Bei Zweitausendeins ist gerade die nächste Edition der Wiener Typoskripte von Wittgenstein erschienen, jener glasklare Philosoph mit Humor, den wir so sehr schätzen, und den dieser Verlag normalmenscherschwinglich verfügbar macht, in der Tat, mit 15¤ statt 155¤ für die ursprüngliche Typoskriptausgabe. Diese umfangreiche Blättersammlung, die er bereits mehrfach und komplex für eine Buchwerdung bearbeitete, ging Wittgenstein 1938 im Zuge des Anschlusses Österreichs an Nazi-Deutschland verloren. Sie wurde erst später wieder gefunden und von Michel Nado herausgegeben. Auf knapp 550 Seiten findet sich Fragmentarisches zum Wesen der Sprache, der Bedeutung wie zum Sinn des Satzes oder dem Verstehen. “Man könnte fragen: Wie lange braucht es/man, um einen Satz zu verstehen. Und wenn man ihn eine Stunde lang versteht, beginnt man da immer vom frischen.” All die vielen kleinen klugen Statements wie dieses sind wieder mal ein Hinweis, dass Denken als Ausschreiben und nicht als Aufschreiben gedacht werden muss. Oder, um es mit Wittgenstein zu schreiben: “‘Das Denken geht im Kopf vor sich’ heißt eigentlich nichts anderes, als, unser Kopf hat etwas mit dem Denken zu tun. Man sagt freilich auch: ‘ich denke mit der Feder auf dem Papier’ und diese Ortsangabe ist mindestens so gut, wie die erste.” Klingt einleuchtend. 15¤

mercedes

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