Zwei Frauen, Mitte Zwanzig, leben zusammen mit ihren beiden Kleinkindern in einer Kohleofen-Wohnung in Kreuzberg. Die Kinder kränkeln im winterlichen Großstadtsmog, das Geld ist knapper als knapp. Um sich eine dringend nötige Auszeit leisten zu können, arrangieren Maria und Josy einen Versicherungsbetrug und verbringen acht Wochen außersaisonal auf Mallorca. Urlaub ist es zwar, aber todlangweilig. Dann lernen sie Jörg aus Spandau kennen. Verpackt in ungekünstelter Alltagssprache werden hier Freundschaft, Komödie und Tragödie miteinander vermengt und das Beste ist – der Plan geht auf. Urlaubsroman? Frauenliteratur? Westberlinbuch? Alles in einem und sogar ein Schritt weiter. Sarah Schmidt schafft es, die beiden Frauen, ihre Macken, Sorgen und Wünsche wunderbar plastisch darzustellen, ohne zu langweilen und dabei gleichzeitig eine sehr authentische Kreuzberggesellschaft zu beschreiben, die sich von dem fast zwanzig Jahre älterem Heute nicht weit entfernt zu befinden scheint. Trotz der – oder gerade durch die teils schonungslose Offenlegung des Alltags und der Handlungsmotivation der Akteure baut sich eine sympathische Bezugnahme auf, die man inzwischen viel zu selten literarisch umgesetzt findet. Vieles kennt man von Freunden, von früher und von sich selbst, ohne durch gängige Klischees angeödet zu sein. Kurz bevor alles in eine seichte, emotional motivierte Erzählungsstruktur mit offensichtlichem Ausgang abzugleiten droht, kippt die ganze Geschichte noch in eine andere Richtung. Das Ergebnis könnte im persönlichen Kontext der Figuren zu pathetisch wirken, stülpt dem gesamten Buch letztendlich aber eine überraschende nüchtern soziale Thematik über, die rückblickend alles vorher Erzählte nur als Konstrukt benutzt. Schlicht, aber im Detail hervorragend umgekrempelt. Danke dafür, Frau Schmidt! 13 EUR
http://www.verbrecherei.de
sandra sydow

Leave a Reply