Basslineschlittern De Luxe

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Tasten sind eine verdammt steife Angelegenheit. Der Ribboncontroller dagegen macht dich zum John Travolta am Analogsynthesizer.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 110




Das erste elektronische Instrument mit Ribboncontroller statt Tastatur wurde tatsächlich schon in den 20ern erfunden. Das “Ondes Martenot” beruht, ähnlich wie das heutzutage bekanntere Theremin, auf dem Prinzip des Schwebungssummers, dessen Sound durch Filter geändert werden kann. Die Tonhöhe wird dabei (zumindest in den frühen Versionen) stufenlos über ein Fingerbord/einen Ribboncontroller gesteuert. Persephone orientiert sich am Ondes Martenot und ist der erste Synthesizer der französischen Firma Eowave, die bisher mit den praktischen Filterbugs in Erscheinung trat.

Übersicht
Die Oberfläche des Persephone ist sehr aufgeräumt: gerade mal acht Drehregler gibt es, dazu kommen links eine Modulationswippe und gleich daneben der Ribboncontroller, der in eine Birkenholzplatte eingelassen wurde. Gespielt wird Persephone über den Ribboncontroller, mit dem man die Tonhöhe und die Lautstärke bestimmt und die Modulationswippe, die, je nach Modus, verschiedene Parameter steuert.

Klangerzeugung
Persephone ist im Prinzip ein einfacher monophoner Analogsynthesizer mit einem Oszillator, dessen Wellenform mit einem Drehregler zwischen Sägezahn und Dreieck stufenlos eingestellt werden kann. Per Tune lässt sich der Oszillator in einer großen Bandbreite stimmen, Fine Tune dient der Feinabstimmung. Schließlich gibt’s noch einen Lowpassfilter mit 6 dB Flankensteilheit und Frequenzregler sowie einen Drehregler für Modulation, der die Intensität des Filters bestimmt. Der LFO zum Erzeugen von Vibratos und Tremolos kann über ein extern anschließbares Pedal oder die Modulationswippe gesteuert werden. Die Bandbreite des Ribboncontrollers ist wahlweise 1, 2, 5 oder 10 Oktaven groß.

Spielen
Das Spielen mit einem Ribboncontroller ist ziemlich intuitiv und macht viel Spaß, denn es ist viel unmittelbarer und direkter als ein Keyboard. Persephone bietet vier verschiedene Spielmodi: Im Modus A wird (wie beim Vorbild Ondes Martenot) die Tonhöhe über die Position auf dem Ribboncontroller und die Lautstärke über die Modulationswippe gesteuert, Modus B erzeugt den Ton direkt beim Berühren des Ribboncontrollers, hier wird mit der Modulationswippe die Frequenz des Filters beeinflusst. In Modus C wird über die Wippe die LFO-Intensität geregelt, in D die LFO-Tiefe. Mit diesen vier Modi ist allein ausdrucksmäßig schon einiges möglich und so spielt sich Persephone sehr direkt und natürlich, auch wenn man sonst keinerlei Instrumente beherrscht.
Einer der wenigen Kritikpunkte: Da der Ribboncontroller unter der etwa 4 mm starken Holzplatte liegt, schubbert man bei intensiver Benutzung eigentlich dauernd an dieser entlang, was bei mir schon nach einem Tag zu leichter Hornhaut am Spielfinger führte. Gerade bei schnellem, intuitivem Spiel gerät man deshalb des öfteren eher auf die Platte als auf den Controller.

Sound
Persephone beherrscht all das, was ein guter monophoner Synthesizer können muss, und klingt dabei sehr durchsetzungsfähig. Von metertiefen Bässen mit oder ohne Knarzen bis hin zu den Schwindel erregenden Höhen einer singenden Säge ist alles drin; erst Ribbon Controller und Modulationswippe allerdings machen Persephone zum Instrument mit sehr eigenem Charakter. Möglich ist auch die Steuerung externer Instrumente über Midi und einen CV-Ausgang. Midi-seitig werden Note On/Off sowie Midi Controller von Modulationswippe, externem Pedal, Position und Druck auf dem Ribboncontroller ausgegeben, bei Bedarf lässt sich noch ein Halbtonmodus aktivieren.
Persephone ist nicht ganz billig, aber auf jeden Fall ein sehr animierendes und inspirierendes Instrument, mit dem auch ziemlich ungewöhnliche Sachen möglich sind, auf die man so vorher nicht gekommen wäre. Sehr nützlich für Basslines aller Art, aber auch Melodien, Thereminartiges und ausgefallene Effekte und Sweeps lassen sich schnell und intuitiv erzeugen. Macht Spaß!

Preis: 1025 Euro
Sound: *****
Preis/Leistung: ****
Eowave
Deutscher Vertrieb: SchneidersBuero

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