Dr. Walker über einen Mod von Tom Klein

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Dr. Walker in De:Bug 116.

Das Omnichord ist eins der merkwürdigsten, absurdesten elektronischen Instrumente, das jemals in die Massenfertigung ging. Endloser Spaß, endloser Nerv. Prädestiniert dafür, ordentlich gehackt zu werden. Dr. Walker, Kölner Legende und mittlerweile griechischer Lebemann, ist Fan und hat die Mods seines Omnichords für uns aufgeschrieben.

Geschichte

Das Suzuki Omnichord ist ein äußerst schratiges Instrument – eigentlich eher ein Bastard zwischen Spielzeug und Instrument. Es kam 1982 auf den Markt, wurde dann beständig weiterentwickelt und existiert noch heute unter dem Namen “Q-Chord” – seit einigen Jahren “sogar” mit dem Luxusfeature MIDI.

Das Omnichord wurde entwickelt für den Musikeinsteiger. Man kann selbst als absoluter Neuling innerhalb von Minuten relativ anhörbaren Sound machen – selbstverständlich auf dem Niveau einer schlechteren Heimorgel.

Trotzdem waren nicht nur Einsteiger und Freaks vom Charme der weiß-beigen Niere begeistert, sondern auch international anerkannte Künstler wie Brian Eno, Devo, Bob Dylan, Björk, usw. Ich selbst kam vor etlichen Jahren das erste Mal näher mit dem Omnichord in Helmut Zerletts Studio in Kontakt und bin seitdem besessen.

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Das Omnichord System One ist in vier Teile aufgeteilt: ganz links befindet sich die Klangsektion mit Rhythmusgenerator (zehn verschiedene Presets) und die Lautstärke-Regler für Beat, Begleitakkorde und die Solostimme. Den größten Part in der Mitte bilden die akkordeonartigen Chordknöpfe. Rechts daneben kommt das Sensorfeld, auf dem man die Solostimme tippt, schrubbt oder schrammelt. Die Stimmung der Solostimme stimmt selbstverständlich mit dem gewählten Akkord überein. Ganz rechts befindet sich der interne Lautsprecher. Das Omnichord System One kann auf Batterie laufen – zu empfehlen ist das allerdings aus Umweltgründen nicht. Den Sound kann man mit faszinierend umschreiben – und zwar faszinierend schlecht!

Der Circuit Bend

Mein langjähriger Freund, Studio- & Livepartner, Instrumentenmodder und Circuit Bender Tom Klein hat sich dieses Dilemmas angenommen und mein System One durch ein paar effektive Bends zur LoFi-Waffe gepimpt! 22 Körperkontakte, ein Tuning-R egler und Einzelausgänge für Rhythmus, Solostimme und Special Noises sind hinzugekommen. Die meisten Körperkontakte reagieren untereinander und erzeugen immer wieder neue Effekte – die Möglichkeiten erscheinen endlos und alle aufzuführen und zu erklären würde die Geduld des Lesers (und auch meine eigene) überstrapazieren.

Deswegen in Kürze hier die wichtigsten:
– “Click” Buttons, um Clicks’n’Cuts-artige Noises zu generieren
– White Noise Buttons (kurz/lang)
– Distorted Solovoice Area rechts über dem eingebauten Lautsprecher, mit der man extrem fiese FM-Synthese-artige Sounds spielen kann (meine Lieblingssektion zum Performen und Freundin nerven!)
– Sustain für die Begleitautomatik
– Sustain für die HiHats
– Transpose Button: Halbtonschritt nach oben.

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Das Circuit gebendete Omnichord spielt man nicht nur mit seinen Fingerspitzen sondern beidhändig auch mit Handflächen und Handballen. Es bietet jede Menge Möglichkeiten zu experimentieren und überrascht immer wieder aufs Neue mit den Ergebnissen, muss aber – wie jedes Instrument – erlernt werden.

Ansteckungsgefahr: Als ich kürzlich mit ein paar Freunden auf der Dachterrasse saß und ein kurzes Omnichord-Terror-Ständchen brachte, wollte plötzlich jeder (ob Musiker oder nicht) damit Krach machen und es eigentlich nicht mehr hergeben. Mein Omnichord-Abenteuer geht jedoch noch weiter: Ein anderes Modell – gebended von Luke Reddington – ist auf dem Weg zu mir und weitere Modelle schlummern den Dornröschenschlaf in meinem Keller, so ist u.a. noch ein Model 300 mit analoger Patchbay geplant.

Hier geht´s zurOmnichord Emulation.

One Response

  1. Thomas

    Hallo, im Grunde genommen sind Omnichord und Q-Chord die elektronischen Varianten der nun schon seit über hundert Jahre bekannten Autoharp. Nur sind die Akkorde nicht so schlüssig angeordnet, wie bei manch guter Autoharp: amoll gehört nicht zu ADur und G7 nicht zu GDur, sondern beide zu CDur. Dies für den Fall, dass man mit dem Instrument ernsthaft Musik machen möchte. Mein Modell (OM-27) scheint leider einen Defekt zu haben. Der Ton setzt immer wieder mal aus und beim Streichen über das Touchpad ist die Tonfolge nicht immer aufsteigend oder absteigend, wie die Bewegung der Finger sondern verdreht: z.B. statt CEGceg GECgec … Seltsame Geschichten … Ob das so gehört oder ein zusätzlicher Defekt ist, schwer zu sagen. Es gibt so wenige Vergleichs-Omnichords hier in Deutschland: Omnichord, Q-Chord und Autoharp sind in angloamerikanischen Ländern recht verbreitet, hier nur sehr wenig.