Max Richter – The Blue Notebooks (FatCat / 130701)
Zu Keith Jarretts “Köln Concert” habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Mit gutem Grund, das Tape mit Keiths Klavier drauf war schuld daran, dass ich vor Jahren morgens um sechs einen Unfall baute. Millisekunde, Lichtjahr… alles war da, leider auch krasse Physik, die den Zustand des Eingelulltseins auf einen Schlag beendete. Max Richters “Blue Notebooks” bergen ähnliches Gefahrenpotential: vereinen Klavier, Violinen, Kirchenorgel, Chor und viel, viel Hall zu einem stellenweise recht sakralen Mix – Sigur Rós minus Rock oder so. Nebenbei gehört, rauscht das vorbei wie ein leicht kitschiger Soundtrack, doch wer sich mit dieser Feststellung begnügt, verpasst etwas. Keine Amseln, sondern Krähen flattern
durchs Interlude: spätestens hier fällt der Groschen und man hört gebannt zu. Wer sich an “Ambient Works II” erinnert fühlt, ist der Sache auf der Spur. Das hier ist Musik, die Herzen berühren kann und muss, unausweichlich – speziell wenn frostgeschädigt, durch Liebe, Trauer oder sonstwas aus dem Takt gebracht. Klingt stellenweise auch wie eins der letzten Klavierstücke von Schubert: Schluss, Aus, Feierabend… aber dann doch ein kleiner Batzen Hoffnung, der wächst und wächst. Max Richters Partituren drängen niemanden dazu, doch wer suchen will, kann ihn finden, den Batzen. “Blue Notebooks” verweist übrigens nicht auf schnurrende Zauberkästchen, sondern auf blaue Oktavhefte – Kafkas bevorzugtes Textspeichermedium.
http://www.fat-cat.com
Ö
Auch gut:
- Max Richter: – The Blue Notebooks (Fat Cat )
- Deep Blue – Soho Code/Coral/Amtrak (Offshore 006)
- Punisher vs. Cozmic Spore – The Richter Scale (Seismic Records Detroit/015)
- Deep Blue – Momentum/Immersion (31 Records)
- Saint Germain – Rose Rouge (Blue Note)
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