Eine Hymne, dieser Track. Sehr klarer Gesang, minimal stapfiger Groove und das alles in einer solchen Perfektion zu einem Song verarbeitet, dass man sich wirklich wundert, warum das nicht alle DJ-Charts als genau der Track erobert, auf den man sich diesen Winter einigt. Kommt vielleicht noch. Musik, die einem einfach nahgeht auf ihre süßliche Art, aber dennoch im Grunde sehr funky bleibt. Und die Rückseite mit ihrem verschleppten Bargroove und der Attitude, das man House auch mal hängen lassen kann, ist ebenso großartig. Eine dieser Platten, die man auch in Jahren noch pflegen wird. Ein Hit eben.
bleed
Massive sanft verschliffene Dubwelten, die sich in immer breiteren Echos auftürmen und dabei dennoch mit dem Sockel der Bassdrum sicher auf dem Floor herumschleichen. Tracks, die eher aus den Rillen überlaufen und einem das Gefühl geben, in der massiven Lässigkeit der in sich geschlossenen Welten nach und nach immer mehr kleinste Bewegungen wahrnehmen zu könnnen. Sehr hallzinatorisch, aber mit Kick.
bleed
Im Moment gibt es für mich einfach niemanden, der es so sehr wie Arttu schafft, puren Oldschoolfunk so zum Brennen zu bringen wie Arttu. Jeder Track ein Gewitter, eine Explosion, ein Monster, dass jeden auf die Knie zwingen dürfte. Die beiden Tracks seiner neuen Philpot-EP sind dabei keine Ausnahme. Schnodderig und von grundauf von der Bassline bestimmt, voller Knistern in den Hintergründen, aber immer so sehr auf das Limit der Masse dieser Grooves angesetzt, dass daneben für nicht viel Platz ist. Muss auch nicht, denn die Tracks räumen in ihrem puren in sich versteigerten Acidsound auch so schon massiv und gewaltig auf. Immer wieder ein Fest.
bleed
Eigentlich gibt es kaum ein anderes Label auf der Welt, das so beständig und mit einer solchen Lässigkeit diese ungewöhnlichen und überdreht massiven Kicks raushaut wie Phil E und Philpot. Und das über Jahre. Jedes einzelne Release ein Meisterwerk und die neue Jackmate (deren Tracks ich nicht schreiben kann, weil mir die eher elektronischen Anfangsbuchstaben auf der Tastatur fehlen) ist voller unerwarteter Wendungen. “Oval” (mit Ohmzeichen) rockt mit einem massiven Jazzswing langsam in einen treibend plinkernden Killertrack, der selbst Carl Craig zu seinen besten Zeiten hätte erblassen lassen, und die unglaubliche Duborgie auf der Rückseite zeigt einem mal wieder, wieviel an Zersplitterung dieser Sound eigentlich vertragen könnte, ohne seine summend breite Killerästhetik verlassen zu müssen. Zwei grandiose Tracks, und den letzten wünsche ich mir als Startschuss in das nächste Jahr.
http://www.philpot-records.net/
bleed
Keine Frage, Alex Jones gräbt sich hier tief in der Verzweiflung der verdrehten Stimmvocals und dem hintergründig verwirrten Acidsound ein, der mit den massiven Bässen immer wieder aufs Hirn knallt, so daß es einen nicht wundert, dass sich langsam eine Art von merkwürdig verquerer Bluesorgie slammender Merkwürdigkeiten entwickelt. Definitiv ein Fall für Dan Berkson als Remixer, der sich allerdings mit seinem “Effortless House”-Mix eher einem sommerlichen Nachglühen widmet, das schon mal zu blumig progressivem Synthkitsch neigt. Unerwartet, das. Die anderen Tracks suhlen dann wieder in diesem leicht schizophrenen Sounds zerbrochener Stimmen, alberner Effekte und Zementschuhpumpsound, der mir irgendwie immer besser gefällt, je länger ich mich dem aussetze. Musik, die einem vermittelt, der Westen sei nicht mit der Eisenbahn, sondern mit einem Flugzeugträger-Panzer-Hybrid erobert worden.
