cynetart_2013
Cynetart
Dresden, Festspielhaus Hellerau, 14.-20.11

Das CYNETART ist ein Verbinder der Welten. Auch in diesem Jahr bietet es ein kontrastreiches Programm aus technologisch unterstützten Tanzaufführungen, international besetzten Workshops in den Bereichen Tanz, Medienkunst, Technik, außerdem einen aktuellen Schwerpunkt auf Biohacking und Bioart. Das versierte Rahmenprogramm aus Vorträgen, Demonstrationen und Workshops findet seine hedonistische Spiegelung in Form von A/V-Performances, Konzerten und Clubabenden. Hier mit dabei: Kuedo (Planet Mu), Sensate Focus, Grischa Lichtenberger (Raster-Noton), Ryoichi Kurokawa, Assimilation Process (suburban trash), Ulf Langheinrich (Epidemic), Zilinsky und Arpanet: das mysteriöse Duo um Frontmann Gerald Donald (aka Heinrich Müller / Der Zyklus, Japanese Telecom, Dopplereffekt, sowie eine Hälfte von Drexciya). Top-Notch-Sound- und Bildwelten werden dabei auf exzellenten technischen Anlagen im übergroßen Saal des Festspielhauses präsentiert.
Cynetart


Bang on a Can
C3 Festivall
Essen, Zollverein: 8.-10.11.

C3? Das steht für Club Contemporary Classical, den drei Cs also, die die musikalische Berichterstattung dieses Magazins seit Jahr und Tag immer wieder begleiten. So ist es keine Überraschung, dass die Protagonisten der zweiten Auflage des Festivals alte Bekannte sind. Matthew Herbert, Murcof und das US-amerikanische Kollektiv “Bang On A Can All-Stars” bilden das Headliner-Dreigestirn in diesem Herbst: ein dichtes Programm. Mr. Herbert kommt nicht allein nach Essen. In Quartett-Besetzung präsentiert er sein aktuelles Album “The End Of Silence”: Deutschlandpremiere! Murcof hat mit der Pianistin Vanessa Wagner ebenfalls Unterstützung auf der Bühne und die Bang On A Can Crew kommen eh immer reichlich. Dabei ist ihre geplante Performance von Brian Enos “Music For Airports” ja eher für ganz kleine Besetzung konzipiert: wird spannend! Außerdem im Programm: Macro-Boss Stefan Goldmann, die Denovali-Darlings von Piano Interrupted, Tesla Mode und Rotterdam. Herbert packt derweil im Hotel Shanghai noch die Platten aus. Beim C3 geht es aber nicht nur um das Zuhören, sondern auch um das Ausprobieren. Schülerinnen und Schüler können sich während des Festivals dem Phänomen Ambient nähern, mit den Musikern vor Ort diskutieren und schließlich die akzentuierte Stille selbst umsetzen.
C3


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Electronic Beats Festival
Dresden, Alter Schlachthof: 10.11.
Sommer gerade überstanden, leutet die Telekom direkt die nächste Festival-Saison ein. Dass das Electronic Beats Festival bei seiner jährlichen Europa-Reise im Frühling und Herbst jeweils eine Handvoll Hochkaräter einpackt, scheint mittlerweile sicherer als die Jahreszeiten selbst. So soll es denn auch in diesem Herbst sein, wenn Electronic Beats zum ersten Mal in Dresden Halt macht. Neben Sizarr, dem neuen Indie-Maßstab aus der Pfalz, wird unter anderem der Franzose mit den Riesentrommeln und dem Hang zum Pathos, alias Woodkid, in den Alten Schlachthof geladen. Als Gegenpol zum orchestral-cinemati- schem Epos des Musikers und Regisseurs aus Lyon, treten die Post-Whatsoever- Lieblinge von Mount Kimbie an, die sich mit “Cold Spring Fault Less Youth” in diesem Sommer nicht nur ein feines Nest bei Warp eingerichtet haben, sondern mit eben jenem Album wieder einmal gezeigt haben, zu welcher Intensität die Reduktion doch im Stande ist. Ein Album, dessen Produktionsprozess stark von der Live- Umsetzung ihrer ersten Platte beeinflusst wurde, wie sie uns im Interview erzählten. Ihre Live-Sets, in denen das Duo die konstante Re-Interpretationen ihrer eigenen Stücke verfolgt, geben im Umkehrschluss tiefe Einblicke in die Entstehung ihres un- verwechselbar intensiven Sounds, der Ambient, Postrock, Electro, House und HipHop gleichermaßen unter seine Fittiche nimmt. Die preiswerten Tickets lassen sich seit kurzem über die EB Apps sichern und sind natürlich auch über den klassischen Online-Weg zu haben:Electronic Beats

