Peter Kirn von CDM ist für uns über die NAMM gelaufen

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Was die IFA für die Consumer Electronics, ist die NAMM für die Musikinstrumente: Die Messe in Frankfurt kann da schon lange nicht mehr mithalten. Peter Kirn von Create Digital Music hat für uns seine Highlights der Messe in Kalifornien zusammengefasst.

von Peter Kirn aus De:Bug 160

Eigentlich möchte man meinen, dass die Ära der großen Tradeshows vorbei ist. Für die Hersteller von Musikprodukten ist die gewaltige Ansammlung von Instrumenten und Equipment auf der südkalifornischen NAMM nach wie vor jedoch ziemlich lebendig. Insgesamt 96.000 Besucher zog es dieses Jahr in das südlich von Los Angeles gelegene Anaheim: ein neuer Rekord. Unzählige Musiktechnik-Firmen, vom Großkonzern bis hin zum Ein-Mann-Unternehmen haben ihre Produkte zur NAMM vorgestellt. Inmitten einer Lawine von iOS-Zubehör haben auch die zwei spannendsten davon etwas mit Touch zu tun, wenn auch nicht direkt mit Apples Technologie. Und CV im Speziellen und Analoges im Allgemeinen feiern ein überraschendes Comeback.

Line 6 SoundScape M20d.

Die Gründer von Line 6 waren schon an der Entwicklung von ADAT beteiligt und mitverantwortlich für den Erfolg des DSPs. Der SoundScape M20d könnte die mutigste und riskanteste Neuvorstellung der NAMM sein. Er erfindet das Live-Mischpult neu und steckt ein paar DSPs in ein Gehäuse, das statt mit Fadern ausschließlich über einen Touchscreen bedient wird. Statt einem Channelstrip gibt es Bilder eines Bühnen-Setups und grafische Bedienelemente, mit denen der User das Signal pegeln, bearbeiten und Effekte hinzufügen kann. Sogar die Verbindung wurde neu aufgerollt: je nachdem welche Anschlüsse belegt sind, erkennt das der Mixer und stellt die Parameter entsprechend ein. Der M20d kann außerdem Mehrspuraufnahmen und mit dem iPad ferngesteuert werden. Behringer und Mackie haben auch Touchscreen-Mixer vorgestellt, die sind aber letztendlich Docks für das iPad. Die Line-6-Variante ist dagegen eine maßgeschneiderte, integrierte Lösung.

Keith McMillen QuNeo

Der durch eine Kickstarter-Kampagne finanzierte berührungsempfindliche Touch-Controller hatte seinen ersten öffentlichen Auftritt auf der NAMM. Bei ein paar Demos mit Ableton Live zeigte die flache Multitouch-fähige Hardware ihre bunten Farben, ihre durchdachten Multitouch-Maps und das kontinuierliche Pressure Sensing. Der Preis des QuNeo wird bei etwa 140 Euro liegen.

MIDI Keyboard Controller

Die Flut von MIDI Keyboard Controllern will einfach nicht abebben, unter anderem gab es neue Modelle von Samson und Line 6 zu sehen. Allerdings sind ein paar Trends zu beobachten: Viele der neuen Keyboards erfüllen alle USB-Standards und sind mit eigenem Netzteil ausgestattet. Damit sind sie auch am iPad nutzbar. Netter Nebeneffekt, mit dem jedoch kein Hersteller hausieren ging: Linux-Kompatibilität. Einen Schritt weiter ging Akai, die im Max49 CV und auch wieder MIDI-DIN-Anschlüsse mitgegeben haben. Die meisten Controller folgen den üblichen Formfaktoren, Alesis jedoch zeigte eine neue Keytar, die Alesis Vortex. Im weißgelackten Gehäuse bietet sie für rund 250 Euro unter anderem einen eingebauten Accelerometer mit Gestenerkennung und weitere Controller-Optionen.

iPad und iPhone überall

Die Explosion der Produkte, die vom iOS-Wachstum profitieren wollen geht weiter. Dieses Jahr war der Trend Docks: in Keyboards, in Mixern, in Amps, mit Decks als DJ Controller, in Karaoke-Maschinen, in anderen Docks. Es gab sogar eine spezielle App Area auf der NAMM. Die vielleicht interessanteste iOS-Entwicklung war Akais MPC Fly. Mit einer angepassten MPC Software für Apples Tablet ist die Fly gleichzeitig ein iPad Case, die kleinen Pads entfalten sich dann beim Öffnen.

