Gute Arbeit

ProTools war für lange Zeit die heilige Kuh im Broadcast- und Postproduktionsbereich. Teuer, aber gut. Ich bin sicher, dass ich mich hier wiederhole, aber im Bereich Audioschnitt gab es auf dem Mac einfach lange Zeit keine sinnvolle Alternative. Das hat sich längst geändert und Digidesign hat mit der Portierung von ProTools für Windows einerseits und den Releases von preisgünstigeren Versionen und Hardware-Bundles dem immer härter umkämpften Markt für Audioproduktion Rechnung getragen.
von Thaddeus Herrmann
Letzter Akt dieser Strategie war der Kauf von M-Audio und die dazugehörigen Bundles mit den preiswerten Audio-Interfaces. MIDI kann ProTools schon eine ganze Weile, mit der neuen Version 7 aber wurde vor allem am Nicht-Audio-Teil der Schnittsoftware gearbeitet. ProTools ist auf dem Weg zur DAW.

Neue Software
Schauen wir zunächst unter die Haube. Version 7 geht deutlich effizienter mit den zur Verfügung stehenden CPU-Ressourcen um. Rechner mit Doppel-Prozessoren, also vor allem Apples G5, können nun im ProTools deutlich flotter arbeiten. Die RTAS-Schnittstelle, ProTools natives PlugIn-Format, wurde ebenfalls komplett neu gebaut. Glaubt man den Angaben von Digidesign, können mit der Version 7 unglaubliche Performance-Zuwächse erreicht werden. Da meine letzte Erfahrung mit der Software auf einem altersschwachen G4 stattfand, kann ich das weder bestätigen noch verneinen. Auf unserem Test-G5 mit 2 x 2 GHz ließen sich auf jeden Fall problemlos “schwere” PlugIns übereinander schichten, ein Ende war kaum in Sicht.
Die Stabilität von ProTools mussten User mit einer sehr konservativen Produkt-Politik bezahlen. Nicht gerade Schnittstellen-freundlich einerseits und sehr zurückhaltend, wenn es um Treiber und neue Betriebssysteme ging. ProTools 7 öffnet sich zumindest, was die Schnittstellen angeht: Der Import von Acid- und Rex-Files ist fortan möglich, sogar per Drag&Drop – ein klares Zugeständnis in Richtung des Consumer-Marktes.
In der Midi-Abteilung ist die wichtigste Neuerung die Einführung der “Instrument Tracks”, die endlich Aufnahme und Automation von Midi-Informationen vereinen. Das hilft nicht nur dabei, das Arrange-Fenster übersichtlicher zu gestalten, sondern verkürzt auch endlich den Abstand zu handelsüblichen Sequenzern. AUX-Tracks können fortan wegfallen. Auch können nun Quantisierung und Velocity während der Wiedergabe geändert werden, genau wie Tonhöhen und das Delay. Quantisierungs-seitig wurde ebenfalls erweitert: Neue Groove-Templates sorgen für den Shuffle eurer Wahl.
Außerdem neu im Arrange-Fenster: “Region Groups”, die beliebig viele Audio- und Midi-Spuren zu einer Gruppe zusammenfassen . So behält man besser die Übersicht, gerade wenn es um kleinteiliges Audio-Geschnippel geht. Hinzukommt, dass ähnlich wie z.B. in Logic nun Tracks geloopt werden können.

Neue Hardware
Daran, dass ProTools nun plötzlich in großen Schritten zur DAW werden will … daran muss ich mich noch gewöhnen. Und ich nehme Midi auch weiterhin lieber in Logic auf. Aber die Art und Weise, wie an der integrativen Verknüpfung beider Welten, Audio und Midi, gearbeitet wird, lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken. ProTools gehört eh in jedes Studio, wenn ihr mich fragt, und die Tatsache, das durch die M-Audio-Bundles die Software immer erschwinglicher wird, macht ein gutes Gefühl. Mit der MBox 2 legt Digidesign auch noch “intern” eine extrem attraktive Lösung vor.
Die MBox war das günstigste Audio-Interface von Digidesign ever und auf die Generation der mobilen Laptopper gemünzt. Daran hat sich bei der Neuauflage des Interfaces nichts geändert. Der Host wird immer noch mit USB 1.1 angesteuert. Unverständlich. Dafür wurden die Vorverstärker erneuert und eine Midi-Schnittstelle hinzugefügt. Sample-seitig ist wiederum bei 24 Bit Schluss, was schade ist, denn die Mikrovorverstärker machen einen sehr guten Eindruck. Es sei denn, man betreibt die MBox 2 an einem G5: Das Netzteil von Apples Doppelprozessor-Panzer versteht sich nicht mit dem blauen Interface, was in einem hochfrequenten Fiepen auf allen Audio-Wegen resultiert. Digidesign hat dieses Problem bestätigt, eine Lösung ist nicht in Sicht. Trotz Fiepen auf dem Testsystem klingt die MBox 2 herovrragend, das steht außer Frage. Interessant an diesem neuen Interface ist aber vor allem die Tatsache, dass ProTools hier mit 37 PlugIns gebundelt wird, das optionale Factory-Paket legt nochmal weitere dazu. Kaufte man früher ProTools, war das System so gut wie leer. Und PlugIns extrem teuer. Auch hier wird eindeutig auf den Massenmarkt geschielt, was aber eine durch und durch gute Entscheidung ist.

Fazit
ProTools 7 macht seine Arbeit gut. Die Audio-Engine ist nach wie vor rock solid und die Schritte in Richtung DAW weisen in die richtige Richtung. Egal ob mit Hardware von M-Audio oder der neuen MBox 2 oder der sich schon länger auf dem Markt befindenden Digi002 … hier wird – für zugegebenermaßen viel Geld – viel geboten.

Preise:
Das Update auf Version 7 kostet ca. 75 USD
Die MBox 2 kostet ca. 450 €, mit Bomb Factory ca. 550 €

Digidesign

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