Steinberg legt nach und bringt Updates für seine DAW - Flaggschiffe

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von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 118

Da die Grundplattform von Cubase 4.1 und Nuendo die gleiche ist, haben wir uns dazu entschieden, beide in einem Test zusammenzufassen. Zunächst sind alle neuen Features von Cubase 4 (Test siehe De:Bug 108) auch in die neue Nuendo-Version übertragen worden. Außerdem gibt es jetzt für beide Versionen, die erstmals die 64Bit-Systeme von Vista und OS X 10.5 (Leopard) unterstützen, die VST-PlugIn-Bridge. Sie erlaubt Intel-Mac-Usern das Nutzen von PlugIns, die noch im PowerPC-Format (also nicht Universal Binary) vorliegen und Vista-Usern das Nutzen von 32Bit-PlugIns von Windows XP.

Gemeinsame Neuerungen
Side Chaining ist ein schon lange gefordertes Feature, aber die bisherigen VST-Spezifikationen ließen es nicht zu, was sich mit VST3 nun geändert hat. Leider unterstützen dies bis dato nur die Steinberg-eigenen Plugs, für alle anderen muss man den Umweg über das 6zu2-PlugIn gehen.
Das bisher etwas starre Routing wurde gründlich aufgebohrt, so dass sich jetzt beinahe alles überallhin routen lässt, so zum Beispiel auch Gruppen auf Audiospuren. Aufgeräumt wurde auch beim Audioeditor: Jetzt sind alle wichtigen Funktionen schnell in der linken Spalte anwählbar (die Warp-Features, Transpose, Quantisierung usw.) und zum Teil auch deutlich zugänglicher integriert als zuvor.

Eine weitere Neuerung betrifft das schnelle Editieren von wichtigen Parametern einer Spur. Die acht Track-Controls bilden eine neue Spalte jeder Audio- und Midispur und können mit allen Parametern belegt werden, die man schnell editieren möchte. Sie lassen sich Midicontrollern zuweisen und kontrollieren die gerade selektierte Spur mit den jeweils zugeordneten Parametern. Zum spurübergreifenden Transponieren dient die neue Transpositionsspur: Mit ihr kann man wahlweise das ganze Arrangement, aber auch nur ausgewählte Spuren transponieren, was bei komplexeren Arrangements eine große Hilfe ist, allerdings auch ein wenig CPU-Power schluckt. Die Play Order Tracks wurden auch renoviert, heißen jetzt Arranger-Spur und lassen sich endlich auch live aufnehmen, außerdem wurden diverse neue Abspielmodi integriert.

Zur Stapelverarbeitung und für oft benutzte Funktionskombinationen wurde der Project Logical Editor entwickelt: Hier lassen sich eigene oft benötigte Aktionen definieren (zum Beispiel: alle gemuteten Spuren löschen, alle Events ab Position x nach y verschieben usw.), die dann auch direkt über Tastaturkombinationen abrufbar sind. Die Definition solcher Regeln mag zwar noch etwas unintuitiv sein, hat man das aber erst mal hinter sich gebracht, ist es meiner Meinung nach eines der wichtigsten neuen Features.

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Nur in Nuendo
Das neue Automationssystem ist allein Nuendo vorbehalten und sehr umfangreich. Hierfür gibt es ein eigenes Panel, das es erlaubt, einzelne Parameter von der Automation auszuschließen, so genannte Virgin Territories zu definieren, in denen die Automation ausgesetzt (also nicht geschrieben und/oder nicht gelesen) wird, bisher nicht automatisierte Bereiche mit einem festen Wert zu füllen, ohne dass man ihn aufnehmen muss, und individuelle Punch Outs festzulegen. Mit dem Preview Mode kann man Automationen ausprobieren, ohne sie gleich zu schreiben, und mit Touch Collect können verschiedene zusammengehörende Parameter zusammengefasst werden, deren Parameter dann parallel automatisiert werden.

Performance & Bedienung
Die neue Nuendo/Cubase-Generation hat die Kinderkrankheiten der Cubase- 4.0-Version endgültig abgeschüttelt, ist damit weitestgehend bugfrei und wurde sinnvoll ergänzt. Auch wenn das Update nicht so spektakulär daherkommt wie die neue Logic-Version, können alle Nuendo- und Cubase-User sich über eine deutlich verbesserte Usability und sinnvolle neue Features (Track Quick Controls, Sidechaining, Transponierspur, besserer Sampleeditor, verbesserte Play Order Tracks) freuen. Der Project Logical Editor ist ein enormer Timesaver, auch wenn man ihn erst mal mit den eigenen Aktionen füttern muss. Die Performance entspricht der von Cubase 4, ist also weder besonders anspruchsvoll noch besonders genügsam, mit einem durchschnittlichen Rechner geht sie aber völlig in Ordnung. In einem Kurztest unter Leopard funktionierten beide Programme bereits ohne Probleme. Wer Nuendo nutzt, wird sich über das deutlich verbesserte Automationssystem freuen, das zu den besten der aktuellen DAWs gehört.

Steinberg

Preise:

Nuendo:
Vollversion: 1799,- Euro
Update von Nuendo 3.x inkl. Nuendo Expansion Kit (alle Funktionen): 399,- Euro
Update von Nuendo 3.x ohne NEK: 249,- Euro
Crossgrade Nuendo auf Cubase 4.x: 199,- Euro

Cubase:
Vollversion: 879,- Euro
Update von Cubase 3.x: 169,- Euro

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