MPC Mayhem

Neben der Fly hat Akai weitere neue MPCs vorgestellt. Die Renaissance, aktuell noch ein Prototyp, ist ein MPC Controller in Originalgröße, Audio Interface inklusive. Per Button lassen sich die Sample-Frequenz und das Verhalten von MPCs bis hin zur MPC 60 emulieren, und auch die neue Hardware ähnelt den alten MPCs bis hin zur gepolsterten Handgelenksablage. Das Sound Processing passiert allerdings komplett im Rechner, eine Premiere für Akai. Die MPC Studio ist eine kompaktere und günstigere Version.

Teenage Engineering stellt Sensoren und Schuhe vor

Wahrscheinlich durch die seltsamen, in orangen Overalls gekleideteten Schweden angelockt, bildeten sich Menschentrauben vor dem Stand von Teenage Engineering. Dort gab es neben den Updates für den OP-1 Synth mit neuem Seqencing, MIDI Clock Sync und Drum-Synthese auch eine ersten Vorstoß in Sachen Physical Computing zu sehen. Das Oplab Bord kann über MIDI und CV gesteuert werden, USB-Geräte unterstützen (sogar ohne Rechner) und läßt sich mit extrernen Sensoren, Leuchten und Motoren verbinden. Die Teenage Crew zeigte auch ihren eigens designten Turnschuh, der mit einer Tasche für einen Accelerometer kommt. Damit lassen sich dann die Drums des OP-1 spielen.

Synthesizer, analog und digital

Die Synths auf der NAMM 2012 hätten die Besucher ohne Probleme davon überzeugen können, dass wir uns nicht im Jahr 2012 befinden. Die französische Software-Schmiede Arturia, eher bekannt für Emulationen, überraschte die Besucher mit einem komplett analogen Keyboard, dem Minibrute. Mit seiner leichten Ähnlichkeit zu Rolands Klassiker SH-101 kombiniert der Minibrute Oszillator-Mixing, diverse Klangformungsoptionen, CV und jede Menge Onboard Controls inklusive Arpeggiator zu einem Keyboard Synth für 499 Euro. Moog zeigten den Minitaur, einen kompakten monophonen Basssynthesizer mit zwei Oszillatoren, der vom Taurus Basspedal abstammt. Waldorf teasten den Pulse 2 mit drei Oszillatoren an, zeigten aber leider nur einen noch nicht funktionierenden Prototypen. Nicht alles war analog: John Bowen kündigte endlich an, dass er seinen Monstersynth Solaris jetzt ausliefert.

Roland und die elektronische Gitarre
Die größte Ankündigung von Roland war eine Partnerschaft mit Fender, die für eine Roland-kompatible Stratocaster sorgen soll. Eigentlich eine ganz normale Stratocaster, hat die “elektronische Gitarre”, so nennt Roland den Neuling jedoch eine entscheidene Besonderheit: Eingebaute GK-2A Pickups erlauben den digitalen Anschluss an externe Klangquellen, mit denen verschiedene Instrumente und Bearbeitungsketten emuliert werden können.

