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Sascha Kösch
 
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27.04.2012 | 00:39
 
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Fritz Kalkbrenner (Suol / SuolCD004)

Es gibt viel zu viele Mix-CDs. Dass das Genre seit Soundcloud und Podcasts immer noch nicht am Ende ist, ist schon beeindruckend genug. Dass Fritz Kalkbrenner sich auf der ersten Folge der neuen Suol-Reihe nicht durch 24 x-beliebige Tracks mixt und die Klientel bedient, die er seit seinen Vocals für den Bruder nicht mehr los wird, ist viel wert. Stattdessen gibt es RJD2, J Dilla, Roy Ayers, Black Milk, Pete Rock, Lawrence, Robag Wruhme, Boo Williams, Johnson Products und ein generelles Gefühl für den Regenbogen der Nacht. Fein selektiert, mit viel Anlauf für die, die nur 4/4 erwarten und großem und doch unaufgeregten Finale. Sehr überraschend, was nur heißt, dass wir alle in Klischees denken. Und ein gelungener Start für die Suol Mates. Smoother Frühling, lass dich umarmen.
http://www.suol.com
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Sascha Kösch
 
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VCMG – Ssss (Mute / Stumm 441)

Es ist kaum auszuhalten. Da machen VInce Clarke und Martin Gore nach 30 Jahren wieder gemeinsam Musik und das Ergebnis ist eine Leichenschau. Eine Notaufnahme-Wiederbelebung eines Verständnisses von Techno, das nicht mal an Tankstellen-Raves in Oberbayern je eine Rolle gespielt hat. Das am ehesten noch einer kurzen und doch umso dunkleren Phase entspricht, als Nichts-Checker aus der Mischung von immer straigther werdendem EBM und falsch verstandenem New Beat die falschen Schlüsse zogen. Aber ich bin dennoch happy. Ich darf zum ersten Mal schreiben: Das hier, das ist komplett seelenlos. Schreibt Songs, Jungs. Bitte. Ihr seid nicht mehr die Jüngsten. Verschwendet nicht eure Zeit.
http://www.mute.com
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Sascha Kösch
 
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Giana Factory – Save The Youth (Questions & Answers / QACD001)

Hier gilt es gleich zwei Geschichten zur erzählen. Natürlich zunächst die der Band und des famosen Debütalbums. Drei Däninnen lassen sich ihre Indie-infizierten Tracks von Who Made Who produzieren, und das ist eine Mischung, die direkt ins Herz sticht. Es ist eine eher dunkle Angelegenheit, erinnert an die wavigen Aufbruchszeiten in England vor langer Zeit. Aber eher, weil sich das Sound Design sehr analog und offen präsentiert, die Songs sind schon jetzt komplett zeitlos und nah dran, zukünftige Klassiker zu werden. Unentschieden zwischen Straightness und exhaliertem Experiment, treffen die drei einen Nerv, der fast den Erschlaffungstod gestorben wäre. Trentemøller-Schützlinge. Die andere Geschichte ist die des Labels. Q&A ist das neue Indie-Label von Wordandsound, das gleich komplett durchstartet. Und auf dem Album von Giana Factory doch wieder den Brückenschlag sucht mit dem Kerngeschäft des Vertriebs. Auf der Bonus-CD finden sich neben frühen EP-Tracks die unvermeidlichen Remixe. Auch von Trentemøller. Absolutes Killer-Album.
http://
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Sascha Kösch
 
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Hunee – Tide (Rush Hour / RH 119–12)

Ungewohnte Acid-Attacke von Hunee, der in “Tide” nicht die silberne Box blubbern lässt, sondern gleich sein ganzes Studio mit der immer latent eigenwilligen Filtermosche bestrahlt und so einem sowieso immer prägnanten Funk eine völlig neue Richtung verleiht. “Minnoch” fühlt sich im pulsenden Kalimba-Schaltkreis pudelwohl, besprüht die strauchelnden Nulear-Mutationen der Südsee-Atolle mit hektisch zuckender Deepness und wackelt so den Wankelmütigen mit klarem Vorteil voraus. Der Held des Dschungels.
http://www.rushhour.nl
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Sascha Kösch
 
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Anstam – First Sprout EP (50 Weapons / 018)

Anstam ist der neue Destroyer. Die drei Track der aktuellen EP wickeln mit genau der richtigen Portion Wahnsinn den Bindfaden der Grenzkontrolle vor der Weltregierung in eindeutigen Formen um den Fahnenmast der Zukunft. Tanzen können dazu am besten Mäuse mit noch besseren Ohren, sämtlichen anderen Füßen fehlt das orchestrale Zirkustraining des Winterlagers unter einer viel zu kalten Sonne.
http://www.monkeytownrecords.com
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Sascha Kösch
 
