Neue Grooveworkstation von Roland auf der Spur der MPC 4000

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Nach dem MV 8000 von 2003 hat Roland jetzt sein neues Flaggschiff der Grooveworkstation-Reihe vorgestellt. Anders als Akai mit seiner MPC-Serie hat Roland mit den MVs immer versucht, die Vorteile von DAW-gestütztem linearem Sequencing und die Direktheit eines Pattern-orientierten Ansatzes à la MPC zu verknüpfen.

von Nerk aka Benjamin Weiss aus De:Bug 113

Übersicht
Das Roland MV 8800 ist eine Grooveworkstation mit 16 Drumpads, acht Schiebereglern, grafikfähigem Monitor und umfangreicher Ausstattung. Kam das Vorgängermodell noch mit optionaler VGA-Karte und ohne Maus, so sind diese beide jetzt im Lieferumfang enthalten, außerdem ist der Monitor nun in Farbe, was das Editieren im Songmodus erleichtert. Zum Speichern dienen eine eingebaute 40- Gigabyte-Festplatte sowie ein integrierter CD-Brenner. Intern rechnet das MV 8800 mit 24 Bit, nutzt ansonsten aber 16 Bit mit 44,1 kHz. Wer sich mit MPCs auskennt, wird sich auch auf dem MV 8800 schnell zurechtfinden: Neben den typischen Pads gibt es Buttons für Roll (= Note Repeat), Fixed Velocity (= Full Level) und Multilevel (= 16 Levels).

Sampler
Die Samplersektion kommt neben den Standardfunktionen mit Beatslicing und den Audio Phrases, die praktischerweise automatisches Timestretching in guter Qualität beherrschen, ein Feature, das ich mir bei den MPCs schon lange gewünscht hatte und das bisher (meines Wissens) unter den Groovesamplern nur der Yamaha SU-700 beherrscht hat, den es schon seit ein paar Jahren nicht mehr gibt.

Effekte und Sounds
Im Gegensatz zur MPC-Familie besitzt das MV 8800 auch eine umfangreiche Sammlung an Mastering- und Send-Effekten. Letztere sind vor allem Emulationen bekannter Roland-Klassiker: mit dabei unter anderem eine recht gute Emulation des Roland RE 201 Space Echo, das Dimension D, diverse SRV-Varianten und Bodentreter von Boss. Die Send-Effekte lassen sich über die drei MFX-Regler bedienen, deren Bewegungen man auch aufzeichnen kann; bis zu drei Effekte sind gleichzeitig nutzbar. Auch eine Masteringfunktion biete das Gerät: Zur Verfügung stehen unter anderem ein Mastering-EQ, ein Multiband-Kompressor und ein Limiter.
Schließlich gibt es in der Effekt-Sektion noch einen kleinen integrierten Synthesizer, der recht gut und bassig klingt. Mitgeliefert und auf der internen Platte vorinstalliert ist eine Auswahl der besten Roland-Drumcomputer, die allesamt mit Liebe zum Detail gesampelt wurden: Unter anderem sind dies TR-909, TR-808, R8, TR-505, TR-707 und TR-626. Dazu gibt es noch eine kleine Auswahl an Standards wie E-Pianos, Strings und diverse Synthsounds.

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Sequenzer
Der Sequenzer lässt sich komfortabel über den Bildschirm bedienen: Wahlweise kann man im Songmodus mit linearem Editing à la Cubase und Logic arbeiten (hier gibt es auch einen Pianorolleneditor) oder im Patternmodus schnell mal ein paar Beats zusammenstellen. Pro Song können 128 Miditracks und acht Audiotracks benutzt werden, pro Pattern immer noch ein Audiotrack und 64 Miditracks, was für die meisten Einsatzgebiete ausreicht. Mehr Gimmick als Feature ist die Pix-Jam-Funktion: Mit ihr lassen sich geladene JPEGs oder BMPs mit den Pads triggern, was bei Bedarf auch synchron zur Musik geschieht.

Import & Export
Das MV 8800 kann folgende Fileformate laden/importieren: WAV, Aiff, ACID, Audio CD, S-700, Akai MPC 2000 PGM und SND, Akai S-1000/3000, Standard Midi Files 1 und 0 sowie die Files des Vorgängers MV 8000. Vor allem mit dem Akai-1000-Format ist der größte Teil aller vorhandenen Samplebibliotheken mit dabei, ein wenig antiquiert scheint mir dagegen das MPC-2000-Format. Sämtliche Daten können über USB auf dem Rechner endgelagert werden, CDs brennt der MV 8800 ausschließlich im Audio-Format.

Performance, Bedienung und Sound
Die Performance ist gut, kein noch so absurder Versuch meinerseits führte zu einem Absturz. Auch das Midi-Timing, was beispielsweise bei der letzten von mir getesteten Roland-Maschine MC 808 eher grausam war, ist hier schön tight, ohne zu wackeln. Die Bedienung erschließt sich all denen, die schon mal mit einer DAW und/oder einer MPC gearbeitet haben, nach kurzer Einarbeitung schnell. Dabei hilft der Bildschirm und die Maus (schon beigelegt) vor allem im Song Modus enorm, denn die Übersicht geht nie verloren.

Fazit
Das Einzige, was ich wirklich zu meckern habe, ist die Qualität des eingebauten Farbbildschirms (der zieht immer nach, könnte allerdings eventuell auch an meinem Testexemplar gelegen haben) und die der wackeligen schwarzen Drehpotentiometer. Ansonsten präsentiert sich das MV 8800 als ausgereifte Grooveworkstation mit tightem Timing, druckvollem Sound und praktischen Features wie dem linearen Sequencer. Den Arbeitsspeicher sollte Roland allerdings von den mickrigen 128 MB auf die maximal möglichen 512 aufstocken, das wäre für den Preis schon drin. Live ist das MV 8800 prima einsetzbar, aber auch im Studio kann man zügig und bequem damit arbeiten.

Preis: 1999,- Euro
Roland

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2 Responses

  1. david

    moin!

    ich selbst habe auch eine mv 8800 und bin sehr zu frieden! es gibt da nur eine tadel gegenüber der mpc 4000/5000 und zwar die klang qualität der filter. nein, es liegt nicht ander anzahl, sondern an der ausdruckckstärke bzw. der wärme dessen. hier sollte roland mit den nachfolger anknüpfen! denn dann ist sie, meiner meinung, TOP! auch etwas vermisst habe ich eine pitchenvelope. vom grundklang klingt die mpc 4000/5000, leider, “analoger”.
    vom funktionsumfang ist die mv aber der konkurenz haushoch überlegen!

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