Mit Soundtrack Pro spendiert Apple der Videoschnitt-Software “Final Cut Pro” einen professionellen Audio-Editor und macht damit nicht nur die Filmindustrie glücklich.
von Thaddeus Herrmann

ProTools ist nach wie vor das Audioschnitt-Programm, auf das sich das Gros der Studios verlässt: präzise, intuitiv und in der Fülle der Funktionen radikal übersichtlich. Kostengünstige Alternativen (ProTools läuft nur mit spezieller Hardware und kostet mindestens 400 Euro) für den Mac sind so gut wie nicht existent. Soundtrack Pro richtet sich eindeutig vornehmlich an Final Cut User, die Tatsache, dass das Programm aber auch einzeln verkauft wird, zeigt, dass man in Cupertino weiß, dass man mit einem Audio-Editor auch außerhalb des Video- und Filmmarkts einen Schnitt machen kann, nicht zuletzt, weil der Editor im hauseigenen Logic Pro immer noch rudimentär ist und Musikern die Schweißperlen auf die Stirn treibt.

Multitrack deinen Film
Die Integration von Soundtrack Pro und Final Cut ist beeindruckend. Projekte (Audio und Video) können zwischen beiden Programmen hin- und hergeschoben werden. Edits aus Soundtrack Pro werden von Final Cut sofort erkannt und übernommen. Ein riesiges Paket an Soundeffekten und Apple-Loops macht es dem Videoeditor darüber hinaus sehr einfach, bestimmte Szenen im Film schnell und angemessen zu vertonen. Auch Musiker werden über die mitgelieferten Sounds glücklich sein, lassen sie sich doch in jeder Hinsicht manipulieren und als Ausgangsbasis für eigene Klänge verwenden. Selbstverständlich kann man in Soundtrack Pro auch direkt aufnehmen und Files importieren. Lediglich Multitrack-Aufnahmen sind nicht möglich. Für den reinen Audio-User empfiehlt sich die Aufnahme im Wellenform-Editor, für den Video-User kann die Aufnahmefunktion im Multitracker sehr hilfreich sein, können hier doch bereits vor der Aufnahme verschiedene Cue-Punkte definiert werden für unterschiedliche Files.
Dann geht es an die Bearbeitung. Spuren können verschoben oder verkürzt werden, eben so, wie man sie gerade braucht. Sämtliche Kürzungen sind nicht destruktiv. Die einzelnen Stereospuren können dann mit Effekten belegt werden, die allesamt aus Logic Pro stammen. Selbst der Flagship-Hall “Space Designer” wird mit Soundtrack Pro ausgeliefert. Darüber hinaus ist das Programm mit Audio Units von Drittanbietern kompatibel. Wie in jedem handelsüblichen Audioprogramm können die Parameter der PlugIns komplett automatisiert werden. Dies ist ebenso komfortabel wie in Logic, sprich: Lokator-Punkte der Hüllkurve können kopiert und verschoben werden. Allein das macht Soundtrack Pro schon zu einer kleinen, kompakten DAW, der lediglich die MIDI-Implementation fehlt. Ein paar Nachbesserungen würde ich mir aber dennoch wünschen, zum Beispiel beim Bouncen: Der Export des fertigen Audio-Mixes erfolgt grundsätzlich offline, also mit vielfacher Geschwindigkeit. Das mittlerweile vorliegende kostenlose Update 1.01. behebt zum Glück Artefakte, die bei diesen Bounces in der Urversion noch entstanden. Jetzt läuft alles rund.

Editier das File
Der Wellenform-Editor ist genau, was ich mir als Mensch ohne ProTools immer für den Mac gewünscht habe. Audio rein, schneiden, Audio raus. Dabei stehen die Standardwerkzeuge eines jeden Editors zur Verfügung, editiert werden kann bis auf die Sample-Ebene. Fein ist die integrierte Timestretch Engine, die sehr akzeptabel dehnt und staucht und selbst die Algorithmen, die die Files nach Brummen, Klicken, Phasendrehern, Übersteuerungen oder einem DC-Offset durchsuchen, arbeiten gut und entfernen auf Wunsch störende Nebengeräusche aus Soundfiles. Irritierend ist die Arbeitsweise des Editors insofern, als dass sich in einem Edit-Fenster nicht mehrere Soundfiles hintereinander arrangieren lassen, jedes Files braucht sein eigenes Fenster … sei’s drum. Auch im Wellenform-Editor stehen alle PlugIns zur Verfügung mit kompletter Automation.

Fazit
Soundtrack Pro lässt in Sachen Audiobearbeitung eigentliche keine Wünsche offen. Hat man sich einmal eingearbeitet, gehen sowohl Edits als auch Arrangements schnell und problemlos von der Hand, die Audioqualität lässt nichts zu wünschen übrig. Der Preis von 299 Euro für die Standalone-Version ist angesichts der mitgelieferten Apple-Loops und Logic-Effekte mehr als angemessen, die Integration in das FInal-Cut-pro-Paket mit Final Cut, Motion, DVD Studio Pro und Compressor ist einzigartig. Ich als nicht Video-Mensch würde mir lediglich noch die Integration mit Logic Pro wünschen, dann wäre Soundtrack Pro noch perfekter, als es jetzt schon ist.

Preis: 299 €
System: G4/G5, 867 MHz, 512 MB Ram, OS X 10.3.9
Soundtrack Pro

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