Als Melodyne vor etwa vier Jahren das Licht der Welt erblickte, war es eine Sensation: noch nie war Audio was Timing, Phrasierung und Tuningkorrektur angeht so flüssig gewesen, ohne dabei auch deutlichste Artefakte (gewollt oder ungewollt) zu zeigen. Inzwischen ist flüssiges Audio in aller Munde…
von Benjamin Weiss aka Nerk

Übersicht
Melodyne Uno ist die abgespeckte Version von Melodyne cre8 und Melodyne Studio : hier steht nur eine Spur zur Korrektur zur Verfügung, außerdem gibts eine vereinfachte Oberfläche und keine Bridge Funktion zur Integration in VST-Hosts. Melodyne Uno arbeitet also grundsätzlich Stand – Alone, lässt sich aber per ReWire in Sequenzersetups integrieren.
Zunächst lädt man das zu analysierende / verformende Sample ein, woraufhin es automatisch analysiert wird. Anders als bei den großen Geschwistern lassen sich die Analyseparameter vorher nicht genauer einstellen, so dass man bei Bedarf per Hand nachkorrigieren muss, was aber in den meisten Fällen (abgesehen von Audioloops wie Gitarrenschrammeln, das nicht so gut erkannt wird) nur dann notwendig ist, wenn im Audiomaterial lange gebundene Noten vorhanden sind.
Nun wird der Loop wie in einem Sampleeditor als Wellenform dargestellt, mit dem Unterschied, dass die erkannten Töne auf einer Pianorolle dargestellt werden. Darüber gibts die Darstellung in klassischen Noten und in der Kopfzeile ein Transportfeld, einen Lautstärkeregler, ein Feld für Taktmass und Tempo (das bei Änderungen in Echtzeit timestretcht) sowie die zwei Buttons “Correct Pitch” und “Quantize Time”. Hinter “Correct Pitch “ verbirgt sich eine einfache Pitchkorrektur mit den per Schiebereglern einzustellenden Parametern Correct Pitch Center und Correct Pitch Drift.”Quantize Time” kommt mit einem Schieberegler für den Grad der Quantisierung sowie der Option als Groove Referenz 1/4, 1/8, 1/16 und 1/32 – Auflösung, wahlweise auch triolisch heranzuziehen. Diese beiden in Echtzeit funktionierenden Tools und die Editierung im Hauptfenster per Drag & Drop einzelner Töne dürfte viele schon zufriedenstellen, die einfach eingespieltes Material korrigieren wollen, für alle anderen gibts die “Expert Tools”: mit dem Pitch Tool können einzelne oder auch mehrere Töne gleichzeitig in Cent verstimmt werden, das Gleiche lässt sich mit den Formanten machen. Das Amplitudentool erlaubt es, ausgewählte Sounds leiser oder lauter zu machen, sowie die Lautstärkeübergänge zwischen den einzelnen Sounds des Audiomaterials zu editieren. Schließlich lassen sich auch noch die individuellen Notenlängen und die von Melodyne erzeugte Einteilung in Einzelsounds editieren.

Performance, Bedienung und Sound
Angenehm übersichtlich und auch für Einsteiger logisch präsentiert sich die Oberfläche von Melodyne Uno, wenn nötig lässt sich aber auch sehr detailliert arbeiten. Die Quantisierungsfunktion ist ein für Melodyne bisher nicht dagewesenes Feature, was man auch daran merken kann, dass die von Melodyne Uno erzeugten Analysedateien von den größeren Versionen bislang nicht geladen werden können. Das dürfte aber schon bald durch ein Update behoben werden. Vermisst habe ich eigentlich nur den Midiexport, den Melodyne Uno nicht bietet; angesichts des Preises geht das aber in Ordnung. Alles in allem ist Melodyne Uno sowohl ein präzises Werkzeug als auch ein interessantes Jamtool.

Systemvorraussetzungen:
Info: http://www.celemony.com
Preis: 169,- Euro

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