Lange hat es gedauert, bis auch Roland mal wieder eine Groovebox auf den Markt bringt, die mit ein paar neuen Features aufwarten kann: Die MC 808 ist die erste, die Motorfader besitzt und auch für unter 1000 Euro bis zu 516 MB RAM haben kann.

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Lange hat es gedauert, bis auch Roland mal wieder eine Groovebox auf den Markt bringt, die mit ein paar neuen Features aufwarten kann: Die MC 808 ist die erste, die Motorfader besitzt und auch für unter 1000 Euro bis zu 516 MB RAM haben kann.

von Benjamin Weiss aka Nerk

Übersicht
Die MC 808 ist in etwa genauso groß wie eine 909, wiegt dabei aber deutlich weniger als die kleine MPC 1000. Die Oberfläche ist aufgeräumt und bietet trotz des nur zweizeiligen Displays immer eine gute Übersicht, da die meisten Bedienelemente ihren Status auch durch Leuchten zeigen. Insgesamt sind sechzehn Spuren gleichzeitig benutzbar, wobei sich frei definieren lässt, ob eine Spur ein Drumkit, Sounds aus dem internen Synthmodul oder auch Samples abspielt. Die Spuren lassen sich über 16 kombinierte Mute/Select Buttons steuern, darunter gibt’s noch mal 16 Step-Pads, die sowohl der Lauflichtprogrammierung als auch als Keyboard dienen. Die Parameter wie Lautstärke, Panning sowie diverse Synthese- und Effektparameter lassen sich über die acht Motorfader steuern. An Anschlüssen bietet die MC 808 Midi In und Out, einen Stereoeingang sowie einen Stereoausgang, zwei Einzelausgänge, Kopfhörerausgang (leider hinten) und USB. Gespeichert werden können Sequenzen und Samples auf handelsüblichen CompactFlash Karten. Als ein weiteres Performance- Element steht der D-Beam Controller zur Verfügung, der das Steuern der Filter, einen Turntable-Effekt oder auch das Spielen von Synthsounds erlaubt. Pech hat man allerdings, wenn die Beleuchtung zu stark oder zu schwach ist, was ja bei Livesituationen des öfteren vorkommt, denn dann funktioniert der D-Beam Controller nicht oder nur ungenau.

Sequenzer
Mit über 1,3 Millionen möglichen Noten und bis zu 800 Patterns im User-Speicher und nochmal 800 Patterns auf der Karte bietet der Sequenzer deutlich mehr Platz, als man im Allgemeinen braucht. Zusätzlich zu den diversen Step- und Realtime-Recording Features im Patternmodus kann man auch bis zu 50 Songs erzeugen. Als Spielhilfen gibt es einen Arpeggiator, Chord Memory, Pattern Call und Rolands RPS. Der Arpeggiator ist ziemlich ausufernd und kann auf alle Spuren angewendet werden. 128 Presets und weitere selbst programmierbare Arpeggios können genutzt werden, was auch für oft benutzte Drumsequenzen praktisch ist. Die Chord-Memory-Funktion merkt sich Akkorde, die dann zum Beispiel in Verbindung mit dem Arpeggiator über ein Pad abgespielt werden können. Und schließlich sind da noch die Roland-typischen RPS-Phrasen (vor- oder selbst programmierte Sequenzen, die sich über die 16 Pads abrufen lassen und wahlweise synchron oder freilaufend zum Sequenzer abgespielt werden können). Fast alle Parameter können bei laufendem Sequenzer editiert werden. Nicht verstehen kann ich allerdings die Tatsache, dass man den Sequenzer immer anhalten und dann neu starten muss, sobald man etwas aufnehmen möchte, denn das ist eine grundlegende Funktion, die wirklich oft gebraucht wird.

Sampling
Ein wichtiges Merkmal der MC 808 ist ihr theoretisch sehr großer Arbeitsspeicher von bis zu 516 MB RAM (entspricht etwa 100 Minuten in Mono). Ausgeliefert wird sie jedoch mit mageren 4 MB, die aber relativ günstig mit handelsüblichen DIMMs erweitert werden können. Gesampelt werden kann der Audioeingang, aber auch eine Mischung aus den internen Sounds mit dem Eingang oder interne Sounds. Das Sampling an sich mit einem zweizeiligen Display zu erledigen, ist natürlich nicht wirklich zu empfehlen, aber fürs Editing gibt es einen komfortablen Softwareeditor. Auch das automatische Looptime-Stretching, bei der Konkurrenz oft vernachlässigtes und schlecht implementiertes Feature, ist hier mit Auto Sync ebenso einfach wie effizient gelöst: Einfach Loopspur auswählen, Auto Sync drücken und schon läuft der Loop in der aktuellen Geschwindigkeit. Unterstützt werden AIFF und WAV in 16 Bit.

