Faitiche, der Name von Jan Jelineks auch schon nicht mehr ganz jungem Label, ist eine Wortschöpfung der großen Alleszusammendenkers Bruno Latour. Der hatte dieses Kunstwort (gebildet aus Fakt und Fetisch) im Zuge seiner Moderne-Kritik eingeführt, in welcher nicht der Mensch Wissen generiert, sondern auch die Dinge als Handelnde begriffen werden müssen. Nun muss der Name eines Labels natürlich nicht programmatisch für alles herhalten, was darauf so veröffentlicht wird. Doch Jelineks hier versammelte Tracks verweisen tatsächlich auf des Eigenleben der Maschinen. Ein Eindruck, der sich auch dank des Auslassens dessen verstärkt, was man gemeinhin unter einem Beat versteht. Die A-Seite, “Music For Fragments”, ist Library Music als Reenactment. Ursprünglich sangen die Maschinen hier für den Choreografen Sylvain Émard. Loop-Finding-Zupfinstrumente, analoge Basswärme, kurze Eruptionen, ein sich verlaufendes Sample: alles vorgetragen mit grosser Sach- und Ernsthaftigkeit. Und meilenweit weg vom faden Ableton-Universum. Die Aktanten der B-Seite: Oszillatoren und Aufnahmen von Vögeln. Ist das schon Neo-Concréte? “Music for Birds” ist als Arbeit für das Wissenschaftsmuseum CosmoCaxia in Barcelona entstanden. Bei Faitiche werden solche Arbeiten Jelineks nun gesammelt und nach und nach auf vier EP’s erscheinen. Gut so, denn irgendwie stellt sich das Gefühl ein, man bekäme hier so eine Art Jelinek-Essenz präsentiert.
http://www.faitiche.de
blumberg

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