Wenn ich mein Radio töten würde, wäre mein Handy platt, aber vermutlich meint er eh eher die Musik, die sonst so im Radio läuft oder es soll einfach ein Punkrockzitat sein, das pflegen Herren mit Schnauzer, Italowelle und scharfem schwarzen Anzug ja gerne als Attitude an den Tag zu legen. Nahezu christlich das Intro “Hertz Anthem” und überraschend tückisch verkratzt, digital im Sound dann der erste Dancefloorsmasher “Lovely Toy” das ordentlich oldschoolig Macho den elektrischen Stier bei den Hörnern packt und sich selber, wie das ganze Album hindurch auch, stilisiert als den geliebten Sohn des Raveuniversums, in dem sich immer schon alles um ihn drehte, sonst nix. Dabei ist ihm keine Idee der Oldschool von dunklen Phuturevocals mit EBM Post-DAF Basslines bis hin zu schnodderig trancigen-elektroiden Synthsblubbern zu völlig überforderter 808 Bassdrum zu schade nicht aus der Gruft herausgeholt zu werden. Und so sehr das alles auch klingt wie ein Pagnini Buch für Elektromusik, irgendwie bringt das kaum einer so konsequent wie Carretta. Was immer an diesen Tracks krank klingen will, klingt wie Makeup aus einer Ärzteserie, was sexy klingen will, klingt wie die Vertonung der abgeschmackten Träume der Abuse Industry, was hecktisch pumpen will, klingt wie hecktisches Pumpen, eigentlich also alles, wie es ist. Ein Album das genau die Oberfläche ist, die es anbietet, ohne Verstecke, ohne Geheimnisse. Ein ehrliches Slackermonument eben. Und genau deshalb auch gut.
http://www.gigolo-records.de
bleed

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