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22.06.2010 | 09:35
 
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Matthew Herbert – Recomposed by Matthew Herbert – Mahler Symphony X (Deutsche Grammophon / CD 0060252734438)


Der Titel stimmt nicht. Das ist keine Rekomposition, keiner der gefürchteten Klassik-Remixe. Herbert interpretiert als elektronischer Musiker. Er spielt – und zwar Sinopolis Aufnahme mit dem Philharmonia Orchestra, über Lautsprecher, am Ort ihrer Komposition, in einem Krematorium, in einem Sarg; außerdem dirigiert er die einleitende Bratsche neu an Mahlers Grab. Aus dieser Inkantation, mit gezielten Overdubs und natürlich etwas Show, formt er ein Hörstück, das die Musik dem Konzertsaal entreißt und paradoxerweise ins Leben zurückholt, das sie in den Kopf des Komponisten und den des Zuhörers zu versetzen scheint. Große Momente: Die aus dem Nichts aufscheinende Einleitung, sein Update des Schockhöhepunkts gegen Ende. Dazwischen gelingt ihm irgendwie die Magie, aus diesem klangkunstigen Ansatz lebendige Musik werden zu lassen. Nicht zuletzt, aber auch nicht nur, weil er sich enthält, Mahlers hochemotionales Werk zu dekonstruieren: in diesem ersten Satz (nur der wurde weitgehend fertig), entstanden im Sommer des Vorabends seiner Krankheit zum Tod, auf dem Höhepunkt seines Erfolgs und in Angst um den Verlust seiner Frau, seiner großen Liebe, an Walter Gropius, fallen Glück und Verzweiflung in eins wie eben nur bei Mahler. Über Herberts durchdachten Zugang, diese Spannung zu reflektieren, sie von neuem ergreifend zu machen, könnte man ein kleines (auch kritisches) Buch schreiben. Auf jeden Fall weist er damit über die Recomposed-Reihe hinaus. Zu empfehlen.
multipara

recomposed

Auch gut:

  1. Dieter Meier – Hermes Baby (Deutsche Grammophon)
  2. Hans Nieswandt – plus minus acht. DJ Tage, DJ Nächte (Deutsche Grammophon/Literatur)
  3. Matthew Herbert – letsallmakemistakes (Tresor)
  4. Matthew Herbert – Mistakes (Tresor/157)
  5. The Matthew Herbert Big Band – Goodbye Swingtime (Accidental)
Mehr:



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