“Die Gitarre darf zurückkehren, wenn sie weiß, warum sie weg war,” hiess es
bei ideologischen Wortführern von House, Techno, Breakbeat, Electro, IDM,
als sie noch jung und selbstbewusst in eine Zukunft schauten, die exklusiv
ihnen zu gehören schien. In einer Atmosphäre der Instrumentenfeindlichkeit
fristete die Gitarre ein Nischendasein, klingelte mal balearisch, mal als
Reggae-Offbeat oder High-Life-Linie, auf jeden Fall aber anonym im
ornamentalen Bereich der Musik herum. Viel Zeit ist seither ins Land
gegangen, und längst gibt es mit Mice Parade, Guido Moebius und Anthony Read
wieder Verteter der im besten Sinne “aufgeklärten Gitarre”. Dazu gehören auch Dead Hollywood Stars: Sie haben ein Herz für die düsteren Stimmungen des Lebens und schwelgen auf dieser Mini-LP noch mehr als im
begeisternden Spätwestern “Junctions” im Klang der Slide-Gitarren. Auf
Ornamente wird verzichtet, auch der tief empfundene Roots-Bezug der Friends
of Dean Martinez, deren experimentellen Ansatz die Dead Hollies teilen, wird
hier zugunsten eines stilisierten Expressionismus an der kurzen Leine
gehalten und fällt manchmal auch ganz weg. Kein Fake-Tex-Mex-Mix mit Filme
im Kopp also, sondern nur ein bewusst eng gehaltenes Limit, eine begrenzte
Farbpallette für ein stimmungsschwangeres, eher statisches als
cinematographisches Klangbild. Leider fehlt den Pinselstrichen mitunter die
Kraft und Entschlossenheit, die selbst bei einem luftigen Projekt wie Mice
Parade, und erst recht eben im Toten Hollywood von John Sellakaers die halbe
Miete sind. Dafür gibt es Extrapunkte für wieder mal ausserordentliches
CD-Design.


eric mandel

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