Manchmal retten Nerds doch die Welt. Ohne Morgan Geist und sein Projekt Metro Area wäre das Disco-Revival im Ballermann-Klamauk verendet. Aber mit puristischer Liebhaberei und samtiger Stilsicherheit hat er die Würde von Disco gerettet. Und selbst beim Wiederentdecken von Italo-Disco musste er kein Auge zudrücken, sondern hat stattdessen Perlen wie ”Secret Agent Man“ von Gaz Nevada ausgegraben. Ein Geschmacks-Stalinist mit Sinn für die Deepness in den seichten Untiefen der Dance-Music. Damit ist er eine Ausnahme – die Ausnahme-Platten aufnimmt. Bei ”Double Night Time“ hat er sich für eine kleine Änderung entschieden, mit großer Wirkung: Er arbeitet mit seinem Freund Jeremy Greenspan von den Junior Boys als Sänger zusammen. Dadurch verschiebt sich der gesamte Bezugsrahmen von Geists Musik. Von der Groove- und Sound-orientierten Dance-Musik geht es zu Pop mit Refrain und Melodie. Das war in der instrumentalen Abstraktion von Metro Area schon angelegt, hier bricht es aber so nach vorne, dass einem nur die hellsten Momente des Elektrofunks der 80er einfallen, vorrangig in der UK-Variante von Cool Notes bis Paul Hardcastle. Ein paar frivolere Synthie-Sounds, etwas mehr Haarspray in die Beats und eben dieser Auch-weiße-Jungs-können-träumen-Gesang von Greenspan schieben ”Double Night Time“ in eine Radiowelt, in der schon die Junior Boys, Cameo und Sebastien Tellier rumlungern. Süßlicher Dancepop von fanatischen Alleswissern mit Feeling. Das ist definitiv die Königsdisziplin. Mal sehen, welche Chartsmäuse sich nach diesem Album von Geist produzieren lassen wollen.

jeep

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