Noch vor einem halben Jahr wurden die ersten Gerüchte über eine neue Reaktorversion im User Forum von Native Instruments Mitarbeitern routiniert als völlig aus der Luft gegriffen bezeichnet, nun ist Reaktor 5 erschienen: eine komplett neue Strukturebene, ein anderes Erscheinungsbild, ein paar neue Instrumente in der Library. Was Reaktor 5 sonst noch zu bieten hat? Weiterlesen …
von Benjamin Weiss aka Nerk

Neue Instrumente
Natürlich kommt so ein Update vor dem Komma nicht ohne ein paar neue Instrumente aus und so wurde die sowieso schon recht opulente Library von Reaktor 4 um 23 neue Ensembles aufgestockt, wobei einige von ihnen neu programmierte Versionen altbekannter Ensembles wie Newscool, Carbon, Oki-Computer und Sinebeat sind. Von den neuen haben mir die Grooveboxen Vectory (granularer Sampleschredder mit diversen ausgefuchsten Sequenz- und Morph – Features) die Loopschleuder Splitter (die das Sequenzen von Loopslices per Stepsequenzer erlaubt und einige lustige Modulationen bietet) sowie der Soundgenerator Skrewell und der Synthesizer Subharmonic mit seinen cheesigen Glockensounds am besten gefallen. Auch die mitgelieferten Sequenzer sind erweitert worden und so hat unter anderem endlich ein Pianorollensequenzer den Weg in die Library geschafft.

Neuer Look
Geradezu geschniegelt wirken die Oberflächen der neuen Ensembles im Vergleich zum früheren Einheits – Uni / graugrün. Grund dafür sind unter anderem die neuen “Skins” mit denen sich jetzt nicht nur Hintergründe sondern auch alle Panelelemente wie Fader, Buttons Anzeigen und Tasten mit eigener Grafik versehen lassen, was in Echtzeit editierbar ist. Insgesamt scheint die Oberfläche vom neuen Reaktor “geglättet” und ein wenig an die Optik von Kontakt und Battery angepasst. Die Instrumenten Panels sind verschwunden und werden jetzt im Ensemblefenster angezeigt, was in Verbindung mit der neuen Panelleiste, die den schnellen Zugriff auf alle Ebenen erlaubt Ordnung schafft und die Übersicht verbessert.

Core Technologie
Mit der Core Technologie wurde eine neue Ebene für Entwickler eingeführt, die sich von der nun “Primary Level” genannten alten Modulstruktur unterscheidet. Vergleichbar mit einem neuen Betriebssystem das bedingt mit dem alten kompatibel ist soll sie nach und nach ausgebaut werden und die alte Modulstruktur ersetzen. Grundsätzlich arbeitet Reaktor 5 schon mit der Core Technologie, deswegen gibts den zuschaltbaren
sogenannten “Reaktor 4 Legacy Mode” um die Funktionsweise der alten Version zu emulieren und deren Ensembles nutzen zu können.
Klingt erstmal nach Flaschenhals in dem sich performanceseitig einiges aufschaukeln könnte, die Praxis zeigt aber, dass dem erstaunlicherweise nicht so ist: so laufen auch Ensembles aus der mitgelieferten Reaktor 4 Library mit etwa 5 % weniger Prozessorbelastung unter Reaktor 5 als unter Reaktor 4.
Der Vorteil der neuen Core Technologie besteht darin, dass man mit ihr erstmals auch eigene Module (die Bausteine der untersten Ebene) wie eigene Oszillatoren, Filter und sonstiges konstruieren kann, ohne auf die vorhandene Modulbibliothek zurückgreifen zu müssen, was von vielen Usern bisher als Einschränkung empfunden wurde. Ein entsprechender integrierter Runtime – Compiler sorgt dabei dafür, dass man die selbst erzeugten Core Module sofort testen kann. Außerdem wird mit Reaktor 5 gleich ein Schwung von 40 neuen Core Modulen mitgeliefert, wobei die Core Bibliothek mit jedem neuen Update erweitert werden soll. Der Nachteil der neuen Core Technologie: Reaktor 4 kann mit Reaktor 5 erstellte Ensembles und Instrumente auf Corebasis nicht mehr öffnen, was allerdings beim Update von Version 3 auf 4 auch schon so war. Um den Umstieg komfortabel zu gestalten gibts eine Batchfunktion, die ganze Reaktor 3 – Libraries in einem Rutsch auf das neue Format bringen kann, vorausgesetzt der Dongle ist vorhanden.

Bastelhilfen
Neben dem Umkrempeln auf die neue Core Technologie gibts weitere Verbesserungen für Bastler. Wartungsarbeiten wie eine überarbeitete Macro Library ebenso wie die neuen Macrostacks, die es erlauben, gewisse Funktionen auf Unterebenen zu legen um so die Übersichtlichkeit zu erhöhen. Aber auch ganz grundlegende Dinge wie neue Module für die Verarbeitung von Midi Messages und die Synchronisation zwischen Instruments, ein verbessertes Eventrouting und die Möglichkeit, ausgewählte Structures per Bookmark zu markieren, um direkt zu ihnen zu gelangen erleichtern das Basteln. Dazu gehört auch die langgeforderte Prelistening Funktion für Samples aus dem Browser und dem Sample Map Editor, und die Werkzeugleisten die neu (und logischer) aufgeteilt wurden.

Performance, Bedienung und Sound
Noch nie lief eine Reaktor Version ohne Punkt hinter der Versionszahl so rund wie Reaktor 5 (man denke nur an die schier unendlichen Probleme auf der Macplattform unter den ersten Updates von Reaktor 4). Auch User Ensembles, die bei mir trotz logischer Konstruktion in der Struktur die Midiclock falsch interpretierten, laufen auf einmal problemlos mit. Sogar die Performance wurde verbessert, obwohl ich zunächst angesichts der im Vergleich zu Reaktor 4 hochgestuften (aber wohl dann doch nur der Realität angepassten) Systemvorraussetzungen das Gegenteil befürchtet habe.
An der Soundengine
Insgesamt ist Reaktor 5 für alle User, seien sie nun ambitionierte Instrumentenbastler oder Presetrocker, ein lohnendes Update, was nicht nur mehr Funktionalität, sondern auch Produktpflege im besten Sinne (verbesserte Performance, Entschlackung der Oberfläche und der Strukturebenen) bringt.

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Info: http://www.nativeinstruments.deSystemvorraussetzungen:
Mac: OS X ab 10.2.6, G4 1 GHz, 512 MB RAM
PC: Windows XP, Pentium 3 1 GHz, 512 MB RAM
Preis:
Vollversion: 499,- Euro
Update von Reaktor 3 oder 4: 149,- Euro

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