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Sascha Kösch
 
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8.05.2012 | 12:09
 
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Presk – Love Again (Ten Thousand Yen / TTY006)

“Devour” wirkt zunächst, wie jede andere UK-Funky-Nummer der letzten Monate. Selbst für die fast schon obligatorischen “Uh-” und “Ah-” Samples ist sich das Stück nicht zu schade. Aber irgendwas daran fesselt doch, und schnell merkt man, dass Presks Tracks auch außerhalb des Londoner Piratenradios funktionieren. Vorausgesetzt man hat was übrig für die britische Version der Bass-Musik, die wie “Love Again” auch mal in Richtung 2-Step gleitet. Dabei wirken die Entwürfe des Niederländers Presk nie zu glatt poliert und lassen sich mit ihrer leicht angerauhten Oberfläche perfekt zwischen Stücke eines Kassem Mosse oder Joy Orbison einbetten.
http://tenthousandyen.com
friedrich



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Sascha Kösch
 
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27.04.2012 | 01:17
 
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Human Teenager – Animal Husbandry (Spectrum Spools / SP015)

Nennen wir es der Einfachheit halber Pop. Was das juvenile Duo Human Teenager hier auf dem für kosmisch-verschrobene Synthesizerexkursionen bekannten Label Spectrum Spools vorgelegt hat, ist melodisch, rhythmisch übersichtlich und auf kaputte Weise eingängig. Psychedelischer Synthiepop nach Datenverlust, wenn man so will. Das trifft die Sache aber nur halb, denn für Pop im engeren Sinne sind Human Teenager, selbst wenn sie sich die meiste Zeit an so etwas wie Songformaten orientieren, viel zu fragil, abgedreht und finster. Dass man beim Hören die ganze Zeit mitwippen und mitsingen möchte, ist eines der vielen Rätsel, mit dem einen die beiden Musiker aus Brooklyn konfrontieren. Man meint, geballte, in alle Richtungen geschleuderte Lebensenergie zu hören. Und dass man sich nach einer knappen halben Stunde schon wieder von ihnen verabschieden muss, mag schmerzlich sein, doch für die Größe ihres Albums ist das unerheblich. Man spielt das Ganze einfach noch einmal und noch einmal …
http://editionsmego.com/spectrum-spools/
tcb



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Sascha Kösch
 
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Head Boggle – Headboggle (Spectrum Spools / SP012)

Vielleicht muss man sich um Derek Gedalecia Sorgen machen. Vielleicht will er aber auch nur, wie der Name seines Projekts Head Boggle andeutet, einem ein bisschen den Kopf um die eigene Achse rotieren lassen und die Grenzen des Wahrnehmungsvermögens beim Hören von Musik austesten. Denn sein Album für Spectrum Spools dreht voll auf, lässt an jeder Ecke ein neues Universum aus Klang aufsprießen, sodass man sich wundert, wie viele Ideen in einer Zeitspanne von 40 Minuten Platz finden können. Bei Head Boggle verschaffen sie sich den mit Macht, jede bekommt ihren Auftritt und sei es nur für eine Minute. In diesem Panoptikum der möglichen Welten kann man sich sehr leicht verirren, aber man will auch gar nicht so schnell wieder hinaus. Sehr super.
http://editionsmego.com/spectrum-spools/
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Sascha Kösch
 
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Franco Falsini – Cold Nose (Spectrum Spools / SP014)

Die italienische Band Sensations’ Fix gehört nicht zu den allerersten Namen, die einem zum Stichwort Psychedelic einfallen, was ebenfalls für ihren Gitarristen Franco Falsini gilt. Zu Unrecht, denn Falsini beherrscht sein Instrument in begnadeter Form und versteht es auf seinem Solodebüt meisterhaft, seine Gitarrenloops unterstützt von diversen Synthesizern zu ambientesken Space-Rock-Monstern auswachsen zu lassen, die man vermutlich am besten in Kombination mit LSD genießt. Ursprünglich war die Musik von “Cold Nose” bzw. “Naso freddo” allerdings für eine Dokumentation über Kokain gedacht, aus der dann am Ende doch nichts wurde. Falsinis Musik macht aber auch auf sich allein gestellt große Freude: Hier kann der innere Hippie ungehemmt und in Zeitlupe durch herrlich bunte Ländereien tollen.
http://editionsmego.com/spectrum-spools/
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Sascha Kösch
 
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Anthony Pateras – Errors of the Human Body (Editions Mego / eMEGO140)

Bei so einem Soundtrack ist es fast egal, ob der Film dazu etwas taugt. “Errors of the Human Body” wurde am Dresdener Max-Planck-Institut gedreht, die Musik machte der Australier Anthony Pateras in Melbourne. Vorherrschend ist auch hier Pateras’ multiple Arbeitsweise zwischen Neuer Musik, Jazz und Elektronik. Die 21 kurzen Stücke formen sich fast wie Mosaikteile zu einem Gesamtbild aus überwiegend ruhigen Stimmungen, in denen neoimpressionistisches Klavier, dichte abstrakte Streicherklänge oder prepared-piano-Passagen einander abwechseln. Erstaunlicherweise konzentrieren sich diese Miniaturen um eine verschrobene Clubnummer mit akustischer Perkussion, Bläsern und diversen anderen genrefernen Elementen, doch selbst diese leicht komische Einlage passt ins Konzept. Atonale Musik, die nicht weh tut – was in diesem Fall als Kompliment gemeint ist.
http://www.editionsmego.com
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Sascha Kösch
 
