Reason galt in den vergangenen Jahren als heiliger Gral der Software-Programmierung. Das All-in-one-Studio von Properllerheads aus Schweden hat eine eingeschworene Fangemeinde. Jetzt kommt Version 3.
von Fabian Dietrich

Das Schönste an Reason war für mich immer, wie unbeirrbar dem Konzept, eine idealisierte Studiowirklichkeit in Grafik und Funktion zu simulieren, gefolgt wird. Auch wenn die Rackleisten mit noch so vielen Instrumenten, Effekten und dergleichen vollgestopft werden – alles ist in Ordnung. Ein System gleich welcher Art, so sagt der Systemtheoretiker, reduziert nicht nur die Komplexität der Welt, sondern lenkt die Dinge in geregelte Bahnen. Um sie verständlich, beherrschbar oder im Falle Reasons: bedienbar zu machen. Als einzige Hommage an das bezwungene Chaos der wirklichen Welt verbleiben in Reason-Land die Kabel, die einem beim Drücken der Tab-Taste so niedlich entgegenschwingen. Nach vier Jahren ist Reason, ehemaliger Quantensprung und jetziger Status Quo, bei Version 3 angelangt. Ein Anlass zur Bestandsaufnahme der wichtigsten Neuerungen.

Aus den bisherigen Updates ließ sich bereits herauslesen, dass Propellerhead einem angenehmen Konservatismus bei der Weiterentwicklung ihres Lieblingskindes fröhnen (erinnert sich eigentlich noch jemand an Recycle oder Rebirth?). Auch bei Version 3 hat man sich stark zurückgehalten, was Eingriffe in Programmfunktionen (neuer File Browser, verbesserte Midi-Controller-Einbindung) und die grafische Oberfläche angeht (nur die Sequenzer-Leiste ist ein bisschen aqua-mäßig aufgemotzt). Das macht einmal natürlich aus Benutzersicht Sinn, darüber hinaus fügt sich diese Strategie der Beständigkeit, aber auch nahtlos ins geniale Gesamtkonzept der Emulation: wie in echt wird vor allem hinzugefügt. Will ich mein Studio ausbauen, schaffe ich mir neues Equipment an (die Abwärtskompatibilität von Reason verbietet glücklicherweise ein Verkaufen ungeliebter Teile). Nach einem neuen Synthesizer, einem Sampler und Effekten in Version 2 haben die Schweden nun in anderen Ecken des Studios gelötet und geschraubt, heraus kamen eine komplette Mastering-Sektion und der Combinator: ein Tool, dem ich den Spitznamen “Tor zur Komplexität” geben möchte.

Der Combinator
Auf den ersten Blick ist diese neue Maschine nur eine effektive Möglichkeit, sein Setup aufzuräumen. Combinator kann Verbindungen und Kombinationen von Effekten und/oder Instrumenten als Patches zusammenfassen. Das heißt, die originale Zusammenstellung wird nur noch im Combinator geladen und kann dann wie jedes andere Instrument gespielt werden. Interessant wird dieses neue Tool allerdings besonders für diejenigen sein, die auch mal gerne mit den Kabeln herumspielen, denn durch das In-Reihe-Schalten entstehen unendliche Möglichkeiten für neue Effekte und Instrumente. Einziger Nachteil des Combinator im Test mit meiner iBook-G3-Kröte: Er verbraucht natürlich auch die Kapazität der verschalteten Geräte.

M-Class Mastering
Hier wurde endlich eine dicke Schwachstelle von Reason erkannt und ausgebessert: Mastern war bisher eigentlich nicht möglich. Version 3 legt nun in Sachen Klangregelung, Lautstärke und Druck um Welten zu. Wir dürfen begrüßen: einen Equalizer mit zwei Kuhschwanz- und zwei vollparametrischen Filtern, einen Stereo-Imager für das Stereobild, einen neuen Kompressor und einen Loudness-Maximizer/Limiter, auf Wunsch alles in ein praktisches Kombi-Tool (Mastering Suite) gepackt. Und die Neuen müssen sich nicht verstecken, klanglich holen sie wirklich einiges aus dem Sound raus und verbrauchen dazu nicht mal allzuviel Speicher.

Fazit
Freund Reason ist an den richtigen Stellen weiterentwickelt worden. Der Combinator sorgt dafür, dass Reaktor-Aspiranten den Spaß an der Sache nicht verlieren und die Master-Sektion peppt den Sound ordentlich auf. Wer mir nicht glaubt, sollte mal in das aktuelle Album von Andreas Tilliander (World Industries) reinhören, bzw. sich den Track Marychain als Reason Song (bei beim Kauf beiliegend) zu Gemüte führen, um ein Gespür für die Möglichkeiten und Ergebnisse zu bekommen.Version 3 ist ein wirklich gelungenes Update, das einzige, was ich mir in der Zukunft noch wünschen würde, ist eine Reform des Sequenzers mit besserer und vor allem direkter Einbindung von Audiofiles, um das ganze System auch jenseits von ReWire noch stärker zu öffnen.

Systemvorrausetzungen:
Mac: G3, OS X 10.2
PC: PIII, 300 MHz

Update: 99 EUR
Vollversion: 450 EUR
Propellerheads

5 Responses

  1. Barret

    Hey all. I just recently got into making music and my friend showed me Reason. Trouble is, it’s a bit much and I’m not sure what all everything does. Is there a tutorial on basic use or anything? My friend is showing me some stuff, but he says it’s best for me to explore on my own.

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  2. Dubcode

    Reason ist Geil! Ich arbeite mittlerweile seit 6 Jahren mit Reason und bin mit der 3er Version glücklich und zufrieden.

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  3. kayhan studio

    ne frage hat reason auch die tabla als drum ????? ist otal wichtig wenn mir jemand weiterhelfen würde ;) thanks

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  4. kilacuno

    hallo liebe freunde der musikproduktion ,ich arbeite seit ca. 2 jahren mit reason hab aber bis jetzt nur frummse gemacht! ich wollt gern mal wissen ob hier jemand n paar tipps oder vieleicht bock hatt ein Projekt zu starten?schreibt mir ne mail ! übrigens bin ich aus dem Burgenlandkreis_sachsen anhalt!

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