Analoge Summierer bringen Wärme in den Rechner-Sound

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Analoge Kraft in der digitalen Welt, Teil 1. Ist der Sound vom Rechner zu kalt, bringen die analogen Summierer die Wärme zurück. Zum Beispiel: SPL.

von Benjamin Weiss aka nerk aus De:Bug 111

SPL Mixdream und Mixdream XP
In den letzten Jahren hat die rein Rechner-orientierte Arbeitsweise und dadurch zuweilen pixelige Soundästhetik bei vielen das Bedürfnis nach “analogem” Sound geweckt, so verschieden auch die Vorstellungen davon sind, was das eigentlich sein soll. Zweifellos hatten aber die klassischen riesigen Analogkonsolen aus den großen Studios der Vergangenheit einen guten Sound, und so haben sich in den letzten Jahren einige Hersteller daran gemacht, bewährte und aufwendige Schaltungen zur Verbesserung des DAW-Outputs zu nutzen.

Warum eigentlich “Analog Summieren”?
Der Begriff meint nichts anderes, als einen Mix aus der DAW mit mehreren Einzelausgängen in einen analogen Summierer zu schicken, der diese dann (wie ein einfaches, aber gut klingendes Mischpult) zu einem Stereomix zusammenführt. Die Idee dahinter ist, dass es in einer DAW immer zu Rundungsfehlern in der Audioberechnung kommt, die es so in der analogen Welt nicht gibt. Je kleiner dabei die Auflösung des berechneten Audiofiles, umso größer diese Fehler, die sich in einem flacheren, glasigeren und weniger transparenten Klangbild äußern. In einem analogen Summierer sollen durch die Verwendung hochwertiger Schaltungstechnik vor der letzten Wandlung diese Fehler minimiert werden. SPL bietet mit dem Mixdream XP und dem Mixdream gleich zwei dieser Analogsummierer an.

Mixdream XP
Der Mixdream XP ist die kleinere Variante des Mixdream. Im Unterschied zum großen Bruder hat der XP hier “nur” 16 Kanäle, die zu einem Stereopaar summiert werden, ohne Insertpunkte, Stereoverbreiterung oder Peak Limiter, das Ganze verpackt in eine Höheneinheit. Die Eingänge werden, jeweils zu acht, zusammen über einen Sub-D-Stecker beschickt. Dabei sind die Kanäle 1 & 2, 3 & 4, 5 & 6, 7&8 als Stereopaare hart links und rechts gepannt, auf der Vorderseite kann man sie per Schalter aber auch paarweise mono schalten. Über zwei symmetrische XLR-Masterausgänge lassen sich Monitore anschließen, über das XLR-Input lassen sich mehrere Geräte kaskadieren. Ansonsten ist da nur noch der Drehregler für die Gesamtlautstärke, den man bei Bedarf deaktivieren kann, um genau mit der Lautstärke aus dem Gerät zu gehen, die auch das Eingangssignal hat.

Mixdream
Die große Version des Mixdream-Familie kommt zusätzlich mit 16 symmetrischen Insertwegen, Master Inserts, einem einfachen Peak Limiter und einer Stereobasisverbreiterungsfunktion sowie einem zuschaltbaren Lundahl-Übertrager am Ausgang.
Für jeden Kanal kann hier separat per Kippschalter eingestellt werden, ob er direkt in den Mix geht, durch den Insert oder auch zu den Direct Outs (die es auch für jeden Kanal einzeln gibt). Nur die ersten acht Kanäle können auf mono geschaltet werden, die nachfolgenden sind immer in stereo.
Die Stereoverbreiterung arbeitet folgendermaßen: Zunächst wird das Audiosignal auf seine Raumanteile untersucht, die danach dem Gesamtmix phasenverkehrt wieder zugemischt werden, wodurch sich der räumliche Eindruck verstärkt. Für Eingriffe mit kleineren Korrekturen funktioniert das sehr gut, bei extremen Einstellungen wird der Klang dann aber schnell unnatürlich. Viel falsch machen kann man allerdings nicht, denn die Stereoverbreiterung lässt sich einfach zuschalten und in der Intensität regeln. Auch der Peak Limiter ist so aufgebaut: aktiviert per Kippschalter, die Einstellung des Thresholds per Drehregler und das war’s. Hier könnte man sich natürlich jeweils etwas genauere Einstellungsmöglichkeiten wünschen, aber tatsächlich geht das Konzept durch eine gute Parametrisierung auf. Der Peak Limiter ist sowohl für sehr zahme Pegelbegrenzung als auch für heftiges Pumpen geeignet und tut seinen Job sehr effektiv mit einem satten Grundcharakter.

Klang
Verglichen mit dem ziemlich klar-analytischen und druckvollen Sound des Dangerous Mixbus LT ist der Mixdream eher auf der analoggefärbten Seite, die nach großer Konsole klingt: warme, satte und weiche Bässe und seidige Höhen, vor allem wenn man über den zuschaltbaren Lundahl-Übertrager (nur Mixdream) geht. Verglichen mit einem Export des gleichen Mixes, der nicht über den Mixdream ging, fallen aber auch die Qualitäten auf, die das Teil abseits vom “schönen” Klang als analoger Summierer zusätzlich hat: ein klares Soundbild mit präziser Raumortung ohne Ungenauigkeiten und Verschmierungen, so dass auch kleinste Details wie Hallfahnen, Delays und Pannings eines Mixes gut zur Geltung kommen.

