Controller-Hersteller Novation und App-Entwickler Mikrosonic zeigen, wie gut Tablets und Keyboards zusammenarbeiten können. Bleibt die Frage, in welchem vernünftigen Rahmen man das gutheißen soll.

Tablets und Musikproduktion sind ein erstaunlich harmonisches Pärchen: Auf der Couch die DAW fernsteuern oder gleich Beats basteln, Melodien einspielen, kleine Arrangements komponieren. Das geht alles ganz hervorragend, auch, weil Musik-Apps für das Tablet so reduziert sind, dass am Ende vor allem Musikmachen übrig bleibt.

Launchkey-3-Modelle

Was jetzt kommt, sind Controller, Keyboards und Pad-Matrizen, die für die Tablet-Apps zurechtgeschnitten sind. Wie gut diese Kombination funktioniert, zeigte bislang vor allem Native Instruments mit eigens zugespitzten Apps für die Traktor-Controller. Interessanter ist aber, was gerade zum Beispiel zwischen dem Keyboard-Hersteller Novation und den App-Entwicklern von Mikrosonic passierte: Mikrosonic optimiert ihre RD4 Groovebox zur Zusammenarbeit mit dem Novation Launchkey-Controller. Das heißt: Das Launchkey steuert die App fern, aber die App triggert auch die Pad-LEDs im Controller – Hardware und Software verschmelzen.

Das Spielgefühl an der reduzierten Tablet-App gewinnt dadurch ungemein, dass Funktionen an den Controller und damit näher an die Hände verlagert werden. Außerdem passt das ja auch so gut zusammen: Viele der neuen Musik-Apps sind ja auf Handhabbarkeit getrimmte Versionen von Musiktechnik-Klassikern, allein Pad-Matrizen und Step-Sequenzer sind schon ein tolles Pärchen, aber auch acht echte Drehregler sind besser als zwei Dutzend virtuelle Knöpfchen, die nicht auf Bierfinger reagieren. Dabei ist das Haptische gar nicht mal ausschlaggebend. An Keyboard und Pad-Matrix gibt es zwar für die Fingerspitzen mehr zu holen, tatsächlich aber wird dadurch die App noch ein bisschen unsichtbarer. Zwischen mir und der Musik steht nur mein Körper, so das Gefühl, und keine Zeichen-Übersetzungsmaschine.

Klar, dass das Zukunft hat und dass sich damit für Controller-Hersteller ein neuer Markt auftut. Kleine, transportable Keyboards und Controller sind im unterentwickelten Bereich der Tablet-Peripherie ein tolles Gadget. Wahrscheinlich werden bald noch mehr Hardware-Hersteller mit speziell angepassten Controllern und Kooperation mit App-Herstellern folgen.

Man kann dieser Entwicklung deswegen auch besorgt folgen. Denn diese Kooperation können Ausschließlichkeit bedeuten: Eine bestimmte Hardware funktioniert nur mit einer oder wenigen Softwares zusammen. Solange es keinen de-facto-Standard zur Software-Geräte-Kommunikation gibt und Hersteller ihr eigenes Core-Audio- oder USB-Süppchen kochen, könnte das zu einer höchst nervigen Spaltung des Markts zum Beispiel in Android- und iOS-Geräte enden. Bitte nicht!

Und für alle anderen, die sich den Kauf eines Launchkeys überlegen – weil günstig, variabel und hübsch: Wie das halt mit günstigen Keyboards ist, muss man Abstriche am Außen machen. Zwar hat die Klaviatur einen hübschen Anschlag und Druckpunkt (vielleicht sogar ein bisschen zu viel Widerstand), zwar sind Pitchbend und Modwheel aus einem total geil-grabbeligen Rauhplastik, dafür sind die Potis, Pads und Gummibuttons doch ein bisschen arg wabbelig. Mit dem Keyboard in der Hand will man nicht vor die Wand rennen. Auch das hübsche Design kann nur schwer über das 80er-Jahre-Spielzeugplastik hinwegtäuschen. Dafür der Preis: 100 Euro für das Mini (ideal für Tablets, mit Potis und Pads) und 115/150/170 Euro (25/49/61 Tasten, plus Fader plus Extraknöpfe) sind durchaus fair. Ich würde die Geräte nicht auf Tour mitnehmen, aber zuhause passen sie – auch weil sie recht leicht sind – gut auf den Schreibtisch oder das Sofa.

Jetzt bin ich gespannt, wie die anderen Keyboard- und Controller-Hersteller mit der Erfolgskombi Tablet und Controller umgehen werden. Und wie ein Android/iOS-übergreifender Standard für die Kommunikation zwischen Software und Hardware aussehen könnte, gerne ja auch über schnellen Funk.

Preis: RD4 Groovebox für Android/iOS 4,99 Euro
Launchkey Mini: 99 Euro / 25/49/61 Tasten: 115/149/169 Euro

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