Als vor anderthalb Jahren Caribous Remix zu Virgos “It’s a Crime” erschien, brach der blitzend-helle Wahnsinn in den Clubs los. Spätestens da wurde klar: Dan Snaith macht großartigen Sound für real existierende Dancefloors. Jetzt wurden auf einem Album seine Daphni-Tracks versammelt: Trommelskizzen, Soul-Sonnen, Geschmacksexplosionen. Die drei größten Hits kommen gleich am Anfang. “Yes, I know” ist zunächst nicht viel mehr als eine Acid-Basslinie, die sich durch die ersten Takte nagt wie ein gefräßiger Käfer. Bis mit einem Mal die Soul-Sonne erstrahlt: ein Buddy Miles-Sample haut rein, genial getimt. Ein Coup. Man könnte auch sagen: eine Geschmacksexplosion, als wär’s ein Molekularküchensnack für den Club. Nicht weniger groovig ist zweitens der Remix zu Cos-Ber-Zams “Ne Noya” geraten: Der Bass hakt sich mit grandiosem Rumpeln unter die Stimmsamples, psychedelisch-glitzernde Soundschwaden verhüllen den togolesischen Himmel. Und drittens “Ye Ye”, das entlang einer Arpeggioachse ins Endlose tänzelt und einen unwiderstehlichen vokalen Drive entfaltet. Was davon übrig bleibt? Yeah, yeah, yeah. Alle drei Tracks sind letztes Jahr schon auf Vinyl erschienen. “Ye Ye” auf einer Split-EP auf Kieran Hebdens Label Text, “Yes, I know” und der “Ne Noya”-Remix auf Dan Snaiths eigenem Imprint Jiaolong. Benannt wurde Letzteres wohl nach dem chinesischen Tauchboot, das nautische Tiefenforschung betreibt. Deepness als Programm ist wahrlich nichts Neues, aber tatsächlich hat Snaith als Daphni, dem Pseudonym unter dem er selbst auch in Clubs auflegt, einige der frischesten Dancefloortracks der letzten Jahre produziert. Wie etwa einen Hot-Chop-Remix, der sich indes nicht auf dem Album eingefunden hat. Zwischen 8-Bit-Ästhetik, House, manischen Afrorhythmen und krautischem Neotrance changierend, künden diese Tracks von Snaiths neugewonnener Faszination für den Dancefloor, ähnlich wie auch Snaiths guter Freund Four Tet sich jüngst im Club austobte. Es sind rohe Tracks, spontane Skizzen, die am Nachmittag entstehen, um Stunden später im Club ausprobiert zu werden. Im Space-Invaders-Tauchkostüm erkundet so “Light” einen blubbernden Unterwasserwahnsinn, während sich in “Pairs” die bleepigen Lasersounds unter die Congas mischen. “Ahora” ist eine steppend-flötelnde Melancholienummer, “Jiao” ganz orientalische Strangeness, “Springs” ein hochunterhaltsamer Spießrutenjam. Und in “Long” reißt zum Schluss nochmals der Horizont auf: zischend, episch, schön. Haben wir auf dieses Album gewartet? Ja. Glücklich ist die Szene, die einen solchen Produzenten hat. Vielleicht rettet uns Daphni ein bisschen die Welt. Oder zumindest die nächste Nacht.(bjørn)

bjørn

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