retriggertime (Abstand der Wiederholungen untereinander, abhängig vom Tempo). Retrigger ist eins der Killerfeatures der Machinedrum das nicht nur schnöde Snarewirbel, sondern in Verbindung mit den Parameter Locks (siehe unten) ziemlich spezielle Percussionsequenzen erlaubt.
P-I schließlich ist Physical Modeling von echten Drums gewidmet und erlaubt tatsächlich ziemlich realistische Drums. GND ist so eine Art Verstärkermachine: hiermit kann man einer Bassdrum zum Beispiel zusätzlichen Attack oder mit einem Sinus Tonalität verleihen.
Input Machines gibt es auch noch: einmal einen Filter Follower für externes Audiomaterial (der nur über das externe Signal getriggert wird) mit Gate und einen Envelope Follower mit zwei Hüllkurven, der sich wie jede andere Machine mit Steps setzen lässt, aber auch auf einen Input angewiesen ist. MIDI Machines sind zur Steuerung externer Midigeräte gedacht und den Kanälen 1-16 zugeordnet. Die Synthesis Page dient hier den Basisfunktionen für Notenhöhe, Länge und voreingestellte Chords sowie Pitch Bend, Modulation Wheel, Velocity und Aftertouch. Mit den anderen beiden Pages lassen sich dann noch Control Changes und Program Changes einstellen.

UW – Version
Die User Wave Variante der Machinedrum bietet zusätzlich zwei weitere Machines an: 32 ROM Machines und vier RAM Machines. Die 32 ROM – Machines können per Midi über Sysex (ja das klingt tatsächlich ein wenig antiquiert) mit eigenen Samples belegt werden, was auch in erträglicher Geschwindigkeit möglich ist. Die interne Auflösung der Samples beträgt 12 Bit, die Machinedrum importiert aber klaglos auch andere Auflösungen, wobei der Soundcharakter der Samples sich immer ein wenig dem spezifischen Machinedrumsound annähert. Die in die ROM Machines eingeladenen Samples bleiben auch nach dem Ausschalten erhalten, da sie in einen Flashrom eingeladen werden, der mit 2 MB zwar klein, erstaunlicherweise aber in der Praxis durchaus ausreichend ist. Der Parametersatz der ROM Machines entspricht weitgehend der E12 Klangerzeugung. Die ROM Machines 25-32 sind für Loops gedacht, wofür die Parameter Start, Hold und End angepasst wurden. Die RAM Machines sind zur Livemanipulation externen Audiomaterials gedacht, ihr Speicher ist jedoch flüchtig und nach dem Ausschalten wieder leer.
Insgesamt gibt es vier, wobei je eine Record Machine das Material für je eine Play Machine liefert. Mit den Record Machines kann man sowohl die interne Klangerzeugung abgreifen, als auch (falls gewünscht gleichzeitig) das am Input anliegende externe Signal. Die Parameter entsprechen denen der ROM Machines von 25-32 und ermöglichen tiefgreifende Manipulationen.

Effekte, Routing & LFO
Für jede Spur die Sound ausgibt gibts die Track Effects: Amplitude Modulator, im Prinzip ein Tremoloeffekt, dann ein einbandiger EQ, ein 24 dB Filter und ein Sample Rate Reducer. Auf der Routing Page gehts zunächst mit Effekten weiter: Distortion, dann Track Volume, Panning, sowie je ein Send für das Master Delay und das Master Reverb und die LFO Parameter. Jedes Drum Kit bietet bis zu 16 LFOs zur Steuerung von Track Parametern, die zunächst ihren jeweiligen Spuren zugeordnet sind, aber durchaus auch andere steuern können. Sie haben jeweils zwei miteinander mischbare Wellenformen und die Geschwindigkeit ist immer abhängig vom Sequenzertempo, kann aber geändert werden. Dann sind da noch die Master Effekte: das Rhythm Echo, ein Delay mit eingebautem Filter und Feedbackoption, das Reverb mit integriertem Gate, der EQ mit Low Shelf und High Shelf sowie einem parametrischen Band und zuguterletzt ein Kompressor. Die Effekte sind allesamt gut für ihren Zweck geeignet und klingen recht ordentlich.

