Der Titel ist Programm. Könnte man meinen. In Zusammenarbeit mit dem Club Transmediale haben sich 15 Autorinnen und Autoren zum Thema Körperlichkeit im Bereich der elektronischen Musik und ihren Ausdrucksformen geäußert. Die Formen und Formate sind sehr unterschiedlicher Art. So gibt es zum Beispiel ein Word-Up von Miss Kittin, einen Essay von Diedrich Diederichsen über das Unheimliche, sowie einem Dialog zwischen Thomas Meinecke und Jochen Bonz über die Kulturtechnik des Tracks, um nur ein paar zu nennen. Illustriert wird das Ganze mit sehr schönen Computerzeichnungen von Jan Rohlf. Was der Titel verspricht, findet sich im Sammelband oft nur marginal. Der Körper steht im Fokus, die Gender-Aspekte sind jedoch bei den verschiedenen Analysen meistens nur Beiwerk. Pinky Roses Beitrag mit dem Titel “Reset: Weiblich?“, ist einer der wenigen, der sich dem Thema Gendertronics wirklich widmet und durch seine Art den oft sehr trockenen akademischen Sprachduktus durchbricht. Generell drängt sich mir bei der wissenschaftlichen Analyse von Clubkultur, und in 80 Prozent der Fälle geht es hier um dieses Setting, die Überlegung auf, ob es mit einer bewusst wissenschaftlichen Terminologie möglich ist, einen allumfassenden Zugang zu den beschriebenen Szenarien zu liefern.
Somit wirkt der Sammelband an vielen Stellen etwas steif und abstrakt, wo es doch um eine alles andere als statische Thematik geht. Auch der Gender-Aspekt, wenn er denn auftaucht, besteht fast immer aus einem gegenwärtigen Lagebericht mit vorangestellten Rückblenden, jedoch aus keinem wirklichen Ausblick.
Trotzdem halte ich die geführte Diskussion für im Rahmen der akademischen Wahrnehmung von Clubkultur und der Körperlichkeit im Feld von Techno für diskurserweiternd. Die “Liveness“ fehlt eindeutig. Aber die lässt sich sowieso am eigenen Leib abseits der Bücherwelt am besten erfahren. EUR 9,-

cblip

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