Effekte und Einbindung externer Sounds
Der Effektblock der MC 808 besteht aus Kompressor, Multieffekt 1 und 2 sowie Reverb und Mastering (ein dreibandiger Kompressor). Die Multieffekte bieten eine Auswahl von 47 Effekttypen (von 9 Filtern über diverse Delaytypen, Eqs,Chorus und Modulation usw.), von denen bis zu vier Parameter über die Motorfader gesteuert werden. Externe Sounds können durchgeschleift und auf den Output geroutet werden, aber auch zusätzlich mit einem der Multieffekte, Kompressor und Reverb versehen werden. Praktisch ist auch die Möglichkeit, einen externen Sound über die Pads spielen zu können, wobei Akkorde allerdings nicht möglich sind. Die Effekte klingen ordentlich, Wunder darf man aber nicht erwarten.

Automatisieren
Nicht umsonst gibt es die acht Motorfader: Mit ihnen kann man schnell und intuitiv Parameter ändern, Mixautomationen erstellen und Verläufe erzeugen. Ein bisschen irritierend ist am Anfang das pausenlose Geschiebe und Geklapper, mit dem die Motorfader auf sich aufmerksam machen, da sie jede Automation erst mal physikalisch nachempfinden. Wenn man sie kurz im Play-Modus berührt, bewegen sie sich jedoch nicht mehr und man kann sie auch abschalten. Die Motorfader mögen auf den ersten Blick nach Spielerei aussehen, beim Editieren und dem Schreiben von Sequenzen lernt man aber schnell, dass sie nicht nur sehr effizient sind, sondern auch Spaß machen.

Software Editor
Der USB-Anschluss dient nicht nur dazu, Samples aus dem Rechner in die MC 808 zu transferieren, denn man kann die MC 808 auch mit ihm direkt editieren. Die eigentlichen Sequenzen bleiben dabei zwar außen vor (warum eigentlich?), es sind jedoch sämtliche Routings, Effekteinstellungen, LFOs, Soundparameter und Sounds editierbar, darüber hinaus gib’ts einen praktischen Sample Editor, der eigentlich alles bietet, was man so braucht.
Die direkte Anbindung an den Rechner ist nicht nur beim Sample-Editieren sehr praktisch und zeitsparend.

Performance, Bedienung und Sound
Die Bedienung geht eigentlich auch ohne Editor recht flüssig von der Hand, sobald man sich mit den Roland-Groovebox-eigenen Begriffen vertraut gemacht hat. Was die generelle Qualität der Sounds angeht, muss man bei Grooveboxen auch der anderen Hersteller immer Abstriche machen, aber schließlich sind das ja auch keine Synthesizer. Die Auswahl der integrierten Sounds umfasst eine Bandbreite, wie man sie von den XV Racks kennt.
Was man Roland allerdings schon ein bisschen zum Vorwurf machen kann, ist die Qualität, mit der Samples abgespielt werden: So klingt die MC 808 doch ein wenig dünner als die Konkurrenz Akai MPC 1000. Negativ aufgefallen ist mir ansonsten das Midi-Timing, das immer ein bisschen am Schwimmen war, egal ob als Master oder als Slave. Spaß gemacht hat dagegen das Editieren und Automatisieren der Motorfader; da kommt man durchaus auf Ideen, die man sonst vielleicht eher nicht gehabt hätte, und auch das automatische Echtzeit-Timestretching per Auto Sync funktioniert gut. Sehr praktisch ist auch der Software-Editor, einzig eine Page zum Editieren der Noten einer Sequenz würde ich mir noch wünschen. Im direkten Vergleich mit der MPC 1000 hat die MC 808 klare Vorteile bei Features wie automatisches Timestretching, maximal möglicher Speicher (516 MB), Software-Editor und in der intuitiveren Bedienbarkeit. Beim Grundsound und der Größe dagegen hat die MPC die Nase vorn. Wer also eine neue Groovebox haben will, sollte sich beide Kandidaten gut ansehen und ausprobieren.

Roland
Preis: ca. 999,- Euro
Preis/Leistung: ****
Performance: *****
Sound: ***-****

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