Sequenzer
Der Sequenzer folgt in der Bedienung dem altbewährten Roland – TR – Serienprinzip der Lauflichtprogrammierung: mit sechzehn Tasten können die Steps auf sechzehn Spuren gesetzt und auch wieder gelöscht werden, zusätzlich ist auch das Liveeinspielen möglich. Alle Patterns werden in Echtzeit gespeichert, wodurch sie auch beim Ausschalten ohne vorheriges Speichern erhalten bleiben. Die Spur / der Sound wird über das Jog Shuttle ausgewählt. Swing (aka Shuffle) kann wahlweise für einzelne Spuren oder alle Spuren von 50% bis 80 % ausgewählt werden; das zugrundeliegende Pattern (per Default jeder zweite Step) kann aber auch geändert werden. Auch eine Accentfunktion gibts, die sich ebenso wahlweise für alle Spuren oder einzelne Spuren und auch in ihrer Intensität definieren lässt. Über die Mutefunktion lassen sich einzelne Spuren eines Patterns an- und ausschalten.
Grundsätzlich gibts zwei Modi im Sequenzer: bei Classic lassen sich verschiedene Drumkits ausprobieren, im Extended Mode sind die Patterns den Kits fest zugeordnet. Eine weitere Besonderheit im Extended Mode ist die Möglichkeit, sogenannte Parameter Locks im Pattern aufzunehmen. Ähnlich wie bei der X-Base von Jomox können so Parameterverläufe für die Klangerzeugung im Pattern aufgenommen werden, wahlweise bei laufendem Sequenzer für alle Steps oder auch stepweise. Als Parameter stehen sämtliche Werte aus den Pages Synthesis, Effects und Routing bereit, insgesamt kann ein Pattern bis zu 64 solcher Parameterverläufe aufnehmen, was selbst für opulenteste Automatisierungsorgien ausreichen dürfte.
Neben einem Pattern Mode (mit maximal 128 Patterns die in 16er Bänken organisiert sind) der das Editieren der einzelnen Spuren erlaubt gibts natürlich noch einen Song Mode, der die üblichen Funktionen wie Pattern aneinanderhängen, nur zum Teil spielen, Mutes und ähnliches zu programmieren erlaubt.

Fazit
Die Machinedrum ist sowohl live als auch im Studio ein prima Universaldrumcomputer mit dem sich wegen der umfangreichen Klangformungsmöglichkeiten problemlos auch ganze Tracks basteln lassen. Der Sound ist extrem überzeugend, hat aber auch einen sehr eigenen Charakter und bietet die Bandbreite von tiefen, bauchigen Bassdrums über fette Snares und Claps bis hin zu weirdesten Effektsounds. Richtig brutal-klonkige Basssdrums bleiben aber der X-Base vorbehalten, die sich natürlich auch in die User Wave Machinedrum sampeln läßt.
Ansonsten wurde wirklich an fast alles gedacht: bis auf den Sample Dump lassen sich beinahe alle Funktionen bei laufendem Sequenzer wechseln, ohne dass das die Machinedrum aus dem Takt bringt. Die Bedienung ist praktisch, selbsterklärend und sehr übersichtlich, man merkt deutlich, dass die Entwickler selbst durchaus Erfahrung mit diversen anderen Drummachines haben.
Ob man sich die User Wave Version kaufen sollte, hängt jedoch davon ab, ob man wirklich eigene Samples braucht, der Aufpreis von 400 Euro ist jedenfalls für die neuen Funktionen und 2 MB extra Speicher ein ganz schön happiger. Demnächst soll übrigens ein Upgrade Kit für die Standard Version erscheinen, das aus einer “normalen” Machinedrum eine User Wave Version macht. Alles in allem ein Stück Hardware, dass sich zumindest in der Standard Version für jeden lohnt, der gerne Beats programmiert.

UPDATE 25/08/05: Inzwischen gibts auf der Elektron Website für 500 Euro das Upgrade für Machinedrums ohne Sampleoption. Dazu muss man die Machinedrum bei einem Elektronhändler umbauen lassen. Mehr Infos dazu hier.

Preis / Leistung: **** (Standard) *** (UW)
Sound: *****
Bedienung: *****
Info: http://www.machinedrum.com
Preis:
Standard: 1190,- €
UW: 1590,- €

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