Modulares und Boutique Items

Wie immer waren die Stände von Händlern wie Big City Music aus LA und Analog Haven voll von seltsamen und großartigen Instrumenten und Toys. Die französische Synthesizerschmiede Eowave zeigte zwei demnächst kommende Synths, den Koma Bassynthesizer mit Step Sequenzer und einen weiteren analogen Monosynth, den Domino. Auch Ken Macbeth, legendär für seine riesigen Modularsysteme, widmete sich dem Thema Desktop Synthesizer mit dem MicroMac und dem Dot Com. Leon und Brian Dewan spielten ein riesiges Hymnatron im Holzgehäuse, ein Tasteninstrument mit reiner Stimmung. Neben vielen neuen Modulen war das größte modulare Highlight allerdings die Kollaboration von SoundHack-Erfinder Tom Erbe mit MakeNoise. Das ECHOFON nutzt digitale Algorithmen aus Erbes Software- und DSP-Hintergrund, stellt sie aber in einen modularen Kontext.

Universal Audio Apollo und Thunderbolt

UAs Apollo kombiniert ihre DSPs mit einem Audio Interface und stellt dabei Latenzen von unter zwei Millisekunden sowohl über Firewire als auch Thunderbolt bereit, so dass sich damit Aufnahmen mit ihren PlugIns realisieren lassen, ohne dass es zu zusätzlichen Latenzen kommt. In Zeiten von immer schneller werdenden nativen Prozessoren stärken sie damit das Argument für dedizierte DSP Hardware und stellen eine Plug&Play-Lösung fürs Mixen, Mastern und Bearbeiten mit ihren Modellen analoger Effekte bereit. Auch MOTU und Apogee haben auf der NAMM Thunderbolt-Lösungen vorgestellt, was darauf hindeutet, dass sich das neue Format so langsam durchsetzt.

Peter Kirn ist der Gründer von Create Digital Music, Journalist und Musiker. Kirn schreibt ab sofort regelmäßig für De:Bug über Trends und Phänomene aus der Musikproduktion.

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Musik von Peter Kirn

English version:

by Peter Kirn out of De:Bug 160

You might imagine that the era of the trade show is over, but for manufacturers of music products, the massive arena of instruments and equipment at Southern California’s NAMM show is very much alive. This year’s show counted a record of nearly 96,000 visitors in Anaheim, south of Los Angeles. Countless music technology makers, from the very large to the one-person business, timed new products to launch at the show. Here are a few stand-out unveilings from those few days in mid January, 2012. Amidst an avalanche of iOS accessories, the two that top the list both engaged touch, but not through Apple’s own technology, while Control Voltage and analog made a surprising comeback.

Line 6 SoundScape M20d

Line 6‘s founders already had a hand in creating ADAT and popularizing DSP. The SoundScape M20d may be the boldest – and riskiest – major launch of the show. It reimagines the mixer for live sound, packing DSP capabilities into a single box controlled not with faders but with a touchscreen. In place of channel strips, pictures of a stage setup and graphical controls guide the user through adjusting levels and adding processing and effects. Even the connection process is transformed; the mixer automatically senses which connection you have made and adjusts parameters accordingly. The M20d also has multi-track recording capability, and the ability to add an iPad as a remote control. Behringer and Mackie also had touchscreen mixers, but these acted as docks for an iPad; Line 6′s offering was a custom, integrated creation.

Keith McMillen QuNeo

Funded by a Kickstarter campaign, Keith McMillen’s QuNeo tangible touch controller made its first public appearance. With demos controlling Ableton Live, the thin, multi-touch-capable hardware showed off its light-up colors and elaborate multiple touch maps and continuous pressure sensing. The price will be US$199.

MIDI keyboard controllers

The flood of MIDI keyboard controllers shows no signs of abating. New entries to the market included Samson and Line 6, among others. But some new trends are emerging. Many of the keyboards at NAMM boasted USB class compliance and self-supplied power, making them compatible with Apple’s iPad and not just computers. (While it wasn’t advertised, a side benefit is compatibility with Linux.) Akai went one step further, providing Control Voltage output on its Max49 keyboard, and bringing back MIDI DIN ports.Most of these controllers fit conventional molds, but Alesis showed off a new keytar, the Alesis Vortex. With a street price of US$249 and built-in accelerometer gestures, the lacquer-white Vortex adds a range of control options.

iPad and iPhone everywhere

The explosion of products attempting to harness the growth of iOS continues. This year, the trend was docks: docks in keyboards, docks in mixers, docks in amps, docks with decks for DJ controllers, docks in karaoke machines, docks, seemingly, inside other docks. The NAMM show even opened an area dedicated to apps. Perhaps the most interesting of the new iOS developments was Akai’s MPC Fly. Using custom MPC software on the iPad, the Fly doubles as a case, with a slim-line set of pads that fold out for input.

