Tortoise – Beacons of Ancestorship (Thrill Jockey)

Ein halbes Jahrzehnt ist es her, dass Tortoise ihr letztes Album “It’s all around you” herausgebracht haben. Nach einem Ausflug in Covergefilde mit Bonnie “Prince” Billy an den Vocals, wo Songs von The Minutemen, Bruce Springsteen und Elton John interpretiert wurden, zeigt sich die Band um Drum-Wizzard John McEntire wieder als sophisticated Chimäre, ein nicht zu greifendes polysequenzielles Wurzelwerk der Soundexplosionen. Es gab mal Zeiten, wo der Sound um die Chicagoer Schule Post-Rock genannt wurde. Kollektiv-ambitioniertes Musizieren ohne schwülen Gestus und lyrischen Pathos. Die Entwicklung zum Jazz war die vergangenen Jahre über die logische Konsequenz. Beacons of Ancestorship ist da anders. Bereits das eröffnende 8-Minuten-Epos sägt mit zackigen Moogs und distorted Bass progressiv in die Magengrube und erinnert an eine der anderen größten Bands der Ära: Trans Am, die mit ihrer kompromisslosen Verschmelzung von schierem Rock und Elektronik eine Ausnahmeerscheinung gewesen sind. So direkt und verzerrt habe ich auch Tortoise nicht in Erinnerung. Fast als wäre die Gegenbewegung zum Post-Rock eben jene Zuwendung zu Rockpurismen, trocken, groove-basiert, stoisch wallend. Dennoch wären Tortoise nicht die Heroen einer Musikzunft würden nicht auch hier klassische Schemata so entfernt umkurvt wie das Bermudadreieck von Segelschiffen, wären nicht die einnehmend dynamischen Soundbauten weiterhin so spannend wie beim ersten Mal. “Beacons of Ancestorship” ist ein grandioses Album. Fordernd, elektronisch, in seinen harmonischen Momenten unfehlbar und mit einer nonchalanten Reife versehen, die Dichte und Komplexität auf scheinbar leichteste Art und Weise zu konjugieren weiß.
ji-hun
Auch gut:
- Tortoise – A Lazarus Taxon (Thrill Jockey / 152)
- Tortoise – It’s All Around You (Thrill Jockey / 115)
- Tortoise vs. Autechre (Thrill Jockey)
- The Sea And Cake – Car Alarm (Thrill Jockey)
- Radian – Rec. Extern (Thrill Jockey/NTT/EFA)
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