http://www.hypercolour.co.uk
bleed
Fail. Glatter Durchschuss. Auch wenn einige der Sounds in “Spock” brillant sind, als Track funktioniert es leider überhaupt nicht. Geradezu peinlich-dämlich. Vince Clarke und Martin Gore machen Techno. Das ist an sich ja schon falsch verstandene Anbiederung. Haben die doch gar nicht nötig! Doppelt erschütternd, weil Gore ein mehr als passabler DJ mit guten Tracks in der Tasche ist. Wenn zwei solche Urgesteine sich nach 30 Jahren wieder zur Zusammenarbeit entschließen, muss dabei mehr rumkommen. Die Mixe von Edit Select, Regis, XOQ und DVSI können da auch nichts mehr reißen, bringen aber zumindest ein wenig Struktur in diesen Kuddelmuddel. Das Album soll ja besser werden, munkelt man. Ist hoffentlich was dran.
http://www.mute.com
thaddi
Eine Liebesgeschichte der besonderen Art. Phidias – bekannt von seinem Release auf Freund der Familie – schreibt Convextion drei Tracks ins Herz. Mit vor Deepness flirrender Stille wagt er sich an das Werk der Legende und treibt dabei uns glücklich-glucksenden Tiefseeforschern die Tränen in die Augen. Denn natürlich sind die drei Tracks eine ausgemachte Unterwasserangelegenheit, weich und zeitlupig, eine Ode an die Fläche, den Dub und den pulsierenden Groove. Stillstand im besten Sinne. Abkopplung, Abstellgleis mit der besseren Sicht. Und im Staub der Vergangenheit bilden die Reminiszenzen an die Aufbruchstimmung von damals die Basis für eine brillante und gestochen scharfe Zukunft.
http://www.fauxpasmusik.de
thaddi
War Lee Jones immer schon so kategorisch verspielt in seinen Sounds? Plinkernd, wild vor sich hin pitchend, den Umgang mit Vocals mit der Kraft eines Staubsaugers aus UK anziehend? Allein deshalb ist “Moment” schon so wichtig. Wichtiger aber noch ist der herrlich britzelnde Remix von George FitzGerald, der mit dem Track ganz uneigennützig seinen Deepness-Umhang teilt, bevor er auf dem Pferd gleich weiter muss. Ein ähnlicher St. Martin ist auch Midland, der sich “Duvel” vornimmt. Im Original ist das schon fast Jazzjack in der Twin-Peaks-Variante. Und weil verregnte Käffer immer eine Pille vertragen können, bringt Midland die gleich mit. Sehr gut. Digital-Käufer bekommen übrigens gefühlte 347 Bonustracks.
http://www.ausmusic.co.uk
thaddi
Zwei Auskopplungen aus Watsons Requiem für die staatliche mexikanische Eisenbahn, von der die erste, “El divisadero”, unbedingt nahelag, mit ihrem ganz leicht ungeraden, klopfenden-delayigen Frage-Antwort-Groove, der in dramatischen Bögen einen ganz buchstäblich auf die Reise in ein 110bpm-Set schickt. Hier garniert mit einigen zusätzlichen Details und einer nicht wirklich schlüssigen Ein- und Ausleitung durch singend-sägende elektronische Klänge, die vage an musikalisierte Bremsgeräusche denken lassen. Umseitig die Überraschung, denn das Albumoutro “Veracruz” erfährt hier eine Abmischung, die aus der rumpelpolternden Schlussetappe (eine Tunnelfahrt?) eine Noiseperle macht, Futurismusnostalgie erster Güte. Toll, das auf Vinyl zu haben.
http://www.touchmusic.org.uk
multipara
Ein Name wie ein frischer Designer-Sneaker. Farbenfroh, nicht bunt und sehr bequem. Hört man rein, ohne den Namen zu lesen, kommt man nicht auf Anhieb darauf, das hier Tujiko Noriko singt, so glatt und perfekt kommen Melodie und Produktion: Elektronischer Pop aus Japan. Tatsuya Yamadas warme Synths, die Energie seines sanft pulsierendes Schwebens, sein Verzicht auf jegliches Auftrumpfen harmonieren erstaunlich gut mit Tujikos introvertierter Direktheit. Ein eingespieltes Team, von der Zusammenarbeit an einem Album seiner Band MAS über einen Remix für Tujikos “Trust” (ebenso wie Gastautor PPA), haben die beiden sechs Jahre lang zum Jahreswechsel zur Produktion eines Stücks zusammengefunden, die entsprechende Stimmung aufgesogen, leicht und mit einer eigenartigen Mischung aus selbstbewusster Beschwingtheit und Besinnlichkeit und zur Albumkomplettierung fünfe nachgeschoben. Das ist sehr schön und funktioniert grade in den poppigsten Momenten am besten – Längen drohen nur, wo Tujiko in den bekannten Traumpirouetten-Rezitativ fällt.
http://www.editionsmego.com
multipara