“Es ist unmöglich, die Leidenschaften auszurotten; wir müssen nur darauf bedacht sein, sie auf ein edles Ziel zu lenken”, heißt es in Leo Tolstojs “Krieg und Frieden”. So könnte man auch die letzten Jahre von Sascha Ring umschreiben, der nach der Apparat-Bandwerdung das Angebot von Regisseur Sebastian Hartmann annahm und das literarische Mammutwerk vertonte. Nach der Aufführung bei den Ruhrfestspielen sollte das Material noch den nötigen Twist bekommen, im Apparat’schen Sinne heißt das: Melancholie, Beklommenheit und mehr Lied als Track. “44″ beginnt gleich mit Tränen in den Augen, die in der Noise Version mit allerhand Drones und atmosphärischem Rauschen auch wieder verschwinden (oder zu trocknen beginnen). Auch wenn eine Dechiffrierung des speziellen Apparat-Gefühls langweilt, ist es Rings Talent, Klanggebilde wie “PV” zu entwerfen, die klaustrophobische Stimmungen aufbauen, Dramaturgie suchen, mitreißen und letztlich die Schönheit von Kummer auf den Punkt bringen – mit Pauken und Posaunen zum großen Finale. Bliebe noch die Schnittmenge zwischen Tolstoj und Ring: Deutsche Übersetzer des russischen Dichters hadern mit der Umständlichkeit seiner Sprache, preisen aber auch die hypnotisierende Kraft seiner Kunst. Passt.
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Weiß

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