Animal Collective – Fall Be Kind (Domino Rec.)
Das Kurz-Album “Fall Be Kind“ beginnt mit einem Intro, das die ganz großen Gefühle der nordamerikanischen Utopien berührt: Eine Vorahnung auf Kommunen-Pomp wird da vermittelt, ein wenig LSD in der freien Natur, ja, gewiss soll es wieder in die Wälder gehen, ehrliche Euphorie, struwelige Heranwachsende, die aus vollem Hals Melodien intonieren, die nach Tierstimmen klingen und nach dem Echo, das von der anderen Talseite zurückschallt: Let’s not worry, it’s all morning. Ein Sample von Gheorge Zamfir, dem “Meister der Panflöte“, der seit seiner Entdeckung durch einen Schweizer Ethnologen in den 60er Jahren ein bestimmtes Klientel mit seinen rumänischen “Hirtenliedern“ und viel Hall-Effekt versorgt, passt perfekt zur pastoralen Stimmung im elektronischen Zeitalter. Das zweite Lied, “What Would I Want? Sky“, bedient sich einer ähnlich eleganten Referenz: Der Hintergrund-Loop “Willow sky whoa“ kommt von den Grateful Dead und der Aufwand, der allein für die Klärung Copyright-Fragen betrieben worden sein muss, verlangt Respekt. Bis zur zweiten Hälfte des Albums hat sich das Kollektiv verausgabt. “Bleed“ klingt nicht recht nach irgendwas, weder nach Noise noch nach Appalachischem Lagerfeuer. Und fast dankbar lauscht man dem Animal Collective, wie es während einer langweiligen Autofahrt den Bauarbeitern beim Pinkeln zuschaut und sich fragt, ob die juckende Blase es noch bis zur nächsten Abfahrt schafft. Das letzte Lied wirkt daraufhin etwas angehängt, es klingt nach dem in der Weihnachtssaison so beliebten Mittelaltermarkt, und befand man sich nicht gerade noch auf dem Nachhauseweg?
nina
animalcollective
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