Nach drei Alben auf Geist, dem Alec Empire Label, meldet sich Rotterdams Ausnahmeerscheinung auf Rephlex zurück. Man konnte nach anfänglichen Acidtracks am Rande der Szene von Like A Tim über die Jahre eigentlich immer wieder zu Recht behaupten, dass er der einzige ist, der sich konsequent weiterentwickelt. Mit seinem letzten Album “I’m Serious” machte er dann zum ersten Mal etwas, das vielleicht nicht jeder nachvollziehen konnte. Der Sound bekam etwas Garagenartiges, es war überall ein Hall und eine Faszination für Lofi zu spüren, und man wusste nicht mehr so recht, worauf er nun eigentlich hinaus will. Mit “Red And Blue Boxing” ist Like A Tim wieder bei einer extremen Reduzierung angelangt. 19 Tracks plinkernder Skizzen aus relativ verschrobenen Melodien, staksenden Rhythmen und tragischen Trockenheiten, die stellenweise so klingen wie Filmmusik zu Zeichentrickfilmen einer längst vergangenen Ära, die gelegentlich etwas klassisch Strenges haben, etwas von dem Versuch, eine Art Pseudobarock in Skelettform zu produzieren, etwas von dem Hauch früher elektronischer Musik einzufangen, in der ein neues Musikinstrument immer erst mal dazu benutzt wurde, ein Rondo dafür zu schreiben. “Red And Blue Boxing” ist nicht witzig sondern nüchtern, weniger verdreht als vielmehr der Versuch, zu etwas zurückzufinden, das eine Basis sein könnte. Die Beats sind überraschend einfach, die Sound sowieso, und der Mensch ist für eine kurze Pause mal ganz verschwunden. Eine überraschende Platte für Fans von Kostümfilmen in Standbildern. Notwendig und irgendwie besinnlich.

bleed

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