Fazit
Wer analoge Summierer für Hokuspokus hält, sollte sich mal eine kleine Auswahl ganz in Ruhe anhören. Jeder Mix, den ich noch mal über den Mixdream XP habe laufen lassen, hat schon ohne die Features des großen Bruders extrem an Transparenz, Klarheit und Räumlichkeit gewonnen. Die große Variante Mixdream ist eindeutig auf Leute zugeschnitten, die schon einiges an hochwertigem Hardware-Equipment nutzen, das sich über die zahlreichen Insertwege einschleifen lässt. Stereoverbreiterung, zuschaltbarer Lundahl Übertrager und Peak Limiter sind da eher Extras, der große Preisunterschied kommt durch das wesentlich aufwendigere Schaltungsdesign zustande.

Preise:
Mixdream XP: 1448,-
Mixdream: 2990,-

SPL

[ratings]

Interview mit Paul Lentzen von SPL zum Mixdream und Mixdream XP

Momentan gibt es noch nicht so viele Analogsummierer auf dem Markt.

Wir stellen fest, dass die Nachfrage in den USA größer ist als in Europa. Seit der Markteinführung des Mixdream im Jahr 2003 wächst das Interesse kontinuierlich oberhalb unserer Prognosen. Da der USA-Markt immer noch eine Trendsetter-Funktion innehat und das Interesse stetig wächst, spricht also einiges dafür, dass sich der Trend zur analogen Summierung weiter durchsetzt.

Die Mixdream-Geräte beginnen bei 16 Kanälen, viele Soundkarten haben heutzutage aber 8 oder noch weniger Ausgangskanäle, selbst der Mixdream XP ist also für diese Anwender leicht überdimensioniert. Wird es eine noch kleinere Lösung als den Mixdream XP von SPL geben?

Das hängt natürlich von der Nachfrage ab … bisher besteht diese hauptsächlich im Bereich größerer Studios mit einem Bedarf von mindestens 16 Kanälen, meist deutlich mehr. Hier werden große Konsolen durch DAWs mit MixDreams ersetzt, die ja bis zu einem Maximalausbau von bis zu 162 Kanälen kaskadierbar sind. Wenn sich der Trend zur Analogsummierung nun auch in Kundenkreisen mit geringerem Kanalbedarf durchsetzt, wäre eine achtkanalige Version schnell am Start.

Denkbar wäre auch eine Kombination von Analogsummierer und AD/DA Wandler. Ist so was bei SPL in Planung oder beschränkt ihr euch weiterhin eher auf den analogen Teil?

Wir konzentrieren uns weiterhin auf den analogen Teil. Es gibt viele hervorragende Anbieter im Wandler-Markt, der zudem einem viel schnelleren Rhythmus unterliegt als der Bereich analoger Technik. Bei uns sind Produktzyklen von zehn Jahren und mehr völlig normal, aber wer würde heute einen zehn Jahre alten Wandler kaufen? Erfahrungsgemäß haben die Kunden auch oft bestimmte Präferenzen, was die Qualität oder Ausstattung der Wandler betrifft. Ohne eine Vorgabe von uns kann der Kunde jederzeit das jeweils geeignetste Modell mit der besten Preisleistung einsetzen.

Eure passiven EQs klingen sehr gut, sind aber auch nicht gerade billig. Wird es eine günstigere Variante in diesem Bereich von euch geben oder seht ihr da keinen Bedarf, weil ihr eher auf Masteringstudios abzielt?

Eine günstigere Variante des Passeq ist zurzeit noch nicht in Planung, aber Überlegungen dazu gibt es natürlich. Die Reduktion ohne Qualitätseinbußen ist nicht einfach, da gerade die hohe Zahl der passiven Filter den Passeq zu einem kompletten, universellen EQ machen.

SPL

3 Responses

  1. Jul

    Den Klangunterschied hätte ich gerne mal gehört und dann ist die Frage ob man den damm mit 1.500 / 3.000 zahlen will…

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  2. Wolfgang

    Also in einer der letzten Keys gab es einen Artikel plus mp3-Beispielen. Analoges Summieren mit den geeignete Werkzeugen und dem Können wird definitiv den Klang verbessern – ob wie schon gesagt – der Unterschied den o. g. Betrag einem Wert ist, kann jeder selbst entscheiden. Vor allen Dingen im Homerecordingbereich eine entscheidene Frage.

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  3. Andreas Oberholz

    Oft wird dabei vergessen, dass es um einen “natürlicheren” Headroom geht. Bei meinen ersten Gehversuchen mit analoger Summierung hatte ich nicht nur den Eindruck, dass der Mix schneller von der Hand geht, sondern durch das Aufsplitten der Outs auch mehr Faderweg übrig bleibt.

    Ich sag nicht, das es unmöglich ist ohne zu Arbeiten. Ich schildere nur meinen Eindruck und der war für mich, dass der Spaß beim Mixdown enorm zu nimmt. Ich komme schneller in einen FLOW wo ich mehr intuitiv handle, weil ich nicht ständig mit nen Mini Faderweg abfinden muss der bei vielen Spuren ITB doch schnell arg sich aufs untere Ende des Faders beziehen kann….(wollte ich lange nicht glauben aber beim Öffnen alter Session sah ich genau dieses Phänomen)

    Ob es besser klingt… Na ja Bob Katz sagte mal die Dinger liefern nur ein wenig Saturation und das wars. Da könnte Katz recht haben. Meinen oben genannten Punkt hat er aber nicht bedacht…. einen anderen Work-Flow. Ein anderes Gefühl für Headroom entsteht.

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