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Airhead – Wait (R&S Records / RS1205)

Der Weg zum vollständigen Autoren-Label scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. Zwei Tracks von Airhead machen die Welt aktuell zu einem deutlich besseren Ort. Aus der sonischen Konfusion schält sich Schritt für Schritt bei “Wait” eine unvergessliche Ballade der LoFi-inspirierten Deepness. Will man immer wieder hören in der selbst gewählten Isolation, die plötzlich als der attraktivste Wegweiser des perfekten Lebens gilt. Und auch “South Congress” überrascht mit seiner shoegazerigen Zärtlichkeit unter der Distortion mit einem völlig neuen Blick vom Gipfel über der Stadt. Einfach wunderbar.
http://www.rsrecords.com
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Sascha Kösch
 
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October – String Theory (Simple Records / 1251)

Ah, Julian Smith. Es hat viel zu lange gedauert, bis nun endlich neues Material erscheint. Und nur wegen der beiden Tracks wurde Simple Records wiederbelebt, heißt es im Waschzettel: könnte schlimmer sein. Herrlich langatmig, ausufernd, oldschoolig, feingliedrig, mit genau den richtigen Harmonien für die Nacht bringt uns “String Theory” gleich auf seine Seite. “Tension” kommt dann sogar mit angedeuteten Vocals, viel mehr Tempo, Filter auf den shuffelnden HiHats und der Bass-Version der Erkennungsmelodie der Zeitansage. Schmacht. Auf der B-Seite remixt Legowelt beide Tracks und macht einen guten Job. An die Originale kommt er aber nicht ran.
http://www.simplerecords.co.uk
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Sascha Kösch
 
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Baaz – Judy Bass (Slices Of Life / SOL3)

Großartig wie immer: Baaz ist ein Held. Aktuell und hier und auf dem Opener “Judys Bass” vor allem wegen seiner offenherzigen Liebe zu locker flatternden 909-HiHats, dem vollmundigen Droppen der Snaredrum der gleichen Maschine und der immer präsenten Deepness in den Chords. Kann man gar nicht drüber schreiben, muss man einfach hören. “Jeally” gibt sich schwurbelig in den Kongas, täuscht den Refrain blendend an im Filter und plockert sich so auf der Überholspur gen Süden. “Carbon Hair” deuten wir als eindeutige Liebeserklärung an die 12″s von Maurizio. So atmet Geschichte. Dringlich und doch vergänglich in den angerauschten Chords, stoisch und mitreißend in den Beats. Kann ich davon bitte eine zweistündige Version bekommen? Irre gut, wichtig und genau angemessen fordernd.
http://www.slicesoflife.de
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Sascha Kösch
 
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V/A – Fachwerk EP 3 (Fachwerk / FW024)

Und weiter geht es mit den immer beliebter werdenen Mini-Compilations. Mike Dehnert (gleich zwei Mal), Roman Lindau und Saschy Rydell verschreiben sich in ihren Tracks der kompromisslosen Oldschooligkeit zwischen dubbiger Erinnerung (Dehnert – “Avec”), staubtrockenem, minimalistischen HiHat-Strippenziehen (Lindau – “Plavix”), nagesägtem Weltuntergang (Dehnert – “Traces Of”) und fast schon fluffiger, aber enorm konzentrierter Hinwendung zu digital-kristallklaren Chords als Massenhypnose (Rydell – “Tout Le Monde”). Perfekt für jede Gelegenheit.
http://www.fachwerk-records.de
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Sascha Kösch
 
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Kingthing vs Jamie Grind – EP (Infrasonics / Infra12005)

Unfassbarer Killer-Release, aber: Eigentlich ist das auf Infrasonics ja immer so. Kingthing führt uns auf “Waking Up” zunächst komplett in die Irre, beginnt latent sweet, bevor die Berserker-Stimme den Acid auspackt und keinen Stein auf dem anderen lässt. Blawan? Kann in Rente gehen. “Cold Diss” ist ein leicht verschnupfter Juke-Schluckauf, der die Unschärfe unserer täglichen Welt in glühendem Bernstein erstarren lässt. Und Jamie Grind? Sweet’n'deep’n'sexy. “For You” will man nie wieder loslassen, hat sich eh schon in die Stimme verliebt, bucht den Urlaub in der Garage. Und “We Still Play 140″ sollte nicht nur als Slogan über jedem Club hängen, der etwas auf sich hält. Mit diesem Track wird endlich wieder das zelebriert, was vielen nur noch vom Hörensagen bekannt ist. Let’s do this.
http://www.infrasonics.net
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