MPC Mayhem

Apart from the Fly, Akai was on-hand with a new range of MPC products. The Renaissance,shown still in prototype form, is a full-sized MPC controller complete with audio circuitry. Onboard buttons switch its sample resolution and behavior to emulate MPCs back to the MPC 60, and the physical form resembles MPCs of yore, down to soft wrist rests. The actual sound processing, however, is in software on a computer, in a departure for the company. The MPC Studio provides a more compact, affordable version.

Teenage Engineering Adds Sensors, Shoes

Perhaps drawn by the strange Swedes in orange jumpsuits, crowds clustered around the Teenage Engineering booth. There, in addition to updates to the OP-1 Synthincluding new sequencing, MIDI clock sync, and drum synthesis, visitors found Teenage Engineering making a foray into the realm of physical computing. The Oplab Board interfaces with MIDI and CV, hosts USB devices (even without a computer), and connects to external sensors, lights, and motors. The Teenage crew showed off their own custom-designed running shoes, with a pouch for an accelerometer. The result: stomp your feet to play the OP-1′s drums.

Synthesizers, analog and digital

Synths at NAMM could easily have fooled visitors into believing it wasn’t 2012.  French developer Arturia, associated with software emulation, surprised crowds with a fully-analog keyboard, the Minibrute. With a certain resemblence to Roland’s classic SH-101, the Minibrute combines oscillator mixing, timbral shaping options, CV control, and loads of onboard controls including an arpeggiator, all in a $550 monophonic keyboard synth. Moog showed their already-revealed Minitaur, a compact, monophonic, two-oscillator bass synth derived from their Taurus bass pedal. Waldorf teased their Pulse 2 2 three-oscillator analog synth, but showed only a non-working prototype.
Not everything was analog: at long last, John Bowen announced he is shipping his monster Solaris synth.

Roland and the electronic guitar
The biggest announcement from Roland was a partnership with Fender, to make a Roland-ready Stratocaster guitar. It is a standard Stratocaster, but with a twist: built-in GK-2A pickups allow you to connect digitally to an external sound source for modeling a range of different instruments and processing chains. Roland dubbed it the “electronic guitar.”

Modular and boutique items

As usual, vendors like LA’s Big City Music and Analog Haven were full of strange and wonderful instruments and toys. French maker Eowave showed off two upcoming synths, including the Koma bass synth and step sequencer, and yet another analog monosynth, the Domino. Even Ken Macbeth,legendary for his enormous modulars, explored desktop formats with his MicroMac and Dot Com. Leon and Brian Dewan played an enormous, wooden-housed Hymnatron, a keyed instrument with just intonation. The biggest modular highlight, though, among many new modules, was SoundHack-creator Tom Erbe’s new collaboration with MakeNoise. The ECHOFON employs digital processing algorithms from Erbe’s software background and digital DSP, but recontextualizes those sonic techniques in a modular.

Universal Audio Apollo and Thunderbolt

Combining their DSP with an audio interface, UAs Apollo hardware provides sub-2ms latencies on both FireWire and Thunderbolt, allowing you to track with their collection of DSP effects without adding latency. That strengthens their pitch for why you’d want dedicated DSP hardware in the age of faster native processors, offering essentially a plug-and-play solution for mixing, mastering, and processing with modeled analog effects. UA joined MOTU and Apogee and MOTU in showing new Thunderboltoptions at NAMM, suggesting this format may be about ready for wider consumption soon.

Peter Kirn is an electronic musician and artist and founder of Create Digital Music.

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Music by Peter Kirn

13 Responses

  1. lala

    hi peter,
    nice & strange to read what you wrote in german language

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  2. Jane

    Nice…

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