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Toulouse Low Trax – Jeidem Fall (Karaoke Kalk / 66)

Ausgesprochen schwül-warm. Und wir hoffen inständig, dass wir die große Release-Party im Tropical Islands, der alten Cargolifter-Halle, einfach nur verpasst haben. Da hätte dann nämlich alles zusammengepasst. Detlef Weinrich auf der großen Bühne, verhuscht und von allen Seiten betrommelt, der Theken-Crew von damals aus dem Dschungel in Berlin und der Zeche in Bochum läuft der Schweiß in Strömen, Jaki hängt vor dem Backstage rum (“Ist mir fast schon zu straight. Oder was meinst du?”) und stupst seinen Kumpel in orangener Kutte an. Usw. Denn natürlich ist das alles komplett erfunden und doch irgendwie vorstellbar, was auch die Musik auf Weinrichs zweitem Album für Karaoke Kalk perfekt auf den Punkt bringt. Utopische Spinnereien aus einer Zeit, in der die gerade Bassdrum noch durch obskure Platzhalter kodiert werden musste, weil das Gefühl vielleicht schon da war, die stoische Trommel aber noch längst nicht, Sounddesign noch schwere Arbeit und Stereo der Kübel Gold unter dem Regenbogen. Natürlich passt das in die Düsseldorfer Landschaft, zu Kreidler in den Proberaum sowieso, und wenn Basslines mit mehr Rauschen als Punch das neue Nonplusultra sind, dann ist mir das nur recht. Erinnert mich als Kraut-Verweigerer der strengsten Sorte an ruhige Tracks von The Klinik aus Belgien oder auch, nochmal Stichwort Basslines, an The Neon Judgement. Hammer, auch weil so anstrengend.
http://www.karaokekalk.de
thaddi



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Sascha Kösch
 
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Fluxion – Traces EP 2/3 (Echocord / 55)

Nach solider EP und sensationellem Album, folgt jetzt die zweite Auskopplung. Damit auch die Vinylisten an die Tracks des CD-Albums kommen. “Eruption” war und ist einer meiner Favoriten, “Motion 2″ und “Motion 3″ hatten ebenfalls Swing-Potenzial. Und mit dem herrlich zerrenden Morphosis-Edit von “Eruption” bekommen dann auch seriöse Dubtechno-Fans einen vor den unerwarteten Latz geknallt. Kann man zwar nicht wirklich auflegen, ist dafür aber umso kurzatmiger.
http://www.echocord.com
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Sascha Kösch
 
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Heidi Mortenson – Mørk EP (Rump Recordings / RUMPEP005)

Mørk heißt dunkel auf dänisch, und wirklich viel Licht fällt wirklich nicht durch die Track-Decke von Heidi Mortenson. Man muss tief graben, um ihren letzten Release auszugraben, der ist vier Jahre alt, mehr als eine halbe Ewigkeit heutzutage. Die fünf neuen Stücke sind, das gleich vorweg, ganz und gar fantastisch, putzen sämtliche pseduo-hippen traurigen Mädchen an Klavier und Gitarre von der Erdoberfläche, revolutionieren den altehrwürdigen Chanson, grabbeln verhärmten Schwarzträgern am Bart, gehen mit einem Sound um wie mit einem Neugeborenen, starten durch, bremsen sachte ab, sind leer, voll, gerne gleichzeitig, überlegt, latent hektisch, werfen sich der Technik vor die Füße und rappeln sich doch immer wieder hoch. Heidi Mortenson bietet hier die sperrigste Umarmung aller Zeiten an. Sich einfach drauf einlassen. Die Belohnung ist der Topf Gold am Ende des Regenbogens.
http://www.rump.nu
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Sascha Kösch
 
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Addison Groove – Transistor Rhythm (50 Weapons / 50WCD006)

Auf Albumlänge zementierte ADS. Das muss man einfach nur positiv sehen. Wenn Addison das jetzt mal rausgelassen hat, mit therapeutischer Wirkung, kann er sich jetzt 15 BPM runterschrauben. Und auch mal über die Samples nachdenken, bevor er sie droppt. Weil all das doch eh Schnee von gestern ist, nichts mit Oldschool zu tun hat, nur Futter für profilierungssüchtige Battle-DJs ist, die im HipHop nie ein Mädchen abbekommen haben. Mit Spank Rock und Mark Pritchard als Gästen. Darauf eine Xanax.
http://www.monkeytownrecords.com
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Sascha Kösch
 
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Conrad Schnitzler – Endtime (m=minimal / mm–010)

Es ist das letzte Studio-Album von Conrad Schnitzler, wenige Tage nach der Fertigstellung starb er. Mit diesem Wissen ausgestattet, kann man diese Platte, diese 36 Tracks, nur als radikal und gleichzeitig komplett aus der Zeit gefallen hören. Kurze Impressionen aus einem Kopf, den wir nie untersuchen werden können, ist er doch nur für eine kurze Zeit zu Besuch auf die Erde gekommen, um Unruhe zu stiften. Es ist viel zu tun, immerhin braucht die Zukunft, die weit entfernte Zukunft, auch die Schaltkreis-Nadelstiche. Die perfekte, nicht zu imitierende Irritation. Sehr gut.
http://www.m-minimal.com
thaddi



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