worldtronics_2013

Worldtronics: Teams & Tools Múm
Berlin, HKW, 28.11. – 1.12.
Es gibt eine Weltmusik, die nicht postkolonial verzerrt ist, beziehungsweise deren entsprechende Verzerrungen klar zu Tage treten oder sogar deren Inhalt sind. Das Worldtronics-Festival versucht nun schon seit sieben Jahren diese alternative, emanzipatorische Weltmusik zu ergründen und zu feiern. Motto der diesjährigen Ausgabe: Teams & Tools, die “weltweiten Phänomene wuchern- der Musikszenen”. Das Internet, so der Worldtronics-Ansatz, vernetzt auch Musikszenen und setzt sie zueinander in Beziehung. Neue Parallelen entlegener Musikentwicklungen treten hervor, Stile finden zusammen und alte Amalgame werden aufgeschmolzen. Diese neue Weltmusik ist dekonstruktivistisch – und gerade deswegen lässt sich auf sie so gut feiern. Und das geht im Haus der Kulturen der Welt dieses Jahr so: Mit ihren Projekten Bordermovement und Soundcamp klinken sich Gerriet Schulz und die Gebrüder Teichmann in die südasiatischen DIY-Netzwerke ein. Der Londoner Talvin Singh zeigt Gemeinsamkeiten zwischen klassischer indischer Musik und früher “westlicher” elektronischer Musik auf. Der Franko-Niederländer Pierre Bastien baut charmante Musikmaschinen mit Humor und Seele, die Katalanin Eli Grass macht experimentelle Musik mit Spielzeug und Fundsachen, die aus Kairo angereisten Sadat & Alaa Fifty kreuzen HipHop und Kairoer Straßenmusik. Die Berliner Avantgarde-Bigband Zeitkratzer präsentiert ein Projekt zu den elektronischen Musikstudios von Radiostationen vor allem in Osteuropa; Felix Kubin und die polnische Bigband Mitch & Mitch spielen verstörenden Avant-Pop und die Band Frikstailers aus Buenos Aires, so die Worldtronics-Veranstalter, schöpft “aus dem globalen, kollektiven Unterbewusstsein des Pop.” Das Musikprogramm begleitet der Elektro-Fachmarkt, auf dem sich die Berliner Elektronikszene zum Schwofen bei Minikonzerten und DJ-Sets trifft. Denn was die Musikszenen der Welt können, das können sie auch im Haus der Kulturen der Welt.
Haus der Kulturen der Welt


b3biennale2013
B3 – Biennale des bewegten Bilds
Frankfurt/Main und Umgebung, 23.10. – 3.11.
Die B3 Biennale bringt Künstler, Filmemacher, Designer, Internetspezialisten, Social-Media-Aktivisten, Games-Entwickler und Wissenschaftler zusammen, um über die Chancen und Möglichkeiten des bewegten Bildes zu sprechen. Denn Bild hat noch Möglichkeiten. In dem Maße, in dem sich die Medien-Grundlage ändert, ändern sich auch ästhetische und semantische Bezüge. Dem trägt B3 etwa mit dem Ultrashort-Wettbewerb Rechnung, für den erstmals Vine- und Instragram-Videos prämiert werden. Das Leitthema der B3 ist passend: “Expanded Narration. Das neue Erzählen”. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen in den Themenfeldern Serien, Games, Transmedia, Kino, Kunst und Wissenschaft. Das Programm birgt große Namen und Vielfalt: Theater-Regisseur Robert Wilson wird über seinen Umgang mit unterschiedlichen Medien erzählen, Laurie Anderson gibt – nachdem sie den B3-Preis für ihr Lebenswerk erhalten hat – ein Konzert. Aber auch sonst ist das Programm randvoll mit interessanten Beiträgen zu narrativen Räumen und Immersion, zur Charakter-Entwicklung für Computerspiele und den Mitteln der Computerspiel-basierten Prävis-Technik für’s Kino. Es werden spannende Projekte in Internet- und Chip-Medien präsentiert und – populär – die neuen Serien als “Mega Movies” unter die Lupe genommen. Mit etlichen Vorträgen und Screenings werden außerdem verwandte Verhandlungen aus Kunst und Wissenschaft zur Diskussion gestellt.
B3 Biennale


newindustries
New Industries Festival
Dortmund, noch bis zum 2.3.2014
Ein Begriff im Wandel der Zeiten. Industrialisierung, Großkonzerne, Wirtschaft, Rohstoffe, Umweltverschmutzung, Gewerkschaften, Fortschritt: Wo sonst in Deutschland könnte man dem Thema Industrie besser ein fünfmonatiges Festival widmen als in Dortmund, im Herzen des Ruhrgebiets. “Industrie” wird folgerichtig im Industriedenkmal U dabei sowohl historisch beleuchtet, in der Gegenwart verortet und fit gemacht für die Zukunft. In Ausstellungen, Konferenzen, Workshops, Installationen, Perfomances und Filmvorführungen geht es dabei um alle nur denkbaren Assoziationen des Begriffs. Von Industrial Music bis zur Finanzindustrie, dem Strippenzieher des globalen Wahnsinns. Das vom HMKV initiierte Festival spinnt dabei seine thematischen Fäden um drei Hauptveranstaltungen. “Industrial (Research)” ist keine Ausstellung im klassischen Sinne, sondern versteht sich als Arbeitsplatz, Forschungslabor und Fundgrube. Hier beschäftigt man sich mit dem Strukturwandel ehemals stark industrialisierter Landstriche und analysiert Folgen, Chancen und geographische Verschiebungen nicht zuletzt auch in Hinsicht auf Kunst, Sub- und Popkultur. Die Ausstellung “Requiem für eine Bank” widmet sich der Finanzwirtschaft und zeigt vielzählige Arbeiten aus Architektur, Medienkunst, der bildenden Kunst und Peformances zu diesem Thema. Axel Brauns “Zugunsten einer Gesellschaft von morgen, für die wir heute schon bauen” schließlich ist Installation, die die zweifelhafte Geschichte der mittlerweile zerschlagenen WestLB unter die Lupe nimmt. Deren futuristische Gebäude bilden den perfekten Ansatzpunkt für längst vergangene Utopien.
HMKV